Feuerwehr-Übung in Langstadt

Mensch und Tier vor Sachwerten

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Die Übung der drei Ortsteilwehren war gespickt mit Aufgaben und forderte alle Mann und alles Material.

Langstadt - Zwei Tage stellten sich die Feuerwehrleute aus Babenhausen, Harpertshausen und Langstadt verschiedenen Übungsszenarien und drückten die Schulbank bei einer einleitenden theoretischen Einheit. Von Petra Grimm

Im Zentrum stand das praktische Training, das aus drei Stationen bestand und seinen Höhepunkt in der gemeinsamen Abschlussübung am Samstagnachmittag auf dem Aussiedlerhof Diehl in Langstadt fand. Die zweitägige Übung der Feuerwehren aus drei Ortsteilen spielte sich überwiegend in Langstadt ab. Dort betreiben Günter Diehl und sein Sohn Sebastian als zweites Standbein neben ihrer Milchwirtschaft eine Biogasanlage. Die stand dann auch im Mittelpunkt der Feuerwehraktivitäten.

Das Übungsszenario, das sich der Langstädter Wehrführer Jens Rodenhäuser ausdachte, hatte es wirklich in sich: Als die Fahrzeuge mit insgesamt 55 Einsatzkräften der drei freiwilligen Feuerwehren am Aussiedlerhof ankommen, stehen sie vor einem explodierten, brennenden Gärbehälter. Dieses Unglück zieht zwei weitere Einsatzstellen für die Feuerwehrleute nach sich. Denn einige Meter daneben ist ein Mitarbeiter des Bauernhofs mit seinem Fahrzeug vor Schreck unter einen Anhänger gefahren und liegt jetzt bewusstlos in seinem Fahrzeug eingeklemmt. Außerdem hat der Brand im Gärbehälter ein weiteres Feuer in einer Lagerhalle auf dem Gelände ausgelöst. Zudem gibt es einen Verletzten auf einem kleinen Turm am Gärbehälter und vermisste Menschen in der brennenden Halle.

Also gleich drei „Baustellen“ für die anrückenden Feuerwehren, die wie im Ernstfall nicht wissen, was sie erwartet und zunächst die Lage erkunden müssen. „Das ist jetzt auch das Schwierige bei dieser Übung. Der Einsatzleiter muss alle drei Situationen – also die beiden Brände und das eingeklemmte Fahrzeug - koordinieren. Dazu muss er sich zunächst einen Überblick verschaffen und Gruppen mit Leuten einteilen, die an den verschiedenen Stellen loslegen. Das sollte nicht in Hektik, sondern in Ruhe geschehen. Dann wird für jeden der drei Abschnitte ein Einsatzleiter bestimmt. Ab dann läuft es entspannter“, sagte Jens Rodenhäuser.

Da an allen drei Abschnitten Menschen in Gefahr waren, musste auch alles gleichzeitig bearbeitet werden. „Menschenrettung und danach die Tiere hat immer Vorrang. Erst dann kümmern wir uns um die Sachwerte“, sagte Pressesprecher Werner Flechsenhar. Am Turm neben dem brennenden Gärsilo kam der Gelenkmast der Babenhäuser Brandschützer zum Einsatz, um den Verletzten herunter zu holen. Dabei war jede Menge Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem Teleskopmast nötig.

Die in der brennenden Halle Vermissten wurden gefunden und von den Langstädter Voraushelfern versorgt. Diese Gruppe, unter der Leitung von Peter Schweingruber, besteht aus 14 ehrenamtlichen Helfern, darunter auch zehn aktive Feuerwehrleute, die gleichzeitig mit dem Rettungsdienst alarmiert werden und die Zeit mit medizinischer Hilfe überbrücken, bis Rettungsdienst und Notarzt vor Ort sind. „Wir werden auch in Notfällen alarmiert, wenn kein Feuerwehreinsatz ist, wenn wir schneller als der Rettungswagen da sein können“, sagte Schweingruber. Der Verletzte im eingeklemmten Auto konnte, nachdem der Anhänger fachmännisch abgestützt war, mit Hilfe von Rettungsschere und Spreizer befreit werden.

Feuerwehr und Katastrophenschutz im Einsatz 

Den Umgang mit diesen wichtigen Rettungsgeräten hatten die Feuerwehrleute am Vormittag bei einem der anderen Übungsteile intensiv trainiert. Wichtig beim „Zerschneiden“ von Fahrzeugen sind Kenntnisse, wo man bei welchem Fahrzeugtyp schneiden darf und wo nicht. „Solche wichtigen Informationen über die Lage der Airbags, Batterien, Schnittstellen und anderes sind in so genannten Rettungskarten zu finden“, sagte Flechsenhar. Denn beim Aufschneiden des Fahrzeugs sollte die Struktur nicht vollständig beschädigt werden oder zusätzliche Gefahren durch auslaufende Flüssigkeiten und ähnliches entstehen.

Weitere Aufgaben bei den Übungsstationen am Vormittag waren das Retten aus Gruben und Schächten, wozu die Waschhalle der Babenhäuser Wehr zum Einsatzort umfunktioniert wurde. Auch der Schlauchturm am Stützpunkt diente als Übungsobjekt.

Mit enormem Zeit-, Energie- und Materialaufwand war die freiwillige Truppe wieder aktiv, um für den Notfall bestmöglich ausgebildet zu sein und für die Sicherheit ihrer Mitbürger sorgen zu können. Dabei ist die gute Zusammenarbeit im Team, auch über Ortsteilgrenzen hinweg, das A und O.

Quelle: op-online.de

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