Flamenco, Gedichte und Gänsehautmomente in Tropenhitze

Erste Matinee mit Babenhäuser Schätzen 

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Die Altistin Katja Boost-Munzel, begleitet von Uwe Zeutzheim am Klavier, begeisterte mit Werken von Johannes Brahms und Richard Strauss.

Babenhausen - Künstler und Kulturtreibende aus Babenhausen und seinen Stadtteilen bestritten das kurzweilige, zweistündige Matinee-Programm, das Klaus Mohrhardt moderierte und dem sich ein kulinarischer und geselliger Teil anschloss. Von Petra Grimm 

Eine wahre Schatztruhe, gefüllt mit unterschiedlichen Talenten und Leidenschaften, öffnete sich im Innenhof des Schlosses. Trotz der tropischen Temperaturen waren sehr viele Besucher der Einladung des Freundeskreises der CDU zur ersten Matinee „der Babenhäuser Schätze“ gefolgt. „Eine neue Idee, die die Kulturlandschaft der Stadt bereichern soll“, wie Stephan Sawallich vom Veranstalterteam sagte.

Da der Schlosshof, ebenso wie der Park und das gesamte Gebäude, wegen der Renovierungsarbeiten normalerweise ja geschlossen ist, war der Veranstaltungsort sicher ein zusätzlicher Publikumsmagnet.

Trotz der Mittagshitze am Sonntag waren Gänsehautmomente geboten, vor allem als die 16-jährige Gitarrenvirtuosin Julia Lange aus Langstadt, mehrfache Siegerin beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“, den Schlosshof mit ihrer Musik erfüllte. Als das junge Ausnahmetalent mit dem Faible für spanischen Flamenco „Recuerdos de la Alhambra“ von Francisco Tarrega spielte, hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Das Publikum schien während dieser Darbietung, die eingerahmt von den historischen Mauern eine besondere Wirkung entfaltete, den Atem anzuhalten.

Für die Musikbeiträge verschiedenster Couleur bot der Schlosshof eine einmalige Akustik. So sorgten zudem das Babenhäuser Blasorchester, dirigiert von Dominik Thoma, der Kinderchor Babenhausen mit seiner neuen Leiterin Ilka Bauersachs oder auch die Reiterlichen Jagdhornbläser Maingau, an der Spitze Petra Palm-Hantke, für klangvollen Genuss.

Die Altistin Katja Boost-Munzel, begleitet von Uwe Zeutzheim am Klavier, begeisterte mit „Meine Liebe ist grün“ von Johannes Brahms und „Mein Auge“ von Richard Strauss. Wortbeiträge unterhielten die Gäste unter den großen weißen Sonnenschirmen ebenfalls. Moderator Klaus Mohrhardt ernannte den Gedichte-Rezitator Uwe Friedrich zum „Bowwehaiser Ringelnatz“. Der Rechtsanwalt und Notar im Ruhestand bewies an diesem Vormittag nicht nur sein Talent beim Vortrag, beispielsweise von Kästners „Trostlied im Konjunktiv“. Vor allem mit seinen „Übersetzungen“ bekannter deutscher Gedichte in den Babenhäuser Dialekt sorgte er für Erheiterung und Applaus im schwitzenden Volk.

Lokalhistoriker laden auf Zeitreise ein

Auf eine Zeitreise ins Jahr 1578 luden die beiden Lokalhistoriker, das Ehepaar Ute und Georg Wittenberger, ein. Für ihren szenischen Auftritt als letztes Grafenpaar im Schloss, als Philipp V. und seine Gattin Catharina Gräfin zu Wied im Gespräch, trugen sie sogar die entsprechende Kostümierung.

Eine gelungene Veranstaltung, die da ihre Premiere feierte und zeigte, „dass das Schloss als Aufführungsort in Babenhausen wirklich unverzichtbar ist“, wie Klaus Mohrhardt, Ehrenvorsitzender des Blasorchesters und Mitglied der Schlossfreunde, betonte.

„Wir wollten einfach mal was Neues und Besonderes in einem schönen Ambiente machen. Dass wir heute in den Schlosshof können, ist eine absolute Ausnahme, die eine Sondergenehmigung erforderte. Denn wie auf jeder Baustelle herrscht auch hier Unfallgefahr, weshalb die Gebäude auch auf keinen Fall betreten werden dürfen“, sagte Stephan Sawallich als er die Gäste, darunter Bürgermeister Achim Knoke und Stadtverordnetenvorsteher Wulf Heintzenberg, begrüßte.

Die Sanierung des Schlosses durch die Besitzer, die Firma Alfa Consulting, schreitet voran, wenn auch nicht mit sehr großen Schritten. „Was von Außen sichtbar ist, also auch das Dach und die Fenster, ist saniert. Bei der Außenmauer fehlt noch die Restaurierung der Ostseite. Im Inneren ist aber alles noch ein kompletter Rohbau. Richtung Schwanengraben ist ein Blockheizkraftwerk am Entstehen“, sagte Klaus Mohrhardt auf Nachfrage.

Quelle: op-online.de

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