Flüchtlinge in Babenhausen

Weniger Polizeieinsätze, bessere Kommunikation

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Im offenen Treff können die Kasernenbewohner Schach, Billard oder Darts spielen. Die Angebote gelten für alle Flüchtlinge, samstags gibt es einen Treffpunkt nur für Frauen.

Babenhausen - In der Kaserne gibt es einige Neuerungen für die Flüchtlinge – und sie selber werden aktiver. Der ASB sieht die Einrichtung auf gutem Kurs. Von Stefan Scharkopf 

Deutschunterricht muss kein stures Abfragen von Verben oder ödes Aufsagen des Alphabets sein – manchmal reicht schon ein Ausflug in die Welt des Fußballs, um seine Kenntnisse zu verbessern. So stand im Unterricht von Detlef Peuser nun die Champions-League-Partie Bayern München gegen Atletico Madrid vom Dienstag kurz im Mittelpunkt. Die derzeit laufenden Deutschkurse sind einer der Schwerpunkte der ehrenamtlichen Aktivitäten in der Kaserne. Während es bei den Erwachsenen regelrechten Unterricht gibt, lernen die Kinder spielerisch. Mehrmals pro Woche erhalten rund 200 Flüchtlinge in jeweils vier Kursen einen ersten Sprachunterricht. Die Kurse werden von ehrenamtlichen Lehrkräften und geschulten Ehrenamtsmitarbeitern abgehalten.

In jüngster Zeit hat sich einiges getan in der Kaserne, wie Anja Vogt von der Projektgruppe Flüchtlinge des Regierungspräsidiums Darmstadt betont. Sie lobt die Arbeit und die Angebote des Arbeiter-Samariter-Bundes, der als Betreuungsverein vor Ort tätig ist. Einiges, was bereits auf den Weg gebracht wurde, wird intensiviert, anderes ist neu. 45 Mitarbeiter hat der ASB, hinzu kommen 37 ehrenamtliche Helfer sowie das Personal für Catering und Security.

In der Babenhäuser Kaserne, die seit 23. November 2015 Hessische Erstaufnahmeeinrichtung (HEAE) ist, sind derzeit 619 Flüchtlinge untergebracht, darunter 214 Kinder. Zu Spitzenzeiten waren es mal 900. Ausgelegt ist die Kaserne momentan für rund 1 200 Menschen. Wenn die Arbeiten am ehemaligen Boarding House erledigt sein werden, ist Platz für 1 500. Ob diese Zahl aber je erreicht wird, ist fraglich und natürlich abhängig von der Weltlage. Die Fluktuation in der Einrichtung ist durchaus groß. „Allein in dieser Woche haben 80 Flüchtlinge die Kaserne verlassen, Sie wurden auf andere Kommunen verteilt, mit ihrem Asylverfahren geht es jetzt weiter“, sagt Tobias Soppart.

Der 36 Jahre alte ehemalige Zeitsoldat und Sicherheitsingenieur ist seit fünf Wochen neuer Leiter der HEAE. Er und seine vier Stellvertreter haben einiges angestoßen, was zu einem besseren Ablauf in und außerhalb der Kaserne sorgen soll. In der jüngsten Zeit gab es immer wieder mal Vorfälle, die das Einschreiten der Polizei nötig machten – sei es innerhalb oder außerhalb der Kaserne.

Flüchtlingsunterkunft in der Kaserne: Bilder

Vor allem aber der Müll rund um das ehemalige Militärareal sorgte für Ärger. „Wir gehen jetzt konsequent gegen das Problem vor“, sagt Soppart. Die Flüchtlinge selbst sammeln den Unrat auf. „Und zwar unabhängig davon, ob der von ihnen stammt oder nicht“, wie er betont. Diese Aktion komme natürlich gut bei der Bevölkerung an. „Wir haben positive Rückmeldungen von Babenhäusern erhalten“, sagt der HEAE-Leiter. Vermüllung und teils Vandalismus gab es auch auf dem angrenzenden Sportplatz. Zur Entspannung dürfte beigetragen haben, dass die Asylbewerber das Geläuf jetzt mitbenutzen dürfen und den anfallenden Unrat entsorgen müssen.

Auch der Kontakt zur Bevölkerung und zu städtischen Angeboten wurde ausgebaut. So gibt es seit einigen Wochen eine Kooperation mit der Kinder- und Jugendförderung. Jeden Freitag besuchen zehn Jugendliche der HEAE gemeinsam mit zwei Betreuern des ASB das Jugendzentrum und können so Kontakte zu den einheimischen Jugendlichen knüpfen. Im Gegenzug kommen die städtischen Jugendbetreuer regelmäßig mit ihrem „Spieleanhänger“ in die Flüchtlingseinrichtung.

Wichtig auch vor dem Hintergrund der anlaufenden Freibadsaison: Die Flüchtlinge werden auf die richtige Verhaltensweise hingewiesen. Zudem wird ein Mitarbeiter des ASB im Schwimmbad als Ansprechpartner vor Ort sein – sowohl für Flüchtlinge als auch für andere Besucher. Für ein besseres Zusammenleben und zur Klärung von Konflikten gibt es regelmäßige „Dorfversammlungen“, getrennt nach Sprachen und immer mit Unterstützung von Dolmetschern. Darin werden alle Probleme angesprochen. „Die Flüchtlinge können sagen, was sie bewegt und sie fühlen sich ernstgenommen“, wie Soppart ausführt.

Bleibt der Alkohol als leidiges Problem. „Wenn die Asylsuchenden außerhalb der Kaserne trinken, bleibt uns nur, sie regelmäßig zu ermahnen“, sagt der Leiter. Innerhalb der Einrichtung ist Alkohol verboten. Wer mit einer Flasche erwischt wird, muss sie abgeben. Aber auch hier gibt es Entspannung. Soppart: „Die Vorfälle in jüngster Zeit haben dazu geführt, dass vor allem ältere Flüchtlinge ein Auge auf den einen oder anderen Kandidaten haben, der Alkohol konsumiert. Da gibt es soziale Kontrolle.“ Die Zahl der Polizeieinsätze hat jedenfalls in den letzten drei Wochen abgenommen.

Quelle: op-online.de

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