„Zeit für die junge Generation“

CCH-Sitzungspräsident Lutz Murmann: Abschied von der Fastnachtsbühne

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Lutz Murmann (links) sorgt bereits seit 38 Jahren mit Klaus Müller für gute Stimmung beim CCH. Zusammen stand das Gespann bereits fast 200 Mal auf der Bühne.

Harreshausen - Wenn am Freitagabend der Carnevalclub Herrnhuter (CCH) mit seiner großen Sitzung die Fastnachtskampagne einläutet, wird damit parallel ein Abschied verbunden sein: Lutz Murmann führt zum letzten Mal als Sitzungspräsident durchs Programm.

Unser Mitarbeiter Michael Just hat den Bankkaufmann aus Eppertshausen gebeten, in Erinnerungen zu schwelgen.

Warum der Abschied als Sitzungspräsident?

Mit 53 Jahren ist es an der Zeit, die Dinge ein wenig zu reduzieren. Mit Büttenreden und Zwiegesprächen kam ich in zurückliegenden Kampagnen manchmal auf 30 Auftritte. So reifte schon länger der Entschluss, nach elf Jahren die Sache zu übergeben.

Das ist nicht die einzige närrische Jubiläumszahl.

2015 stehe ich seit 44 Jahren an Fastnacht auf der Bühne. Vor 25 Jahren war mein erster Vortrag in Harreshausen, seit elf Jahren bin ich hier Sitzungspräsident.

Wie kamen Sie damals nach Harreshausen?

Auf der Suche nach Programmpunkten riefen die Herrnhuter Ende der 1980er Jahre in Eppertshausen an und suchten Bühnenakteure. Meine Premiere gab ich 1990 als Schweizer Philharmoniker. Über die Fastnacht ergaben sich plötzlich Kontakte zu den Fußballern des TSV, die einen Trainer suchten. In Eppertshausen trainierte ich bis zu diesem Zeitpunkt über zehn Jahre die A- und B-Jugend. Da ich schon immer mal eine 1. Mannschaft übernehmen wollte, folgte der Wechsel.

Wie lange währte der Job als Trainer?

Durch Fortbildungen in meinem Beruf hörte ich nach vier Jahren auf. In dieser Zeit stiegen wir von der B- in die A-Klasse auf.

Als CCH-Sitzungspräsident blieb die Verbindung nach Harreshausen aber eng. Wie kamen Sie zu diesem Posten?

Vor elf Jahren besuchte ich als Bühnenakteur des CCH dessen Mitgliederversammlung – obwohl ich gar kein Mitglied war. Bei der Diskussion über das Sitzungsprogramm konnte ich durch meine Erfahrung im Eppertshäuser FVCA wertvolle Tipps geben. Als Mann vom Fach bot man mir daraufhin die vakante Stelle des Sitzungspräsidenten, an. Als kleiner Verein hatte sich zu diesem Zeitpunkt aus den Reihen des CCH niemand gefunden.

Was machte in Harreshausen am meisten Spaß?

Ich fühlte mich mit Alfons Disser, Annemarie Kattner oder Heidi Oswald-Braun immer wie in einer Familie. In den vergangenen Jahren machte der Vorstand eine tolle Arbeit und wir haben ein qualitativ hochwertiges Sitzungsprogramm etabliert. Von meinen Auftritten im Umkreis hab ich weitere gute Akteure mitgebracht. Mittlerweile sind aus dem Ort viele junge Leute im Alter von 25 bis 30 Jahre nachgerückt. Der Freundeskreis brachte nicht nur einen begeisternden Tanz auf die Bühne, sondern entwickelte auch ein Barkonzept als After-Show-Party.

Sie bescherten dem Stadtteil auch das allererste Harreshäuser Prinzenpaar.

Bei einer Sitzung standen Klaus Müller und ich als Prinz und Prinzessin auf der Bühne. Als Sitzungspräsident war das aber die Ausnahme. In der Regel halte ich mich in diesem Amt von Vorträgen zurück, weil es diese One-Man-Show nicht braucht. Für den Notfall hatte ich aber immer ein Ersatzkostüm dabei, falls ein Redner ausfällt. Das war zwei- bis dreimal der Fall.

Ihr Fastnachtsengagement reicht weit zurück. Wann fing alles an?

Mein Vater war schon Büttenredner und ich trat in seine Fußstapfen. Einmal schrieb er einen Fastnachtsvortrag für mich, den ich als Kind in der Schule vortrug. Das hörte der Pfarrer, der daraus einen gemeinsamen Auftritt entwickelte. Als Schüler und Lehrer brachten wir den Seniorenklub zum Lachen. Dort trete ich heute noch auf, denn mit ihm fing vor 44 Jahren alles an.

Gibt es einen Nachfolger?

Um den mache ich mir keine Sorgen. Michael Kattner steht in den Startlöchern. Er gehört zu jener engagierten jungen Truppe, von der ich vorhin sprach. Er war vor zwei Jahren Prinz in Babenhausen und ist auch im CCH-Vorstand. Er hat den Wunsch, sich verstärkt zu engagieren. Damit passt das jetzt wunderbar. Wenn die jüngere Generation will, sollte man sie beflügeln anstatt zu bremsen.

Sie sagen, die Fastnacht wird sich in Zukunft verändern.

Die viele Comedy im TV macht sie kaputt. Wir haben in Harreshausen schon die Vorträge von fünf oder sechs auf drei reduziert, weil den Leuten das Zuhören schwer fällt. Die Zukunft der Fastnacht geht immer mehr in Richtung Party, während die klassische Büttenrede mehr und mehr ausstirbt. Die erscheint vielen einfach nicht mehr zeitgemäß. Damit fällt etwas Eigentümliches weg. Ohne Bütt müssen die Vortragenden mehr auswendig lernen und auf ein Stück Sicherheit, etwa beim Festhalten, verzichten.

Quelle: op-online.de

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