Hexen und Frosch im Helau-Märchen

Ausgelassene Stimmung beim Programm des TSV Langstadt

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Das Männerballett wirbelte als Feen und Hexen über die Bühne, das es eine wahre Pracht war.

Langstadt - Jede Menge Zwerge, Prinzessinnen, Hexen und böse Wölfe schunkelten Samstagnacht ausgelassen im Langstädter Märchenwald. Von Petra Grimm 

Die Karnevalsabteilung des TSV hatte zur ersten ihrer beiden Sitzungen in die Markwaldhalle eingeladen und bot ein närrisches Programm, das die Gäste fast sechs Stunden in Atem hielt. Vertrautes und Neues bilden alljährlich das Erfolgsrezept bei der Lengschder Fastnacht, die von Sitzungspräsident Frank Ludwig Diehl gekonnt moderiert wurde. Mit Schlagfertigkeit und Humor reagiert er auf Zurufe aus dem Publikum und andere unvorhersehbare Ereignisse, überbrückt Umbaupausen, sorgt für Bewegung im Saal und nimmt sich selbst auch auf die Schippe.

Abgehoben: Die mittlere Garde des TSV Langstadt zeigte einen klassischen Gardetanz.

Da im Vorfeld bereits klar war, dass das Sitzungsprogramm sehr lange dauern würde, reduzierte er seine Eröffnungsrede, die traditionell die große und kleine Politik thematisiert, auf wenige Sätze. „Wo kriegen wir eine andere Welt her?“ fragte er mit Blick auf Krieg, Ausbeutung und Elend, an dem nicht wenige deutsche Konzerne verdienen würden. Aber in dieser Nacht war feiern angesagt. Und dass sich alle vertragen können, zeige man bei der Fastnacht, so Diehl. Neben dem närrischen Programm, zusammengestellt von Heiko Duda, sorgte auch das fantasievolle Bühnenbild, für das René König die Pinsel geschwungen hatte, für Begeisterung. Im beeindruckend realistisch gemalten Wald, der den Elferrat an seiner Theke umgab, sah man Schneewittchen und die Zwerge – auf ihren Köpfen kleine Narrenkappen statt Zipfelmützen.

Mit Victoria Fischer als Prinzessin in der Bütt eröffnete ein Teenager das Programm und bewies, dass die TSV-Fastnachter unter der Leitung von Peter Scheer keine Nachwuchsprobleme kennen. Das Bühnenpersonal wird aus allen Generationen des Stadtteils rekrutiert. Hier gibt es offensichtlich jede Menge Vollblutfastnachter, die die fünfte Jahreszeit kaum erwarten können. „Die wenigen Gast-Narren aus anderen Orten, die im Einsatz sind, sollen für Abwechslung und neue Gesichter sorgen“, so der Sitzungspräsident, der sich dieses Jahr auch über Nachwuchs im Elferrat freute: „Bei uns gibt es keinen Generationenriss wie bei vielen anderen Vereinen. Der Übergang ist fließend, es wachsen genug jüngere nach“.

Ralf Knöpp lieferte in der Bütt gekonnt Versprecher.

Flotte Tänze, Büttenreden, Gesang und Klamauk ließen die Herzen der Fastnachter höher schlagen. Die Stimmung im Saal war von Anfang an gut. Auch das Babenhäuser Prinzenpaar – Nadine II. und Andreas I. mit Hofstaat – begrüßte die Narren und feierte fröhlich mit. Die Mädchen der Mittleren und der Großen Garde – beide Gruppen unter der Leitung von Uli Metzler – schwangen gekonnt ihre Beine. Als zwei Tanzmariechen wirbelten Emily Fischer und Selina Danel über die Bühne. Im Märchenwald waren einige Gruppen fantasievoll unterwegs. Ein Bild, das sich nur schwer wieder loswerden lässt, ist dabei zweifellos das Männerballett. Unter der Regie von Katja Krapp und Tanja Kaschta hatte sie eine Choreografie einstudiert, die das Publikum nach Luft schnappen ließ. Als Hexen und Lillifees zeigten sie Männerbeine in Strumpfhosen, kurze Röcken und noch einiges mehr.

Das Froschkönig-Märchen tanzte die Gruppe „Glamourös“ mit einem überraschenden Ende. Denn der Kuss verwandelte bei ihnen die Königstochter in einen Frosch. Als Crazy Clowns begeisterten die Tänzerinnen von „Kult“ den Saal. Für Stimmungslieder sorgten die Disharmoniker unter der Leitung von Dieter Haag in bewährter Manier. Rockige Klänge und Schlager lieferte die Band Atze & Friends.

Die Büttenrede des routinierten Babenhäuser Fastnachters Ralf Knöpp war wohlweislich an den Anfang der Sitzung gesetzt worden, denn er forderte die Konzentration der Zuhörer mit seinen „Versprechern“. Er verdrehte Wörter und Satzteile und tauschte Buchstaben aus, dass es eine Freude war. Knöpp zeigte, dass ihn so schnell nichts aus dem „Konzert“ bringt, der Teufel manchmal im „Abteil“ steckt und er seinen Gegnern durchaus „Ravioli“ bieten kann. Er bot eine große „Kotze/Nutzen-Analyse“ und berichtete von seinem „Rauhfaserdackel“. Ein origineller Vortrag, der viel Applaus bekam.

Bilder von der Fastnachtssitzung des TSV Langstadt 2016

Bilder: TSV Langstadt feiert Fastnacht

Mit Fehlern in den Grimmschen Märchen räumte Carsten Dingel gekonnt auf („Alles erstunken und erlogen“). Er bot seine eigenen Versionen der bekannten Klassiker, darunter Hänsel und Gretel, „die verkommenen Blagen, die nichts schaffen wollten und statt dessen in den Wald liefen“. Hier trafen sie nicht auf ein Lebkuchenhäuschen mit Hexe, sondern auf ein grünes Biohaus aus veganen Kräutern, die die Alte, die darin wohnt auch ab und zu raucht. Als sie es damit übertrieben hat, ist sie dann halt in den Ofen gefallen.

Als „Butz-Trudche“ war Kirstin Goksch aus Semd in der Bütt. Und die Langstädter Talente Lydia Müller und Petra Emmerich waren in ihren Paraderollen als Margot und Else zu bewundern. Die beiden skurrilen Alten hatten sich im Wald verlaufen und lieferten dabei im Zwiegespräch deftige Gags, bis sie von Elses Enkelin (Michelle Emmerich) schließlich wieder gefunden wurden. Die Langstädter Comedy-Truppe enttäuschte auch in diesem Jahr ihre Fans nicht. Unter dem Titel „Hans im Glück – Tauschgeschäfte mal anders“ verwursteten die neun Männer und Frauen Teile verschiedener Märchen zu einer schrägen Show, bei der auch Helene Fischer als verwunschener Frosch nicht fehlte.

Quelle: op-online.de

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