„Gickel’s Fest“ ein großer Erfolg

Liebe zum Federvieh wiederentdeckt

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Der Vorsitzende Frank Hendlmeyer (von links) mit Anton Hollerbach und Roland Pöschl, die den Geflügelzuchtverein auf verschiedene Weise bereichern.

Babenhausen - Der richtige Mann am richtigen Ort – oft wird er gesucht aber nicht gefunden. Der Geflügelzuchtverein 1900 Babenhausen scheint ihn für das „Gickel’s Fest“ ausfindig gemacht zu haben: Er heißt Roland Pöschl und übernahm nun zum zweiten Mal sehr erfolgreich die Ausrichtung der Traditionsveranstaltung. Von Michael Just 

Das Gros der Mitglieder und Aktiven ist beim Geflügelzuchtverein in die Jahre gekommen und schon seit längerer Zeit nicht mehr imstande, das „Gickel‘s Fest“ körperlich zu stemmen. Aufgeben wollen es die Verantwortlichen aber nicht: Dafür ist es einfach zu beliebt, zudem gehört es seit über vier Jahrzehnten zur Stadt. In der Konsequenz braucht es externe Unterstützung. Die kam in den letzten Jahren von der Fastnacht, genauer gesagt vom Männerballet der Hypertonics. Den Kontakt stellte Züchterin Elfriede Hofmann her. Sie unterhält gute Verbindungen in die lokalen Karnevalskreise. Über mehrere Jahre engagierten sich die Tänzer beim Aufbau, im Küchenbereich oder beim Ausschank. Vor zwei Jahren wollte die Truppe, trotz der Einnahmen für die Mannschaftskasse, mal andere Hände ranlassen. Die Geflügelzüchter mussten Ersatz finden: „Wir hatten zuerst einen Verein im Auge. Nach dessen Absage stießen wir dann gleich auf Roland Pöschl“, erzählt Vorsitzender Frank Hendlmeyer. Pöschl ist vielen Babenhäusern als langjähriger Wirt des Hanauer Tor bekannt. Derzeit arbeitet er für die Michelsbräu.

2015, bei seiner Premiere, machte er die Sache schon gut, dieses Jahr noch besser: So wurde der Thekenbereich vergrößert, dazu das Kuchenbuffet von draußen nach drinnen verlagert. Beim Essen standen nicht nur Würstchen und Steaks auf der Tafel, sondern auch Leberkäse, Spießbraten sowie Rührei mit Speck. Die Nachfrage war so groß, dass irgendwann die Eier ausgingen. Erfahren im Gastronomie-Bereich, versammelte Pöschl ein Team von 15 Personen um sich herum. „Die braucht es beim Braten, an der Zapfanlage, an der Friteuse, zum Bedienen oder an der Spülmaschine“, sagt er. Seine Lebensgefährtin und seine Mutter halfen ebenfalls mit.

Das Mehr an aufgestellten Tischen machte sich bezahlt, denn bei Kaiserwetter strömten die Babenhäuser um die Mittagszeit in großer Zahl zur Geflügelzuchtanlage Am Viehtrieb. Die wird alleine schon aufgrund ihrer Lage geschätzt: Vor den Toren der Stadt kommt ihr großer Garten und die schattigen Bäume einem Idyll gleich. Zudem lassen sich viele Bekannte treffen, was vor allem die ältere Generation schätzt. Das Krähen eines „Gickel“, auf hochdeutsch Gockel, wird besonders gerne vernommen: Damit tut sich eine Erinnerung in die Kindheit auf, wo Federvieh zur Familie gehörte. Heute sind Hühner und Gänse auf Privatgrundstücken ein eher seltener Anblick geworden. Das mag mit zum gegenwärtigen Erfolgsgeheimnis des „Gickel‘s Fest“ beitragen. Am Sonntag zeigte sich die Anlage mit Autos und Fahrrädern zugeparkt.

Bei diesem Anblick dürfte sich Vorsitzender Hendlmeyer sicherlich gewünscht haben, dass der Zuspruch sich auch außerhalb des Festes ein wenig in den Mitglieder- und Züchterzahlen niederschlägt. Bei Pöschl erfüllte sich die Hoffnung: Er ist Neumitglied. Insgesamt sind die Zahlen aber rückläufig. Derzeit werden 48 Mitglieder geführt. Darunter sind elf Aktive. Vier hegen ihre Tiere zuhause, die anderen nutzen das Vereinsgelände. Durch den Rückgang der Züchter standen in den letzten Jahren Gehege leer. Mittlerweile gackert es aber wieder auf allen Parzellen. Zum einen tritt doch immer mal wieder ein jüngerer Züchter auf, zum anderen kehren ältere Personen zum Hobby ihrer Kindheit zurück.

Auf Rückkehrern und Neueinsteigern ruhen die Hoffnungen: „Im Berufsleben fehlt vielen die Zeit. Mit der Rente ist sie wieder da“, weiß Hendlmeyer. Im fortgeschrittenen Alter hat auch Anton Hollerbach seine Liebe zum Federvieh wiederentdeckt. Der 63-jährige hält Fränkische Gänse. „Die sind sehr genügsam“, berichtet der Koch über eine Art, die es erst seit 2003 gibt. Schon als Bub hielt Hollerbach Gänse. Vor wenigen Monaten entschloss er sich zum neuen alten Hobby. Vom Geflügelzuchtverein gab es die volle Unterstützung: Auf dem Vereinsgelände wurde ein Stück Brachfläche für die Haltung der elf Tiere umgewandelt. „Wie damals macht es großen Spaß“, meint Hollerbach.

Quelle: op-online.de

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