Carnevalclub Herrnhuter mit großer Sitzung

Staraufgebot zum närrischen Auftakt

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Tänzerisch und optisch ein Hingucker: Die CC-Dancers der Knallkepp aus Dudenhofen.

Harreshausen - Seine große Fastnachtssitzung legt der Carnevalclub Herrnhuter (CCH) traditionsgemäß an den Beginn der Kampagne im November. Mit rund 20 Programmpunkten garantierte sie in der Mehrzweckhalle jetzt reichlich Frohsinn und Helau. Von Michael Just

„Mit Cowboyhut und Lederwest’, beim CCH heißt‘s Wild-Wild- West“ lautete das Motto. Aufmerksam einem Fasnachtsvortrag zuzuhören, fällt vielen Menschen heute schwer. Anders ist es, wenn ein außergewöhnlicher Redner auf der Bühne steht. Einen solchen hatte der CCH mit Colin Murmann. Als „Schulbub“ fesselte der Elfjährige mit seiner lockeren und unbekümmerten Art das faszinierte Publikum. Dabei blieb kein Auge trocken, vor allem, als er über das Liebesleben seiner Eltern berichtete oder Einblicke gab, wie er Lehrer und Eltern an der Nase herumführt.

Bevor Sitzungspräsident Lutz Murmann, der Vater von Colin, die Narren begrüßte, machte die Band „Holidays“ Stimmung. Nach elf Jahren sagte der Eppertshäuser zum letzten Mal das närrische Geschehen an. Das tat er zusammen mit Michael Kattner, dem Vorsitzenden des CCH. Durch die Doppelmoderation lernte das Publikum gleich den zukünftigen Sitzungspräsidenten kennen. Nach dem musikalischen Intermezzo der Feuerwehr Messel mit „Cowboy und Indianer“ tanzte die kleine Garde der TG Nieder-Roden. Im Anschluss präsentierte der Carnevalverein Babenhausen (CVB) das neue Prinzenpaar mit Nadine und Andreas Wenzel. CVB-Vorsitzender Klaus Fengel hatte zum Abschied von Murmann eher ein paar bissige Spitzen als lobende Worte zu dessen „Eingang in die ewigen Jagdgründe“ parat.

Ein Seelenbalsam erfolgte im Anschluss vom Elferrat des FVCA Eppertshausen, in dem Kollegen und Freunde von Murmanns Heimatverein vertreten sind. Mit einer Playback-Show bescherten sie ihm einen fulminanten Abschied. Zu den Hits imitierten sie DJ Ötzi, Andreas Gabalier oder Margot und Maria Hellwig auch optisch. Das Aufgebot der Stars wurde im zweiten Teil noch von „Die Eeser“ aus Froschhausen getoppt. Im Gegensatz zum FVCA-Elferrat sangen die drei Damen aber live, darunter auch Andreas Buranis WM-Song „Auf uns“. Bei den Tanzauftritten brannten die Garden der CC-Dancers Knallkepp aus Dudenhofen, das Lido-Ballett der CVB-Prinzengarde und Kult vom TSV Langstadt ein choreografisches Feuerwerk ab. Davon nicht ausgenommen, präsentierte das CCH-Männerballet der Smoking Flamingos als i-Tüpfelchen ebenfalls als eine ideenreiche und schrille Show. Zu Beginn war man(n) nur mit Lederhose bekleidet und zeigte viel Haut. Mit Natalie Reichenbach, die in puncto Gardetanz über Erfahrung auf deutscher Wettbe-werbsebene verfügt, werden die Flamingos von einem Profi angeleitet.

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Der CCH besitzt derzeit keine weibliche Tanzgarde. Die letzte löste sich vor ein paar Jahren auf, als sich die Gruppe nach dem Abitur verstreute. „Jetzt hoffen wir auf eine junge Formation, die sich im Kindergarten oder der Schule bildet“, so Alfons Disser vom CCH. Der Vorsitzende der Herrnhuter, Michael Kattner, hielt den zweiten Vortrag des Abends als leidgeprüfter Ehemann. Der entpuppte sich als unkonventionell: Statt zu reimen unterhielt Kattner als amüsanter Plauderer und konnte dabei diverse Wirkungstreffer auf das Zwerchfell setzen.

Mit seiner jüngsten Auftaktsitzung gelang es dem CCH erneut, ein begeisterndes, kurzweiliges Programm, das fast fünf Stunden währte, zu realisieren. Lediglich zwei Vorträge verlangten dem Publikum nicht allzuviel Ruhe und Konzentration ab. Stattdessen reihten sich vor allem Tanz, Musik- und Gesangsbeiträge erfolgreich aneinander. Der Elferrat des FVCA und die Eeser demonstrierten, dass bekannte Hits und Gassenhauer – aufgepeppt und in einem Kostüm vorgetragen – nie ihre Wirkung verfehlen.

Bilder: Sitzung beim Carnevalclub Herrnhuter

Kattner empfahl sich zudem selbstbewusst als Nachfolger von Lutz Murmann –das passende Mundwerk inklusive. Wie er sagte, sei es eine sinnvolle Aufgabenverteilung, dass Murmann die jungen Frauen ansage und Kattner sie zum Abgang küsse. Bevor die Münsterer Hinnergassebuwe musikalisch den Schlussspurt einläuteten, gab es für den scheidenden Sitzungspräsidenten noch den Dank des CCH, was mit dem Entrollen eines großen Plakats kundgetan wurde. Zum Abschied gesellten sich Freude und Stolz, dass mit Michael Kattner zukünftig wieder ein Harreshäuser, und damit ein Eigengewächs, durchs Programm führt. „Ich hatte hier eine wunderschöne Zeit. Feiert Fastnacht bis zum Umfallen“, forderte Murmann. Wenn man sich hier in 22 Jahren immer noch sehe, dann könne man sagen „Mission completed - Mission erfüllt“.

Quelle: op-online.de

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