Keine Asylbewerber hinter der Altdörfer Kirche

Investor springt kurzfristig ab

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Die beiden Häuser Hinter der Altdörfer Kirche 30 und 30a werden nicht zu Flüchtlingsunterkünften.

Babenhausen - Das Vorhaben, in den beiden Häusern im Süden der Stadt mehrere Wohnungen für Flüchtlinge herzurichten und bis zu 160 Asylbewerber darin unterzubringen, wird nicht weiter verfolgt. Von Stefan Scharkopf

Für die Stadt war es ein gangbarer Weg: Babenhausen hätte seine Verpflichtung, vom Kreis zugewiesene Flüchtlinge unterbringen zu müssen, nicht nur eingelöst, sondern das Soll sogar übererfüllt und sich bis etwa Mitte nächsten Jahres keine weiteren Gedanken machen müssen, wo Asylbewerber wohnen können. Doch daraus wird nichts: Nach der Informationsveranstaltung vom 1. Juni, für die der Investor krankheitsbedingt abgesagt hatte, hatte er keinen Kontakt mehr mit dem Landkreis aufgenommen. Der Stadt Babenhausen teilte der Mann, der bundesweit Asylunterkünfte betreibt, am Montag noch mit, dass die Verhandlungen zwischen dem Kreis und ihm andauern, doch am Mittwoch kam schließlich die Absage: Er habe sich nach einem Abwägungsprozess gegen das Projekt entschieden. Dies machte Bürgermeister Achim Knoke gestern in einer Stellungnahme öffentlich. Das Problem sei offensichtlich die Immobilie an sich, so die Begründung.

Nach der Absage informierte die Stadt den Magistrat und die Fraktionsvorsitzenden und nahm mit dem Kreis Kontakt auf. Der geplante Tag der offenen Tür am kommenden Montag im genannten Objekt, bei dem offene Fragen geklärt werden sollten, ist nun obsolet und wurde abgesagt. Die Stadtverwaltung muss jetzt nach Alternativen suchen und alte Kontakte auffrischen, wie Knoke auf Anfrage unserer Zeitung sagte: „Je nach Fortschritt und weiterer Planung zur Unterbringung wird die Stadt die Öffentlichkeit zu gegebener Zeit informieren.“ Ein vergleichbares Objekt, das bis zu 160 Menschen auf Dauer aufnehmen kann – anfangs war sogar von 197 die Rede – dürfte es in Babenhausen nicht mehr geben.

Unerwartete und bedauerliche Absage

Für den Verwaltungschef ist die Absage bedauerlich und sie kommt unerwartet: „Zu Beginn liefen alle Gespräche sehr professionell. Die vergangenen zwei Wochen waren dagegen unerfreulich. Es war nicht ersichtlich, dass es zur Absage kommen könnte“, sagt Knoke.

Ob die Stadt jetzt bei der Unterbringung von Flüchtlingen in die Bredouille kommt, ist unklar. Denn der Kreis weist die Flüchtlinge zu. Das Prozedere sieht so aus, dass die Verwaltung eine Woche vorher erfährt, wie viele Asylbewerber in Babenhausen unterkommen sollen. Aus welchem Land sie stammen, ob es Einzelpersonen sind oder Familien wird kurzfristig bekannt gegeben. Auch der Kreis wird erst zwei Tage vor der Ankunft über Zuweisungen informiert. Erste Station für die Flüchtlinge sind zunächst kreiseigene Unterkünfte in Groß-Umstadt. Für die Unterbringung und Betreuung der Menschen ist grundsätzlich der Kreis zuständig. Gemeinsam mit der Stadt Babenhausen werden potenzielle Wohnmöglichkeiten abgestimmt.

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In Babenhausen leben derzeit (Stand Anfang Juni) 83 Flüchtlinge, die vorwiegend aus Syrien, Somalia, Tschetschenien, Pakistan, Afghanistan und Bosnien stammen; 25 von ihnen kamen erst 2015. 74 sind in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht, neun in privaten Wohnungen. Klar ist, dass die Stadt 2015 noch weitere Flüchtlinge beherbergen muss. Bis zu 1 600 Personen werden für das laufende Jahr in Darmstadt-Dieburg erwartet. Babenhausen muss davon fünf Prozent aufnehmen.

Sollten sich in Bälde keine Alternativen abzeichnen, müsste die Stadt überlegen, die Flüchtlinge notfalls bei Bedarf für mehrere Tage in Pensionen oder in Turnhallen unterzubringen. „Das gibt es landauf, landab, das Problem haben alle anderen Kommunen auch“, sagt Knoke. Im benachbarten Münster beispielsweise wurden Asylbewerber zunächst im Jugendzentrum einquartiert – die Betten standen unter der Discokugel.

Bei Fragen rund zur Thematik „Flüchtlinge“ können Interessenten Kontakt zum Fachbereich V im Rathaus aufnehmen, 06073/60281, E-Mail an jessica.schumacher@babenhausen.de.

Studie: Deutschland heißt Zuwanderer freundlicher willkommen

Quelle: op-online.de

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