Gedenken an Widerstandskämpfer

Grünfläche vor dem Bahnhof heißt nun Heinrich-Engel-Anlage

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Brigitta Kreickemeier, eine Großnichte von Johann Heinrich Engel, und Bürgermeister Achim Knoke enthüllten gestern die Gedenktafel am Bahnhofsvorplatz.

Babenhausen - Vor etwa einem Jahr hatte die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, das Areal vor dem Bahnhof Heinrich-Engel-Anlage zu benennen. Gestern war die Einweihung. Von Stefan Scharkopf  

Manfred Nodes musste die Stimme schon ein wenig heben, um durchzudringen. Das Geviert rund um den Bahnhof ist belebt, der Geräuschpegel entsprechend; Züge fahren, Autos sind zu hören, Passanten kommen des Wegs. Doch das hat auch seine Vorteile. So wird bei vielen, die fußläufig am Bahnhof unterwegs sind, der Blick künftig auf eine Tafel gelenkt, die an einen Babenhäuser erinnert, „der als Einziger bekanntermaßen hier politischen Widerstand gegen das Naziregime leistete und für seine Opposition zu den Nazis in das Konzentrationslager Dachau verschleppt wurde“, wie Stadtrat Nodes erläuterte. Engel war Widerstandskämpfer, Sozialdemokrat und Gewerkschafter. In Babenhausen hat er von 1929 bis 1950 gelebt.

Großnichte kommt zur Einweihung

„Babenhausen hätte Nein sagen müssen, Johann Heinrich Engel hat es getan“, sagte Nodes. Es war vor allem seine Initiative, an Engel zu erinnern. Er brachte die Idee auch im Magistrat voran. Die frühere Stadtarchivarin Ria Fischer hatte den Grünen Rathauspolitiker auf den Nazi-Gegner aufmerksam gemacht. Gestern enthüllten Bürgermeister Achim Knoke und Brigitta Kreickemeier aus Rüsselsheim, eine Großnichte Engels, die Gedenktafel. Gekommen waren auch Vertreter des Magistrats und Torsten Petri, ein entfernter Verwandters Engels. Direkte Nachfahren hatte der Geehrte nicht. „In unserer Stadt gibt es eine Kultur des Erinnerns“, sagte Bürgermeister Achim Knoke, „und das ist wichtig.“ In der heutigen Zeit – Stichwort: „Generation Kopf nach unten“ – sei die Gedenktafel auch eine willkommene Ablenkung für die Passanten, die üblicherweise aufs Handy schauen. Auch an sie ist gedacht: Auf der Tafel gibt es einen QR-Code, der Smartphone-Besitzer zu einer Internetseite mit mehr Informationen führt.

Hilfe vom Stadtarchiv Darmstadt

Engel wurde 1894 in Worfelden geboren. Er machte zunächst eine Lehre bei der Motorenfabrik Darmstadt und kam über Stationen bei Opel und Krupp in Essen zur Reichsbahn. Dort war er zunächst von 1924 bis 1933 Betriebsrat. Gleich ab der sogenannten Machtergreifung der Nazis 1933 wurde Engel im Widerstand aktiv. Im Juli 1940 kam er erstmals in Gewahrsam, nach 15 Tagen aber frei. Am 23. Juli 1942 wurde er in Darmstadt abermals verhaftet. Das Regime ermittelte gegen ihn wegen Hochverrats. Am 2. Juni 1944 wurde er ins KZ Dachau gebracht, am 29. April 1945 durch die US-Armee befreit. Nach der Rückkehr nach Babenhausen engagierte sich Engel wieder aktiv in Politik und Gewerkschaft sowie als Beigeordneter der Stadt. Engel starb am 4. August 1974. Da Johann Heinrich Engel lediglich von 1929 bis 1950 in Babenhausen wohnhaft war und danach nach Darmstadt umzog, ist die Aktenlage vor Ort sehr dünn, was besonders die NS-Zeit betrifft, wie es in einer Recherche des Stadtarchivs heißt. Hilfestellung kam in kollegialer Weise vom Stadtarchiv Darmstadt. Eine Verbindung zum „Haus Engel“ (heutiges Café König in der Fußgängerzone) konnte nicht gezogen werden.

So begann der Zweite Weltkrieg

Da der Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands eine der effektivsten Widerstandsorganisationen und Engel daran beteiligt war, lag es nahe, den Bahnhofsvorplatz, der im Zuge des Aus- und Umbaus des gesamten Gevierts ebenfalls umgestaltet wurde, zu benennen. Die Tafel wurde von der Mainzer Designerin Sandra Liebig zusammen mit Katharina Freckmann vom städtischen Bauamt und Sylvia Kloetzel vom Fachbereich Standortentwicklung gestaltet. Hergestellt wurde sie von der Firma Werbetechnik Sabine Frank aus Sickenhofen. Aufgestellt hat sie der Bauhof.

Quelle: op-online.de

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