Vorm Rundgang Ausflug in Historie

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Sickenhöfer Feuerwehr lädt zur Tour durch den Stadtteil ein. Helmut Mahr sorgt für Informationen. Ehrenortsvorsteher Helmut Mahr leitete den Spaziergang der Sickenhöfer Wehr mit einem kleinen Blick in die Geschichte ein.

Sickenhofen - Einen Grenzgang gibt es in Sickenhofen nicht, dafür aber einen Spaziergang der Feuerwehr im neuen Jahr, zu dem die breite Öffentlichkeit eingeladen ist. Von Michael Just 

In der Regel führt er zum Pflanzhäuschen beim Eppertshäuser Weg, wo etwas Warmes zum Trinken und eine Kleinigkeit zum Essen wartet. Nachdem die Veranstaltung im letzten Jahr aufgrund eines Todesfalls bei der Wehr ausfiel, war es am Sonntag wieder soweit. Das Wetter wirkte beim Start nicht besonders einladend, da zuvor noch ein Mischmasch aus Schnee und Regen vom Himmel fiel. So kam neben der Alten Schule eine übersichtliche Truppe zusammen. „Wir hatten auch schon weniger Teilnehmer“, sagte Feuerwehrvereinsvorsitzender Norbert Kolb und betrachtete die Resonanz nicht als negativ. Wie er heraushob, hätten die Meteorologen Sonne angekündigt. Und tatsächlich: Im Verlauf des Nachmittags riss der Himmel im Westen auf und ließ ein zartes Blau erkennen.

In seiner Begrüßung spannte Kolb einen Bogen von den Ereignissen in Paris zum eigenen Wohnort: „Wichtig ist es, die Kontakte auch im kleinen Kreis zu pflegen. Ein offener Umgang und ein demokratisches Miteinander werden durch Treffen solcher Art gefördert.“ Zur Freude aller Anwesenden sagte sich vor dem Start Ehrenortsvorsteher und Heimatkundler Helmut Mahr mit einem kleinen geschichtlichen Beitrag über Sickenhofen an. In der Vergangenheit hatte der 86-Jährige schon öfter den Spaziergang mit Ergebnissen seiner Arbeit bereichert, die er stets bündig und kurzweilig in ein paar Minuten zusammenfasst. Mitlaufen konnte Mahr aus gesundheitlichen Gründen nicht, mit seinem Thema zur Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung im Ort öffnete er aber einen Bereich, dessen Errungenschaften heutzutage als viel zu selbstverständlich angesehen werden.

Eigene Brunnen für Hausbesitzer

Sickenhofen wurde 1952/53 an das Gruppenwasserwerk in Hergershausen angeschlossen. Zuvor hatte jeder Hausbesitzer, wie das in ländlichen Gebieten üblich war, seinen eigenen Trinkwasserbrunnen. Da diese meist nur wenige Meter von den Jauchegruben entfernt standen, war dies laut Mahr keine hygienisch einwandfreie Lösung. Mit dem Anschluss ans Wasserwerk durfte sich die lokale Wehr ebenfalls freuen, denn mittels Hydranten war fortan genügend Löschwasser garantiert. Vorher mussten sich die Feuerbekämpfer aus Tanks oder dem Richer Bach bedienen.

Ein erster Schritt zum Umweltschutz war die Kanalisation im Ortsbereich 1959/60. Bis dahin liefen alle Abwässer direkt in die Flüsse und Bäche. Die Schaffung der Kanalisation ging mit sogenannten „Hauskläranlagen“ einher. „Das war meist nicht mehr als ein Gitter oder ein Sieb, das feste Bestandteile hielt“, so Mahr. Eine wesentliche Verbesserung erfolgte 1988 durch den Anschluss von Sickenhofen an die zentrale Kläranlage in Babenhausen. Die dafür notwendigen Rohre wurden als Mischwassersystem verlegt, das Schmutz- und Regenwasser zusammen abführt. Davon kam man in den Folgejahren wieder ab, da Regenwasser versickern und das Grundwasser anreichern soll.

Für Mahr wurde der Traum von sauberem Trinkwasser 1952 für Sickenhofen wahr. Wie er sagte, sollte jeder dies heute noch schätzen. Seinen Wunsch fasste er im letzten Satz in einen kleinen Reim: „Das Wasser fließe hell und klar - und sei heute, morgen und für immer da“.

Quelle: op-online.de

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