Freiwillige Feuerwehr übt den Ernstfall

Autounfall wie aus dem Drehbuch

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Schaulustige erwünscht: Die moderierte Abschlussübung der Freiwilligen Feuerwehr auf dem Stadthallen-Parkplatz.

Babenhausen - Ein Pkw ist auf dem Stadthallen-Parkplatz in ein Baugerüst gerast. Es gibt Verletzte. Dieses Szenario bot sich den Feuerwehrleuten bei ihrer Abschlussübung. Von Michael Just 

Eigentlich müsste Karin Farrugio beim Anblick ihres Sohnes Guiliano panisch reagieren: Das Gesicht des 13-Jährigen ist zerkratzt und völlig blutverschmiert, dazu scheint der Schüler bewusstlos, seine Augen sind geschlossen. Doch die 53-Jährige lächelt, dazu schießt sie mit ihrem Handy ein Erinnerungsfoto nach dem anderen.

Der Grund für die Gelassenheit: Die Szene vor der Stadthalle ist nicht real, sondern die Jahresabschlussübung der Freiwilligen Feuerwehr. Wie in den letzten Jahren war sie als Schauvorführung für die Bevölkerung mit Hilfe der Jugendwehr, die die Verletzten mimte, angelegt. Die große Zahl von über 150 Babenhäusern verfolgte den Rettungsablauf hinter Absperrband. Mit Übungsende durfte dann jeder ganz nah heran, um die filmähnliche Kulisse und die Gerätschaften der Feuerwehr zu begutachten.

„Für die Abschlussübung suchen wir uns immer eine bekannte Stelle in der Stadt, an dem sich ein größeres Szenario entwickeln lässt. In den letzten Jahren waren wir schon bei der Michelsbräu, am Rathaus oder einer Apotheke“, erzählt Achim Frankenberger. Das Wehrmitglied hatte sich das diesjährige „Drehbuch“ ausgedacht. Diesmal diente der große Parkplatz vor der Stadthalle für die Probe des Ernstfalls. Allerdings brannte nicht die Stadthalle und damit die „gut Bawweheiser Stubb“, sondern ein folgenschwerer Autounfall spielte sich ab. In dem rast ein Pkw gegen eine Wand mit Gerüst. Fahrer wie Handwerker auf dem Gerüst werden schwer verletzt, das Auto müssen die Blauröcke am Seil aus den Aufbauten ziehen.

Um der Bevölkerung möglichst viele Informationen zu geben, trat der Pressesprecher der Wehr, Werner Flechsenhar, als Moderator auf. Wie er erklärte, entspreche das Vorgehen nicht ganz der Realität: „Wir platzieren unsere Geräte und die Verletzten so, dass die Zuschauer alles bestmöglich verfolgen können.“ Bei der Rettung erschien oft ein Großteil der 32 teilnehmenden Männer „arbeitslos“, was ebenfalls der Schauübung geschuldet war: Würden im Ernstfall viele Maßnahmen parallel laufen, wurden sie nun zum besseren Beobachten hintereinander gelegt: Menschenrettung, Sicherung des Baugerüsts und technische Hilfeleistung am Pkw. Zwei Feuerwehrmänner wurden im Auslegerkorb so nah wie möglich an das einsturzgefährdete Gerüst gehievt. Beim Öffnen des Fahrzeugs und dem Entfernen des Dachs kam die Rettungsschere zum Einsatz.

Abschlussübung der Feuerwehr: Fotos

Während sich alte Pkw recht unkompliziert von der Feuerwehr knacken lassen, bieten moderne Modelle durch den technischen Fortschritt mehr Widerstand als auch Gefahrenpotentiale für die Retter. Das Wissen über Airbags, Gurtstraffer, Seitenaufprallschutz oder die Lage des Tanks ist dabei besonders wichtig. Auf der Rettungskarte der Fahrzeug-Hersteller sind die Besonderheiten vermerkt. „Wer seine Sicherheit samt Rettung im Notfall beschleunigen will, deponiert die Karte für uns hinter der Sonnenblende“, rät Flechsenhar jedem Autofahrer. Da die Schaffung einer Rettungsgasse nicht immer einwandfrei funktioniert, legt er nahe, sich damit zusätzlich vertraut zu machen.

Bei der Übung staunten Erwachsene wie Kinder gleichermaßen über das Gezeigte. Für den „Fan-Nachwuchs“ hatte die Wehr kleine Geschenke parat, darunter einen Bastelbogen. Wer hier gekonnt schnippelt und die Laschen verklebt, erhält ein Feuerwehrauto. Zusammen mit der Übung bestärkte das den fünfjährigen Tom Freiberg, dass er später zur Feuerwehr will. „Dabei war unser Erscheinen heute eher Zufall. Der Nachbarsjunge hatte uns erst kurz zuvor von der Übung erzählt“, berichtete Mutter Kristin Freiberg.

Der Sohnemann von Karin Farrugio ist schon in der Jugendwehr. „Guiliano ist mit Leib und Seele dabei“, berichtet die Babenhäuserin. Die Übung rief bei Karin Farrugio aber nicht nur Begeisterung hervor, sondern machte sie auch ein wenig nachdenklich: „Das möchte man sich im Ernst nicht ausmalen. Unsere Feuerwehrleute schützen, helfen und retten – und riskieren dabei jedesmal auch ihr eigenes Leben.“

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Quelle: op-online.de

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