Vortrag über Computer

„Erst Hirn einschalten, dann den PC“

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Handy und Internet sind für Viertklässler längst Alltag: Die Schule im Kirchgarten warnt vor den Gefahren und lädt einen Medienprofi ein. Klicksalat: Jörg Kabierske referierte über die Gefahren moderner Medien und virtueller Welten.

Babenhausen - „Wer weiß, welches Smartphone das ist?“ Ein Drittel der anwesenden Schüler reckt die Arme in die Höhe – die Erwachsenen setzen grüblerische Minen auf. „Das i-Phone 6“, hat ein zehnjähriger Fachmann das Bild im Nu entlarvt. Von Ursula Friedrich 

In technischen Dingen ist die junge Generation auf der Überholspur – das zeigt sich auch rasch bei der Veranstaltung in der Grundschule im Kirchgarten. Die vierten Klassen sowie die 18 „Gastvierer“ der Markwaldschule aus Langstadt sitzen an diesem Morgen in einem besonderen Vortrag. Der Regensburger Medienpädagoge Jörg Kabierske zeigt seinem jungen Fachpublikum die Kehrseite von WhatsApp, Instagram und YouTube. Denn Smartphones, Handys und Internet sind für Kinder diesen Alters längst vertraute Medien – den Gefahren sind sie aufgrund jugendlicher Naivität und Unkenntnis häufig schutzlos ausgeliefert.

Die Schule im Kirchgarten steuert gegen: PC-Unterricht wird ab der dritten Klasse geboten, immerhin einmal wöchentlich. „Die meisten Viertklässler besitzen Smartphones, auch Tablets oder einen eigenen PC“, weiß Schulleiterin Silke Schulz-Mandl. Sie nimmt ihren erzieherischen Auftrag ernst, hat den Regensburger Referenten Kabierske einmal erlebt – und ihn nun für ihre Schule nach Babenhausen geholt.

Fachvortrag mit regem Miteinander

Präventionsarbeit im Umgang mit modernen Medien scheint das Gebot der Stunde. Denn im Fachvortrag „Klicksalat“ in der Schulaula, der ein reges Miteinander von Referent und jungem Publikum ist, wird rasch deutlich, dass Pornografie, Gewaltverherrlichung und andere Schrecknisse für viele Kinder nichts Unbekanntes sind. „Bei mir kommen manchmal Kettenbriefe auf WhatsApp an“, erklärt ein Junge, „das macht einem Angst.“ Ein anderer hat bei YouTube sein Wunschvideo angeklickt, „und plötzlich lief was ganz Anderes mit nackten Leuten.“

Trotz Altersbeschränkung sind gewaltverherrlichende Fantasiewelten aus Computerspielen wie „GTA“ bei manchen Kindern durchaus bekannt. „Eigentlich ist es nicht so schlimm, weil die Menschen und das Blut nicht echt sind!“, glaubt ein unbedarfter Viertklässler. Es wird deutlich, dass der Besuch Jörg Kabierskes wichtig ist.

Ehrlichkeit im Publikum

Er setzt kräftige Hebel an: „Man hat bei sowas Angst wegzuschauen, weil es uncool ist, oder?“ Zustimmung im Publikum. „Ich habe Angst ausgelacht zu werden oder ein Angsthase zu sein“, bekennen einige Mädchen ehrlich. Jörg Kabierske hat einen guten Zugang zu seinem Publikum gefunden. Argumentiert: „Aber ihr macht euch sogar strafbar!“ und manchmal sei es viel mutiger, auf Straftaten hinzuweisen, als einfach mitzumachen – das klingt einleuchtend. Der Referent formuliert klare Appelle: „Erst das Hirn einschalten, dann den PC!“ Baut Brücken: „Vertraut euch einem Erwachsenen an!“ und macht Mut: „Hört auf euren Bauch.“

Sein Credo an Erwachsene ist, verantwortungsvolle Vorbildfunktion einzunehmen. Ein Ansatz, den die Grundschule sehr ernst nimmt und auch hier Nachhilfe bieten möchte. Eltern sollen die Gefahren moderner Medien ebenfalls aufgezeigt werden. Die Schule im Kirchgarten möchte im Juni eine weitere Präventionsveranstaltung anbieten – diesmal nur für Erwachsene.

Quelle: op-online.de

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