Forstamt gibt Sicherheitstipps

Gefährlicher Wildwechsel im Frühjahr

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Besonders im Frühjahr besteht die Gefahr, das Rehe und Wildschweine den Wald verlassen und über die Straßen rennen. Im Landkreis hat die Zahl der Wildunfälle zugenommen.

Babenhausen/Dieburg - Im Frühjahr beginnen Wildtiere, sich wieder häufiger außerhalb des Waldes zu zeigen und vermehrt auch Straßen zu überqueren. Damit sind sie eine Gefahr – für Autofahrer und auch für sich selbst. Von Florian Rieger 

Gestern früh kurz nach 6 Uhr: Ein 29-jähriger Lkw-Fahrer aus Frankfurt ist auf der Landesstraße 3065 von Zellhausen in Richtung Babenhausen unterwegs. Kurz hinter dem Bahnübergang läuft plötzlich von rechts ein Reh über die Straße. Der Brummi versucht auszuweichen und lenkt in den Gegenverkehr. Mit der Fahrzeugfront stößt er in die Autoseite eines 57-Jährigen Groß-Umstädters. Der Mann kommt mit schweren Verletzungen in das nächste Krankenhaus; der Lastwagenfahrer wird leicht verletzt. Gesamtschaden an beiden Autos: rund 26.000 Euro. Zwei Stunden lang bleibt die Strecke teils voll gesperrt. Ein Wildunfall, wie er im Frühjahr immer wieder zu beklagen ist. In seiner Statistik hat das Polizeipräsidium Südhessen in Darmstadt im vergangenen Jahr 851 Wildunfälle aufgelistet, gegenüber 2014 ist das eine Zunahme von 9,5 Prozent (777).

Gerade in den Monaten März und April verlassen Rehe wieder öfter den schützenden Wald, um sich auf Nahrungssuche zu begeben. Gerade dann steigt besonders auf Fahrtstrecken, die an Waldrändern entlanglaufen, das Risiko auf Begegnungen mit Autofahrern. Bevorzugt in der Dämmerung ist die Wahrscheinlichkeit nochmal höher.

Thomas Schmalenberg vom Forstamt Dieburg aus dem Bereich Wild und Jagd rät, seinen Fahrstil gerade bei solch gefährdeten Streckenabschnitten anzupassen, die Geschwindigkeit zu verringern und stets bremsbereit zu bleiben. „Wenn man vor sich eine Gruppe Rehe am Straßenrand oder sogar auf der Straße entdeckt, sollte man sofort abbremsen und mithilfe der Hupe die Tiere verscheuchen“, rät Schmalenberg. Auf keinen Fall solle man versuchen, die Rehe mit dem Fernlicht abzuschrecken. Dadurch würden sie nur geblendet und chaotisch und desorientiert durch die Gegend laufen, meint der Experte. Um einen Zusammenstoß zu vermeiden, solle man niemals das Lenkrad verreißen. Bei einem derart unkontrollierten Ausweichmanöver könne man schnell gegen einen Baum fahren. Stattdessen solle man das Lenkrad festhalten und eine Notbremsung einlegen. „Falls man wirklich mal ein Reh angefahren haben sollte, dann ist das Tier zu 99 Prozent schwer verletzt wenn nicht sogar tot. Der erste Schritt sollte auf jeden Fall sein, die Polizei zu alarmieren. Die Beamten markieren dann das Unfallgebiet und informieren den zuständigen Jagdpächter. Zudem sind spezielle Jagdhunde darauf trainiert, das verletzte Reh aufzuspüren“, so Schmalenberg.

Wildtierunfall: Das passiert beim Aufprall

In Gefahrenzonen sind bereits vielerorts Warnschilder für Autofahrer sowie blaue Schutzreflektoren an Straßenpfosten angebracht, die die Wildtiere fernhalten sollen. „Im Grunde ist jeder für den Schutz seines eigenen Reviers zuständig. Die meisten davon gehören Privatpersonen oder Gruppen. Einige gehören auch uns als Forstamt. Jäger wollen Verkehrsunfälle mit Wildtieren von ihren Besitzflächen natürlich vermeiden. Deswegen hat ein Großteil bereits Warnschilder und Reflektoren jeglicher Art angebracht oder mancher sogar Zäune am Waldrand aufgestellt“, bemerkt der Wildbeauftragte.

Sind Wildunfälle für Mensch und Tier gleichermaßen gefährlich, droht den Vierbeinern aber noch von einer anderen Seite her Ungemach. Oft werden Reh und Co. mit unverträglichen Lebensmitteln gefüttert; dazu zählt vor allem Brot, das wegen der vielen Kohlenhydrate ungeeignet ist. Laut hessischem Jagdrecht ist das Füttern von Wildtieren ausdrücklich verboten und der Verstoß somit eine Ordnungswidrigkeit. „Gerade im Winter meinen die Leute, sie täten den Wildtieren etwas Gutes, indem sie sie füttern. Die Rehe kommen in der Regel jedoch sehr gut selbst zurecht. Lediglich bei längeren Schneeperioden übernehmen die zuständigen Jäger die Fütterung. Das war wegen dermilden Winter seit gut zehn Jahren aber auch gar nicht mehr nötig“, so Schmalenberg, und weiter: „Im Winter schaltet der Kreislauf der Tiere in eine Art Energiesparmodus. Dabei brauchen sie besonders Ruhe und vor allem keinen Stress durch den Kontakt mit Menschen.“

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Quelle: op-online.de

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