Isolierungen für Leitungen und Kulissen für Spielfilme

Firma MK Ortschaum: Pool-Umrandung für 007

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Sebastian Klimas beim Kulissenbau. 

Babenhausen - 2011 haben Markus Müller und Sebastian Klimas die Firma MK Ortschaum GmbH mit Sitz in Babenhausen gegründet. Sie sind im Bauwesen tätig – . gefragt sind ihre Produkte auch in der Filmindustrie. Von Michael Just 

Wenn Markus Müller (37) und Sebastian Klimas (36) den Film „Monuments Men“ unter der Regie von Georg Clooney betrachten, schauen sie stets etwas genauer hin: Zwar spielen sie in der Produktion, die hauptsächlich in Deutschland gedreht wurde, nicht mit, dafür ist aber ein Teil der Kulissen von ihnen. Es ist eine gigantische Höhle, die in Wirklichkeit nicht aus hartem Fels, sondern aus weichem, eingefärbten Spritzschaum besteht. Als „Ortschaum“ wird im Bauwesen ein Schaum bezeichnet, der erst am Einbauort maschinell aufgeschäumt und verarbeitet wird. Mit dem Bauschaum aus den Baumärkten hat der Stoff, dessen Ursprünge auf die Entwicklung von Otto Bayer 1937 in Leverkusen zurückgehen, nur wenig gemein: Die qualitativen Eigenschaften, etwa bei der Gasdichtigkeit, der Fäulnisfeste oder der geschlossenzelligen Dichte, liegen weit darüber.

Insgesamt deckt MK drei Bereiche ab: Zu den Gieß- und Spritzschäumen aus Polyurethan kommt noch ein Stoff namens Polyurea zur Anwendung. Gerne zeigt Markus Müller das kleine Muster-Plättchen aus der Generation neuester Kunststoffbeschichtungen, die Spitzenwerte beim Oberflächenschutz erzielen: Fünf Sekunden nach dem Aufspritzen ist der Stoff wieder anfassbar, nahezu reißfest und verfügt über hervorragende Abriebswerte. Witterungsfest, gilt er als idealer Korrosionsschutz. Bauten und Konstruktionen jeglicher Art, etwa auf Messen oder Spielplätzen, und selbst Teiche lassen sich mit einer Außenhaut aus Polyurea überziehen und wirkungsvoll schützen. Auch so mancher Fabrikboden wurde als Schutz vor dem Staplerverkehr schon damit versiegelt.

Das Hauptgeschäftsfeld von MK liegt aber im Gießschaum, der bei der Isolierung von Rohrleitungen, Tanks und Containern zum Einsatz kommt. „Hier sind vor allem große Lebensmittelmärkte und Brauereien unsere Auftraggeber“, erzählen die Geschäftsführer. Im Gegensatz zu Gießschaum wird Spritzschaum direkt auf das Objekt gespritzt. So können auch Ecken sowie Rundungen fugenlos isoliert werden. Bei Dachstühlen lässt sich das Prinzip ebenso anwenden wie für den Schallschutz bei Glascontainern.

Auftraggeber VW und Paulaner

2011 gegründet und 2013 in eine GmbH verwandelt, ist die Babenhäuser Firma noch ein junges Unternehmen. Trotzdem ist man bereits sehr erfolgreich am Markt. In die Liste der Auftraggeber reihen sich Namen wie VW, Paulaner oder Strabag ein. Nicht wenige Bauunternehmer bevorzugen als unterirdischen Verschleißschutz lieber Polyurea als Betumen. Markus Müller kam mit 15 Jahren nach Babenhausen. Nach einer Handwerksausbildung landete er im Ortschaumbereich, wo er sich mit seinem Kompagnon Sebastian Klimas selbstständig machte.

Über die letzten Jahre erwuchsen zwei Experten, was die Anwendungsbereiche und -möglichkeiten von modernen Schaumstoffen angeht. Derzeit zählt man sechs Mitarbeiter. Bei Hannover wurde bereits ein zweiter Standort eröffnet. Aus einem Fahrzeug und einer mobilen Dosieranlage zu Beginn sind inzwischen acht mobile Einheiten geworden. Durch die chemische Reaktion von zwei flüssigen Komponenten entsteht der Schaum, der mit Schlauch und Schutzanzug aufgespritzt wird. Nach der Reaktionsphase beginnt dieser zu erstarren und auszuhärten.

„Die Verwendungsmöglichkeiten unserer Arbeitsstoffe gehen ins Unendliche“, weiß Klimas. So werden unter Mitwirkung von MK Ortschaum immer wieder Patente angemeldet. In der Arktis ist gerade der Erfinder eines mobilen Iglus unterwegs, das aufgrund seiner Leichtbauweise zum Aufstellen nur eine Person benötigt. Selbst aus der Raumfahrt bedient man sich mittlerweile dem Fachwissen aus Babenhausen – etwa bei der Isolierung von Trägerraketen und Robotern. Die Experten im Babenhäuser Stadtteil sind dafür bekannt, regelmäßig Versuche mit ihren Werkstoffen anzustellen. Dazu werden Forschungsergebnisse, wie etwa aus Amerika, aufmerksam verfolgt. Hier verwendet man Polyurea unter anderem zur Panzerung von Fahrzeugen. Besonders dick aufgetragen, geht keine Kugel durch. Zudem können sich Löcher wieder selbständig verschließen. Durch die teuren Dosiermaschinen ist die Nutzung der modernen Isolier- und Beschichtungsstoffe allerdings nicht ganz so günstig.

Mittlerweile hat sich MK auch im Kulissenbau einen Namen gemacht. So ist die Firma an einem Film beteiligt, über den man vor dem Kinostart im Frühjahr noch nicht sprechen darf. Mit den Babelsberg-Studios in Potsdam pflegen die Wahl-Babenhäuser bereits Kontakte, genauso mit Bayreuth, wo für die Festspiele große Styroporfiguren beschichtet wurden. Und selbst James Bond durfte sich schon über eine Pool-Umrandung freuen, die mit freundlicher Unterstützung für 007 aus Babenhausen angefertigt wurde.

Quelle: op-online.de

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