Zu viel Gegenwind für Verbindung

Fusion zwischen Germania und SVS vorerst geplatzt

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Doch kein Bild aus der Vergangenheit: Schon in wenigen Wochen, wenn die Gruppenliga-Rückrunde beginnt, wird der Aktiven-Fußball an den Ostheimer Hang zurückkehren. Die erste Mannschaft der Germania hatte zuletzt in Sickenhofen gespielt. Das ist nach der gescheiterten Fusion vorerst passé.

Babenhausen - Die angestrebte Auflösung der Germania und des SVS und die Gründung eines neuen, gemeinsamen Vereins ist – zumindest auf absehbare Zeit – vom Tisch. Der Frust bei den Vorständen ist hoch. Von Jens Dörr 

Sie haben seit mehr als einem Jahr gekämpft, hinter den Kulissen wie öffentlich - und legen ihr großes Vorhaben auf der Zielgeraden nun doch zu den Akten: Die Vorstände des SV Germania Babenhausen und des SV Sickenhofen haben die geplante Fusion der beiden insbesondere den Fußball-Sport betreibenden Vereine als vorerst gescheitert erklärt. Damit sind die angestrebte Auflösung beider Vereine und die Gründung eines neuen, gemeinsamen Vereins auf absehbare Zeit vom Tisch. Zu viel Gegenwind besonders auf Babenhäuser Seite gab schließlich den Ausschlag.

Am Dienstagabend stand in der Vereinsgaststätte der Germania die erste von zwei Mitgliederversammlungen auf dem Programm, auf denen die Stimmberechtigten für eine Auflösung des Vereins zum 1. Juli dieses Jahres votieren und damit den Weg zu Neugründung und faktisch einer Fusion hätten freimachen sollen. Nahezu klar war im Vorfeld gewesen, dass die Germania in dieser Versammlung noch nicht die Dreiviertelmehrheit aller Stimmberechtigter des Vereins auf sich versammeln würde, da zu derlei Veranstaltungen praktisch nie 75 Prozent der Mitglieder erscheinen. Das Kalkül war hingegen, nach dem erwarteten Scheitern bei der ersten Versammlung eine zweite einzuberufen, bei der dann die Dreiviertelmehrheit der anwesenden Mitglieder für die Entscheidung über den entsprechenden Antrag ausgereicht hätte.

Am Dienstag kamen 48 Mitglieder zur Germania, womit das Quorum dann auch wie erwartet verfehlt und über den Antrag gar nicht abgestimmt wurde. Den Antrag auf Auflösung – immer mit dem Hintergedanken, damit den Weg für den neuen, gemeinsamen Verein freizumachen und in diesem personelle, finanzielle und infrastrukturelle Ressourcen zu bündeln – hatten vorab 43 Mitglieder unterschrieben. Obwohl die entsprechende Liste, die unsere Zeitung einsehen durfte, ganz oben in fett gedruckter Schrift unmissverständlich deutlich macht, wofür die Mitglieder auf ihr unterschreiben, gab es darum im Vorfeld der Versammlung Irritationen. Die Unterschriften waren insbesondere bei der Weihnachtsfeier im Dezember, aber auch direkt bei Besuchen von Mitgliedern gesammelt worden, von denen sich einige wenige trotz der eindeutigen Zeilen – wohl auch nach Stimmungsmache aus dem gegnerischen Lager – schließlich getäuscht sahen.

Zusätzlich hatten sich vor der Versammlung am Dienstag die Aktivitäten der Fusionsgegner auf Babenhäuser Seite mehr und mehr gesteigert und ihre Wirkung offenbar nicht verfehlt. „Unsere Gegner haben uns täglich bombardiert und dafür gesorgt, dass sich beide Seiten nur noch juristisch begegnen“, sagt Christian Hocke-meyer, der in den Vorständen beider Vereine aktiv ist, ursprünglich aber der Germania entstammt. Am Ende sei es „nur noch um eine Schlammschlacht und nicht mehr um das Sportliche“ gegangen. Die zunehmende Beeinflussung der Fusionsgegner bei den eigenen Mitgliedern – von denen in der Folge einige ins Schwanken gerieten oder gar ihren Austritt erklärten – habe dazu geführt, dass man es nun nicht mehr hart auf hart mit den weiteren Abstimmungen kommen lassen wolle. „Wenn kein Konsens da ist, kriegst du es irgendwann nicht mehr hin“, so Hockemeyer. Für den SV Sickenhofen teilt Vorsitzender Willi Frank mit, die für den 2. Februar geplante SVS-Versammlung finde nun nicht statt. „Obwohl das für uns eine glasklare Sache gewesen wäre“, rechnet er damit, dass die Sickenhöfer bei einer Abstimmung ein deutliches Votum pro Fusion abgegeben hätten.

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Hockemeyer („Der Frust sitzt extrem tief. Babenhausen war für eine Fusion aber wohl im Kopf noch nicht so weit“) antwortet unterdessen auch auf die vorerst wichtigsten Fragen aus Germania-Sicht: Ende Februar soll die nächste reguläre Jahreshauptversammlung mit der Präsentation der Zahlen zum vergangenen Jahr stattfinden. Wahlen des Vorstands gäbe es normalerweise keine. Möglich ist aber die Nachwahl des Ersten Vorsitzenden, da der aktuelle – Normann Pachl – angedeutet hatte, bei einem Scheitern der Fusion nicht mehr in vorderster Front zur Verfügung zu stehen. „Es geht uns aber darum, dass es mit der Germania trotz des Scheitern der Fusion, die uns so viele Vorteile gebracht hätte, weitergeht“, betont Hockemeyer. Gespannt darf man darauf sein, inwiefern die nun mit ihrem Ansinnen erfolgreichen Fusionsgegner bei einem oder mehreren vakanten Vorstandsposten ihren Hut in den Ring werfen werden.

Im Nachwuchsbereich wollen beide Vereine Hockemeyer und Frank zufolge weiter zusammenarbeiten. Für die Aktiven der Germania – insbesondere das Gruppenliga-Team – steht schon in Kürze eine der jetzigen Entscheidung geschuldete Veränderung an: Sie wird dann nicht mehr wie zuletzt in Sickenhofen spielen und trainieren, sondern an den Ostheimer Hang in Babenhausen zurückkehren. Eine personelle Veränderung hat es in der Winterpause bei der ersten Mannschaft des SV Sickenhofen (Kreisliga B Dieburg) gegeben: Trainer Harald Bernhardt hat sein Amt als Trainer aus beruflichen Gründen zur Verfügung gestellt. Neuer Coach ist Cetin Gökce.

Quelle: op-online.de

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