Auch Modellboote gehen beim Angelsportverein zu Wasser 

Fischerfest: Die Titanic soll nicht mehr sinken

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Höhepunkt für Modellbaufreunde: Detlef Althaus (links) und Wilhelm Wolf von der Reederei Spießfeld präsentierten beim Fischerfest ihre kapitalen Schiffsmodelle.

Langstadt - Auch wenn der See in Langstadt viele Fische beherbergt, einer wurde zum Glück noch nicht gesichtet: der Wels. Beim Fest zeigten die Angler den zahlreichen Besuchern, dass ihre Welt trotz Hitzeperiode noch in Ordnung ist. Von Ursula Friedrich 

Still ruht der See, an dessen Ufern jedoch ungewohnter Trubel herrschte. Der Angelsportverein hatte sich Gäste eingeladen, die auf Schusters Rappen oder mit dem Fahrrad aus der Umgebung herbeiströmten. Das zweitägige Fischerfest war Publikumsmagnet für Fischfreunde und Naturliebhaber sowie für alle, die in der langen Ferienzeit auf Abwechslung sinnen. Das 36. Fest stand dabei im Zeichen seiner Vorgänger: entspannen, Fischgerichte schlemmen, Freunde und Bekannte treffen. Und die Atmosphäre des idyllischen Kleinods genießen. „Wir verzichten komplett auf Livemusik“, schöpfte Vereinschef Werner Götschel aus Erfahrungswerten der Vorjahre. „Die Leute wollen hier entspannen und sich unterhalten. Beschallung haben wir jeden Tag genug.“ Götschel hielt mit drei Frauen am Spülmobil die Stellung, wo Besteck und Teller im Turbogang abgewaschen wurden. Die Nachfrage nach feiner Forelle, Lachs, Calamares und anderem Grätentier lief bestens – auch am Sonntag, obwohl der Wettergott nach langer Hitze auf Regen umgestellt hatte.

Die lange Dürre und ungewöhnliche Hitze hat dem Anglerteich aber nicht zugesetzt, erklärte der Fachmann. Während andernorts kleine Fließgewässer dramatisch an Wasser verloren, das ökologische Gleichgewicht in bedrohliche Schieflage geriet, können Langstadts Angler durchschnaufen. Das stehende Gewässer profitiert von seiner Lage am Waldrand und dem stetigen Zufluss des Lenderbachs. Überhaupt, aus Anglerperspektive ist die Welt am idyllischen Teich völlig in Ordnung. „Wir haben viele Fischarten“, erklärte Götschel, „außer Welsen.“ Die sind unpopulär, jagen, fressen, wachsen und werden uralt. Ohne natürliche Feinde ist der massive Wels ein gefürchteter Teichbewohner. Wer ein kapitales Exemplar erlegt, wird in Anglerkreisen als Held gefeiert. Im Langstädter Teich war der Wels jedoch nie heimisch. Das Gewässer wurde auf der Ochsenwiese 1970 künstlich angelegt.

„Die US-Streitkräfte brauchten Erde, wir ein Gewässer“, erzählte der heutige Vereinschef. Die Amerikaner baggerten die Fläche in nur sechs Wochen aus und erhielten als Lohn 350 Fuhren Erdaushub. Schon 1971 tummelten sich Fische im Anglerteich. Der kleine Verein weiß um die Kostbarkeit dieser Stätte. Und teilt sie. Nicht nur mit den vielen Besuchern des Fischerfests, auch mit den Aktiven des Dieburger Modellbauvereins Reederei Spießfeld.

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Jeden Samstag lassen die Modellbauer ihre Schätzchen hier zu Wasser. Zum Fischerfest standen die Boote im Trockendeck, durften aber auch von verantwortungsvollen Besuchern ins kühle Nass gelassen werden. „Das ist ein Hochseebergungsschlepper“, erläuterte Detlef Althaus stolz, „die ‘Happy Hunter’ ist auch schon auf der Nordsee gefahren.“ Zwei bis drei Jahre bauen die Aktiven an so einem Schmuckstück. „Wir haben auch die Titanic nachgebaut“, so Wilhelm Wolf, der den bekannten Luxusliner aber diesmal zu Hause ließ. „Die Leute wollen immer sehen, dass die Titanic untergeht“, schmunzelte er, „wir sind froh, wenn unsere Schiffe nicht sinken.“

Quelle: op-online.de

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