Geschöpfe aus Luft und Liebe

Fabiana Lang ist erfolgreiche Ballonkünstlerin

Harreshausen - Luftpumpen und bunte Gummihülsen gehören für Fabiana Lang zum Geschäft: Neben ihrem Uni-Alltag knotet die Studentin aus Harreshausen Ballons und formt daraus Elefanten, Fische und andere Figuren. Von Katrin Muhl

Fabiana Lang und ihr Schweinchen Noppes. Mit der selbstgebauten Handpuppe hält sie Kinder bei Laune. Denn die können es meist gar nicht abwarten, ihre Ballonfiguren in Händen zu halten.

Der Hase war’s. Einer aus weißen Ballons, zusammengeknotet von „Happy Man“ Norbert Herbert. Ihn kennen die Babenhäuser als Spaßmacher von allerlei Festen. Dass er Fabiana Lang – damals noch im Grundschulalter – mit seinem luftgefüllten Tierchen zur Ballonkunst animierte, dürfte dem „Gutgelaunten“ kaum bekannt sein. „Ich war total fasziniert davon, wollte das auch können und fing an zu üben“, erinnert sich die heute 23-Jährige. Mehr als ein loses Hobby war das Ballonmodellieren für sie bis März 2013 aber nicht. Nun finanziert sich die Studentin damit ihre Ausbildung zur Grundschullehrerin an der Frankfurter Goethe-Uni. Von ihren Aufträgen kann sie gut leben und sich vor Buchungsanfragen manchmal kaum retten. „Das ist schon okay“, beteuert sie: „Anstrengend, ja, aber ich liebe es einfach, das zu machen.“ Blutige Finger vom vielen Knoten auf Weihnachtsmärkten waren im letzten Winter Beweis genug.

Um der hohen Nachfrage gerecht zu werden, spricht sich Lang regelmäßig mit „Ballonerina“ Silvia Liebetanz aus Frankfurt ab. Die Kolleginnen verbindet nicht nur eine Freundschaft, sondern auch ein geschäftliches Bündnis. „Wir sind mittlerweile beide selbstständig, sprechen uns aber immer ab, wenn wir einen Auftrag reinbekommen und werden auch oft zusammen gebucht“, erklärt Lang, die an der Seite ihrer erfahreneren Kollegin überhaupt erst Fuß fasste im knallbunten Gewerbe mit Gummi und Luft.

Um ihre Knotkünste bekannt zu machen, traten die jungen Frauen auf Trinkgeldbasis bei Kindergartenfesten auf. „Wir hatten uns selbst angeboten, da wollten wir kein Geld verlangen, das vielleicht gar nicht im Budget für die Feier lag“, verdeutlicht Lang. Ein Jahr lang versuchten sie mit freiwilligen Spenden ihre Materialkosten zu decken. „Das hat leider gar nicht funktioniert“, bedauert Lang. Elefant, Fisch und Hase – „oft gab’s für ein Ballontier oder mehr nur zehn oder zwanzig Cent – das reichte nicht für unsere Ausgaben und wir blieben darauf sitzen.“

Den ersten großen Auftrag zog ein Bekannter an Land. „Fast ein Jahr lang reisten wir durch ganz Deutschland von einer Alnatura-Filialeinweihung zur nächsten“, erinnert sich Lang, „das war echt aufregend.“ Bald kamen andere Großkunden dazu, darunter McDonald’s, BMW, Suzuki oder Karstadt, die das Ballon-Duo für Firmenfeiern und Neueröffnungen buchten. Sogar in einen Kinofilm haben es die zwei geschafft: In „Alles ist Liebe“ mit Nora Tschirner, Tom Beck und Heike Makatsch sind die Ballonkünstlerinnen für ein paar Sekunden im Bild. „Wie immer in roten Klamotten mit weißen Punkten, das hat sich mal als meine Uniform ergeben“, sagt sie. Über der Schulter trägt sie eine große, schwere Tasche. Die ist voll gepackt mit allem, was eine Ballonkünstlerin so braucht: Rohlinge in allerlei Farben und Längen, dazu Kulleraugen zum Aufkleben und eine elektrische Luftpumpe.

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Obwohl auch mal Kindergeburtstage im Auftragsbüchlein stehen, tragen weder Lang noch Liebetanz beim Ballonknoten rote Knubbelnasen oder dick Schminke im Gesicht. „Wir sind keine Clowns“, sagt Lang, „von ihnen wollen wir uns klar abgrenzen“, macht sie mit fester Stimme deutlich. Die meisten Clowns brächten ohnehin kaum aufwendigere Ballonfiguren zustande als „Hunde, Hasen, und Herzen“. Lang hat da schon mehr im Petto: 22 Standardfiguren und „Saisonware“ mit Motiven für Halloween, Weihnachten, Ostern oder Muttertag. Etliche davon sind selbstkreiert oder weiterentwickelt. Je komplizierter eine Figur ist, desto länger muss Lang knoten. „Das kann schon mal fünf Minuten dauern“, sagt sie. Mehr Zeit lässt sie sich aber nicht: „Vor allem Kinder werden sonst ungeduldig.“ Die Grundlagen der Ballonkunst hat Lang aus Büchern, von DVDs und Internetvideos. Ihre Vorbilder kommen aus den USA, wo die Ballonkunst einen höheren Stellenwert genießt als hierzulande. „Die Künstler können dort allein vom Trinkgeld leben “, weiß Lang. „So eine Anerkennung wünsche ich mir auch in Deutschland.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Muhl

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