Fast jedes Kind kommt unter

Notdienste funktionieren, Eltern schreiben offenen Brief

Babenhausen - In Woche zwei hat sich der Kita-Streik in den drei betroffenen Einrichtungen eingependelt. Die Eltern sind nach wie vor solidarisch mit den Erzieherinnenn, sehen aber die Stadt in der Pflicht, zu handeln. Von Corinna Hiss 

Leere Rutschen und Schaukeln im Außenbereich, hochgestellte Stühle in den Innenräumen – solche Szenarien sind in den Babenhäuser Kindergärten auch während des bundesweiten Streiks der Erzieher nicht zutreffend. „Wir haben Notdienste. Und die funktionieren“, zieht Andrea Potthast vom ASB-Regionalverband Südhessen, unter dessen Obhut die acht städtischen Kitas sind, nach knapp zwei Wochen positive Bilanz.

Da anders als in vielen hessischen Kommunen die Babenhäuser Erzieher zum Teil nicht bei der Stadt sondern beim ASB angestellt sind, werden momentan nur drei Einrichtungen bestreikt. Betroffen sind die Kita Hergershausen, die ASB-Kita Wichtelwald in der Kernstadt und die Wuselkiste in Harreshausen. Trotz Streik läuft dort aber der Betrieb so gut es geht weiter. „Die Kernbetreuung bis 14.30 Uhr ist gewährleistet. Nur wer sein Kind normalerweise noch länger in der Kita hat, muss jetzt umdisponieren“, sagt Potthast. In Hergershausen gebe es beispielsweise zwei Notbetreuungen für jeweils 25 Kinder, die Plätze würden gerecht aufgeteilt werden.

Nur positive Rückmeldung von Eltern

Hier lesen Sie den offenen Brief der Eltern

Dass alles so gut funktioniert hat auch mit der Planung der Erzieher zu tun, denen das Wohl ihrer Schützlinge am Herzen liegt. Die ASB-Mitarbeiterin spricht davon, bis jetzt nur positive Rückmeldung von Eltern bekommen zu haben. „Sie sagen uns, dass alles gut organisiert ist und die Notdienste frühzeitig bekanntgegeben werden“, freut sich Potthast. Denn nicht nur die Erzieher, auch die Eltern haben sich vorbereitet: Wer kann, bringt sein Kind bei den Großeltern unter, feiert Überstunden ab oder kooperiert mit anderen Eltern. Wenn all´ das nichts hilft, tut der Notdienst sein Übriges.

„Die Betreuung in Babenhausen ist fast zu 90 Prozent gewährleistet – und das, obwohl gestreikt wird“, so Potthast. Engpässe in den Notdiensten sind eine Seltenheit: Nur einmal gab es in der Wuselkiste in Harreshausen einen Platz weniger in der Betreuung als von den Eltern angefordert. In diesem Fall musste das Los entscheiden, welches Kind den begehrten Platz bekommen durfte. „Das tat uns leid, aber es war in den zwei Wochen wirklich eine Ausnahme“, bedauert Potthast.

Unbefristeter Kita-Streik hat begonnen

Verständnis für die streikenden Erzieher zeigen auch viele Eltern. 35 Mütter und Väter – angeführt von der Elternschaft der Kita Hergershausen – haben einen offenen Brief an die Stadtverwaltung geschrieben. Denn bei allem Verstehen haben sie dennoch Unannehmlichkeiten und zahlen trotzdem ihren monatlichen Kita-Beitrag weiter. „Es ist lobenswert zu sehen, wie Notgruppen eingerichtet werden und wie man sich auf beiden Seiten Mühe gibt, die wenigen Plätze denen zuzusprechen, die keine anderen Möglichkeiten der Betreuung haben“, heißt es in dem Schreiben. Dennoch: „Die Stadt ist gut beraten, nach den Debatten und Auseinandersetzungen mit den Eltern um die erneute Gebührenerhöhung Ruhe einkehren zu lassen und diesen Streik nicht ausufern zu lassen“, steht zu lesen. Weiter wird kritisiert, dass die Stadt zwar Betriebskosten und Gehälter einspare, jedoch an den zahlenden Eltern verdiene: „Während die Stadt weiterhin die Gebühren einzieht, aber keine Gehälter zahlen muss und auch bei den Betriebskosten einspart, gibt es für die Familien eben nicht die bezahlte Leistung.“

Nach Pfingsten Situation entspannter

„Bis jetzt liegen uns noch keine Beschwerden vor“, reagiert Potthast. In den ersten zwei Wochen eines Streiks müssten die Eltern laut Gebührensatzung sowieso ihren Beitrag einbringen, danach müsse individuell verhandelt werden. „Ich weiß nicht, ob es überhaupt jemanden gibt, der den Notdienst gar nicht genutzt hat und deswegen eine Erstattung der Gebühren fordert“, sagt die ASB-Mitarbeiterin und verweist auf das gute Notfallprogramm in den Kitas.

Ab Dienstag nach Pfingsten ist die Situation dann noch entspannter: Die städtischen Mitarbeiter in der Wuselkiste legen ihren Streik nieder – und dann sind es nur noch zwei Einrichtungen, in denen die Normalität noch nicht eingekehrt ist.

Quelle: op-online.de

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