Fetzige Tanzdarbietungen und kurzweiligen Büttenreden

Fremdensitzung des CVB: Galaktisch gute Fastnacht

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Als Schornsteinfeger wirbelte die Tanzgruppe Akzeptanz des TV Babenhausen über die Stadthallenbühne.

Babenhausen - Ein vierstündiges, närrisches Programm mit überwiegend bewährten Bühnenakteuren heizte den Besuchern der ersten Fremdensitzung des CV Babenhausen Samstagnacht ein. Von Petra Grimm 

Vereinsvorsitzender Klaus Fengel gab einen entspannten und wie immer souveränen Sitzungspräsidenten, der gleich zur Eröffnung eine Breitseite gegen „die Pegida-Idioten“ abschoss, „die angetreten sind, zur Verblödung der Menschen beizutragen“. „Bei all dem Terror in der Welt, kann man da noch Fastnacht feiern?“, fragte er und gab selbst die Antwort: „Ja, jetzt erst recht!“ Das sahen die feierfreudigen Gäste offensichtlich auch so. Am Samstagabend schunkelten sie in der Stadthalle unter Planeten und Ufos, die von der Decke baumelten. „Beim CVB ist Carneval, die Narren düsen pink durch´s All“ war das Motto. Auf dem beachtlichen Bühnenbild war ein grünes Männchen mit Narrenkappe, das verblüffende Ähnlichkeit mit Klaus Fengel hatte, im pinkfarbenen Ufo unterwegs.

Auch einige Fastnachter in Saal hatten das Motto aufgegriffen und feierten als Außerirdische. Umrahmt von Gardetänzen stellte Hofmarschall Roland Keil das Prinzenpaar Nadine II. und Andreas I. aus dem Hause Wenzel vor. Wirklich gekonnt – trotz ihrer Aufregung – lieferten auch die Kinderprinzen Suna I. (Gökce) und Kevin I. (Willand) mit ihren Pagen Johanna und Devin ihre Ansprache ab. Begeistert huldigten die Fastnachter ihre großen und kleinen Regenten mit einem dreifach donnernden „Bawwehause helau“. Erfrischend anarchisch inmitten des Hofzeremoniells war die Kleine Garde auf der Bühne im Einsatz. Ihr quirliger Tanz, nicht ganz so synchron, aber mit einem strahlenden Lächeln auf den Lippen, war wieder einer der Höhepunkte.

„Fastnacht is’ hier ja des ganze Jahr“, leitete Protokoller Joachim Heizmann, als Vulkanier mit spitzen Ohren in der Bütt, seinen gewohnt scharfzüngigen Vortrag ein. Er vermutete, dass man nach Aschermittwoch, auch mit Blick auf den anstehenden Wahlkampf, wohl keinen Unterschied zur Zeit davor wahrnehmen werde: „Da sind dann wieder die anderen Narren dran“. Als Mitglied der Vulkanpartei ließ er sich kritisch über die Sparpolitik der Stadt aus. Er monierte unter anderem „Gebührenaktionismus“ zur Lasten der Bürger bei gleichzeitiger Verschwendung städtischer Mittel durch Sitzungsgelder für die in seinen Augen unfähigen und untätigen Ausschussmitglieder. Den hohen Altersdurchschnitt im Magistrat kommentierte er mit „die wissen zumindest, was früher alles besser war“. Und auch die Arbeit der Ortsbeiräte fand unter seinen Augen keine Gnade: „Die haben Einfälle, bevor sie denken“.

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Deutliche Worte fand er für „den Depp Assad in Syrien“ und die Gerüchteverbreiter in der Stadt, die aus allen in der Kaserne untergekommenen Flüchtlingen Vergewaltiger und mordende Jihadisten machen. Für ihn geht Integration auch durch den Magen. Da blitzte der Schalk in seiner Rede wieder hervor: Wer ein gemeinsames Mahl, bestehend aus Schweinebraten, Handkäs’ und anderen heimischen Spezialitäten ohne Durchfall überstehe, der dürfe auf jeden Fall bleiben.

Viel Applaus und Zugabe-Rufe ernteten die durchweg originellen Tanzgruppen. Als Schornsteinfeger zeigte die TVB-Gruppe Akzeptanz eine Choreografie auf hohem Niveau, in die Schornsteine und Leitern eingebaut waren. Durch das Weltall wirbelte die CVB-Tanzgruppe mit metallisch glänzenden Kostümen. Und auch das Lido-Ballett hatte mit „New York City“ eine tolle Nummer im Gepäck, bei der sie in gewohnter Manier während des Tanzens das Kostüm wechselte. Am Ende waren sie als Freiheitsstatuen zu bewundern. Zum ersten Mal gemeinsam waren die CVB-Hausfrauen und das Männerballett Hypertonics tanzend im Einsatz. Sie zeigten eine humorvolle Show in tollen Kostümen, bei der Tarzan im Lendenschurz und eine männliche Jane, jede Menge Buschmänner in Baströckchen und Tänzerinnen in bunten Gewändern den Dschungel aufmischten. Für Auszugsmärsche und Schunkelrunden legte sich die Sunshine Music Band ins Zeug.

In der Bütt sorgten erfahrene Komödianten, darunter Frank Eser aus Jügesheim als Jogger und die Dieburgerin Monika Schledt als Supermama, für Gelächter. Beide kommen bei ihren Vorträgen ganz ohne derbes Gewitzel unter der Gürtellinie aus. Sie schießen gekonnt und temperamentvoll Gags ins Publikum, die die breite Spanne zwischen Schenkelklopfern und stillem Schmunzeln abdecken. Aus Babenhausen war Ralf Knöpp dabei, er unterhielt mit Wortverdrehern („Ein gerissener Spekulatius an der Börse hat mich fast in den Urin getrieben“) und anderen Witzen („Es würden viel mehr Männer von zuhause abhauen, wenn sie wüssten, wie man einen Koffer packt“).

Bilder: CVB-Sitzung in der Babenhäuser Stadthalle

Sitzungpräsident Klaus Fengel sprang kurzfristig für Christoph Visone ein, der erst am Nachmittag abgesagt hatte. Kein schlechter Ersatz: Fengel brachte die Zuschauer als Kurgast mit seinem derben Humor, oft auf eigene Kosten, zum Lachen. Zum Abschluss luden die Schaafheimer Sänger „Men only“ zu einer musikalischen Reise in verschiedene Länder ein. Ob als Scheichs, Caprifischer oder Mafiosi – in tollen Kostümen und mit kräftigen Stimmen feierten sie eine gelungene CVB-Premiere.

Quelle: op-online.de

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