Seit 25 Jahren mit den österreichischen Kameraden befreundet

Feuerwehr zieht es nach Trebesing

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Auf dem Trebesing-Platz in Langstadt plätschert es in Alpenoptik. Die Langstädter Feuerwehr (im Bild Joachim Selzer und Jürgen Richert mit dem Trebesinger Wappen) bekam den Brunnen zur Einweihung des Platzes 2006 aus Österreich geschenkt.

Langstadt - Mit Bouxwiller und Lichtentanne unterhält die Stadt Babenhausen zwei Verschwisterungen. Doch es gibt nicht nur städtische Partnerschaften: Seit 25 Jahren verbindet die Feuerwehren in Langstadt und Trebesing in Österreich eine außergewöhnliche Freundschaft. Von Michael Just 

Über die Osterzeit geht bei Joachim Selzer nichts – zumindest nicht in Langstadt und anderswo. Dann ist der selbstständige Handwerker alljährlich in Österreich unterwegs. Gäbe es Stempel an der Grenze, hätte der 56-Jährige über 35 Einreisevermerke in seinem Pass. Mit seiner Liebe zur Alpenrepublik verbinden er und seine Feuerwehrkameraden vor allem ein kleines Dorf: Es heißt Trebesing, liegt in Kärnten und zählt mit seinen 1 200 Einwohnern 300 Menschen weniger als Langstadt. Die Landschaft unweit des Hohe-Tauern-Gebirges ist idyllisch, die Bewohner gastfreundlich. So kehrte jetzt auch die jüngste ,,Lengschder“ Abordnung, bestehend aus 35 Personen, mit erfüllten Erwartungen zurück.

Alles fing damit an, als ein Mitglied der Langstädter Wehr Anfang der 1990er Jahre mit seiner Frau in Trebesing Urlaub machte. Dort kam es zum Plausch mit einer Bedienung, deren Mann zu den Brandbekämpfern auf 740 Meter gehört. Dieser Kontakt war die Basis, dass sich im Mai 1991 erstmals ein zwölfköpfiger „Spähtrupp“ von Langstadt nach Kärnten aufmachte. Keine zwei Stunden nach der Ankunft brachte Erhard Gugler, der Mann der Kellnerin, ein Fass Bier und begrüßte die Gäste aufs Herzlichste. „Auch der damalige Kameradschaftsführer Matthias Erlacher betreute uns von der ersten Stunde an“, erinnert sich Selzer. Die Chemie war so stimmig, dass die Langstädter im Juli – nur wenige Wochen später – zum 100-jährigen Bestehen der dortigen Wehr erneut nach Kärnten ausrückten. In der Folge setzte sich Ostern als regelmäßiger Reisetermin durch.

Beim Empfang der Hessen werden auf dem „Langstadt-Platz“ die Fahnen gehisst. Sonntags steht die Teilnahme am Osterkugeln (eine Art Bosseln) im Ortsteil Großhattenberg an. An den anderen Tagen lässt sich am Katschberg wandern oder Ski fahren, dazu wird montags die große Osterjause verspeist. Der österreichische Gegenbesuch fand bisher rund zehn Mal statt. Vor allem zu großen Festen und Jubiläen kommen die Alpenländler, wie 2015 zum Kreiskameradschaftsabend. 2008 erfolgte der Besuch mit zwei Bussen und einer Trachtenkapelle. Der evangelische Posaunenchor nutzte ebenfalls bereits die Chance, sich die Gegend um den Fluss Drau anzuschauen.

Das 25-jährige Jubiläum wird in beiden Orten begangen: In Langstadt vom 5. bis zum 8. Mai mit einem Festwochenende, im August wird dann in Trebesing gefeiert. Weilen die Langstädter bei ihren Freunden, gucken sie logischerweise immer dann genauer hin, wenn es um das Feuerwehrwesen geht. „Der Stellenwert und die Integration der Wehr in Österreich sind sehr hoch“, bilanziert Jürgen Richert. Vom Bürgermeister bis zum Landeshauptmann fehle auf einem Feuerwehrfest keine bedeutende Amtsperson. Tragen die Südhessen beim Einsatz dunkelblau, sind die Retter weiter südlich in olivgrün unterwegs. Immer noch gebannt sind die Augen auf deutscher Seite, wenn sich die Kärntner Kameraden aufstellen: „Da wird mit Salut und Gruß angetreten. Alles ist extrem zackig, fast militärisch“, wissen Richert und Selzer. Keinen großen Unterschied haben sie beim Durst ausgemacht.

Brand in Langstadt: Stall in Flammen

2006 wurde in Langstadt der „Trebesing-Platz“ eingeweiht, 2011 der „Langstadt-Platz“ in Österreich. Fast auffällig steht die geschaffene Freundschaft über jeglicher Rivalität, die sonst die Nachbarländer regelmäßig auszeichnet. Schmähbegriffe wie „Piefkes“ und „Ösis“ spielen keine Rolle, und auch das 3:2 von Hans Krankl beim WM-Spiel 1978 ist Geschichte. Zumindest fast: „Natürlich wird auch mal gelästert“, gesteht Selzer ein. Dienlich sei dem Verhältnis, dass die Trebesinger keine vernarrten Fußballer sind.

Nach 25 Jahren zeigen sich die Langstädter stolz über das Geschaffene: „Man hat sich zu Beginn nicht gesucht und trotzdem gefunden“, heißt es aus dem Babenhäuser Stadtteil. Ohnehin lasse sich eine solche Entwicklung nicht erzwingen. Von Anfang an fuhren die Familien mit. Eine ganze Reihe Langstädter Kinder wuchs in Trebesing sozusagen mit auf. Mittlerweile machen sich einige Wehrmitglieder ein zweites Mal im Jahr nach Kärnten zu einer Hüttentour auf den Weg. „Zur Selbstfindung“, wie die Gruppe zum kompletten Luxusverzicht meint. Dieses Jahr wird im Mai gewandert. Die Tour wird die Bande ins Liesertal weiter festigen. Vielleicht erfüllt sich irgendwann auch noch der größte Traum der Langstädter 112-Vertreter: „Die absolute Krönung wäre es, wenn einer von uns irgendwann da runter heiratet“, lautet die Hoffnung von Joachim Selzer.

Quelle: op-online.de

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