Erstuntersuchungen und Impfungen von Flüchtlingen

„Fliegende Ärzte“ im Einsatz

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Wolfgang Marx war einer der „Flying Malteser Docs“, die gestern in der Kaserne rund 800 Flüchtlinge impften.

Babenhausen - Hessens Sozial- und Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) informierte sich bei einem Besuch in der Flüchtlingsunterkunft in der Kaserne über den Einsatz eines mobilen Ärzteteams. Von Stefan Scharkopf 

Für Beliza Rashid ist Flüchtlingshilfe selbstverständlich – der Familiengeschichte wegen, da ihre Eltern vor Jahren aus Bangladesh fliehen mussten, aber auch aus humanitären Gründen. Die 26-Jährige, die kurz vor dem Abschluss ihres Medizinstudiums steht, ist eine freiwillige Helferin im Team der „Flying Malteser Docs“. Neben der Registrierung und Unterbringung ist eine der großen Aufgaben, die medizinische Versorgung der Flüchtlinge sicherzustellen. Jeder, der ankommt, erhält die so genannte Erstuntersuchung. „Über einen Aufruf in die Ärzteschaft und den Einsatz mobiler Ärzteteams, den so genannten Flying Malteser Docs, können wir diese Untersuchungen zeitnah nach der Ankunft der Menschen auf sehr gutem Niveau sicherstellen“, sagte Grüttner gestern in Babenhausen. Die mobilen Teams können an den verschiedenen Standorten die Flüchtlinge direkt untersuchen, so auch in der Kaserne. „Wir haben es in Hessen auch dank der Arbeit der mobilen Ärzteteams, die von der Gießener Erstaufnahmeeinrichtung aus und den Maltesern koordiniert werden, geschafft, die Erstuntersuchungen bei den ankommenden Flüchtlingen systematisch und zeitnah durchzuführen“, so Grüttner; eine „Riesenleistung“ vor dem Hintergrund der hohen Flüchtlingszahlen 2015.

In Hessen waren es im vergangenen Jahr fast 80.000 eintreffende Flüchtlinge, die untergebracht und untersucht werden mussten. Alleine seit September 2015 haben die mobilen Ärzteteams („Malteser Medical-Check-Einheit“) dies bei 23.000 Flüchtlingen vorgenommen. Das war möglich, weil Ärzte – parallel zu den Untersuchungen in Gießen – mit ihrer Ausrüstung an die verschiedenen Standorte gefahren sind. „Teils waren wir mit Medikamenten im Wert von über einer halben Million Euro unterwegs“, sagte Notfallsanitäter Alexander Pohl.

In Babenhausen untersuchten gestern nun 13 mobile Ärzte rund 800 Flüchtlinge. In mehreren Räumen in der Kaserne durchliefen die Menschen die Prozedur. Alle Erstuntersuchungen beruhen auf der Erhebung einer ausführlichen Anamnese mit Dolmetscher, einer körperlichen Visitation zum Ausschluss akuter, insbesondere infektiöser Erkrankungen einschließlich Röntgen, um offene Lungentuberkulose auszuschließen – und einem Angebot für Impfungen gegen Grippe sowie Tetanus, Diphterie, Masern, Mumps und Röteln. Das Prozedere, das für jeden etwa eine Viertelstunde dauerte, fließt in ein Gesundheitszeugnis ein, das für das weitere Asylverfahren wichtig ist, wie Pohl erläuterte.

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Minister Grüttner ist derweil stolz auf sein Bundesland, denn Hessen sei vom Robert-Koch-Institut angefragt worden, da es das einzige Bundesland sei, das Impfquoten erhebt. Im Durchschnitt liegt die Impfquote bei Erstuntersuchungen bei rund 87 Prozent. „Das ist ein herausragendes Ergebnis, zumal, wenn man die Freiwilligkeit bedenkt“, so Grüttner. Die Zahl liege über dem Schnitt der deutschen Bevölkerung. Die mobilen Teams spielten vor allen Dingen in Zeiten sehr hoher Flüchtlingszahlen eine große Rolle. Die engagierten Helfer hatten viel zu tun, daher dauerte es etwas, bis sie nach Babenhausen kamen. Wer in der Kaserne unabhängig davon medizinische Hilfe braucht, kann den „Medical Point“ aufsuchen, der für die Einrichtung geschaffen wurde.

In Gießen sei, so Grüttner, die medizinische Versorgung weiter ausgebaut worden und eine weitestgehende Zentralisierung der Untersuchungen werde jetzt möglich. Einen weiteren Einsatz der „Flying Malteser Docs“ wird es in Babenhausen also nicht mehr geben. Des Sozialministers Fazit: „Wir alle haben es in einem Jahr, in dem das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mehrfach seine Prognosen massiv und unvorhersehbar nach oben korrigieren musste, geschafft, die Flüchtlinge unterzubringen, medizinisch zu versorgen und Obdachlosigkeit zu vermeiden.“

Quelle: op-online.de

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