Krise beim Fußballverein in Babenhausen

SV Germania nahezu führungslos

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Nunmehr Ex-Vorsitzender: Normann Pachl.

Babenhausen - Der SV Germania befindet sich nun endgültig in einer äußerst ernsten Krise: In der Jahreshauptversammlung trat fast der ganze Vorstand zurück, darunter Vorsitzender Normann Pachl, Sportleiter Michael Partsch und Jugendleiter Klaus Ankenbrand. Von Jens Dörr

Aufgrund einer sehr späten Kassenprüfung wurde zudem Rechner Christian Hockemeyer nicht entlastet. Im 104. Jahr nach seiner Gründung steht der Fußballverein jetzt fast führungslos da. Die vorerst letzten Hoffnungen auf eine einigermaßen „normale“ Fortsetzung der Vereinsgeschäfte ruhen nun auf dem 19. April. Für diesen Tag ist erneut eine Mitgliederversammlung im „Germania-Treff“ auf dem Sportgelände am Ostheimer Hang angesetzt. Dann müssen in Nachwahlen mehrere wichtige Ämter besetzt werden.

Am Dienstag legte Pachl den Vorsitz des noch etwas mehr als 250 Mitglieder zählenden Vereins nieder. Der 62-Jährige war seit 2006 erster Mann bei der Germania gewesen. Seine Entscheidung hatte er bereits im vorigen Jahr für den Fall angekündigt, dass die Verschmelzung mit dem SV Sickenhofen nicht gelingen würde. Zum Leidwesen der Sickenhöfer und dem wohl überwiegenden Teil der Germania-Mitglieder scheiterte das Vorhaben vor wenigen Wochen (wir berichteten).

Nun zog Pachl die Konsequenz – und nicht nur er. Auch die Vorstandsmitglieder Sabine und Willi Frank sowie Michael Partsch traten zurück. Das Trio stammt aus den Reihen des SV Sickenhofen, wo beispielsweise Willi Frank Vorsitzender und Partsch Sportlicher Leiter ist. Den Posten des Sportleiters hatte Partsch auch bei der Germania übernommen. Bis Saisonende wird er das Amt zusammen mit Diethmar Schaum noch kommissarisch weiterführen. Das gilt auch für Jugendleiter Klaus Ankenbrand, der ebenfalls zurücktrat. Bis zum offiziellen Ende der laufenden Saison am 30. Juni wird eine der bislang wichtigsten Säulen des Vereins die Germania noch weiter tragen. Nicht mehr als Beisitzer fungiert auch Steffen Schrod, der bis vor Kurzem zugleich Erstmannschaftstrainer war, von dem sich der Verein inzwischen aber getrennt hat (wir berichteten ebenfalls). Schon im vergangenen Jahr war der Zweite Rechner Ralf Macht zurückgetreten.

Vom Vorstand ist neben Beisitzer Peter Quast somit im Wesentlichen nur noch Rechner Christian Hockemeyer, einer der treibenden Mitwirkenden an der Fusion, übrig. Als Ehrenpräsident noch einen gewissen Einfluss besitzt zudem Jürgen Hennigs. Dessen Frau Tina war am Dienstagabend die einzige Person, die andeutete, neu, beziehungsweise als Rückkehrerin (sie war früher bereits Vorstandsmitglied) für den Germania-Vorstand zur Verfügung zu stehen. Allerdings knüpfte sie das an Bedingungen.

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Einen schwierigen Abend erlebte der verbliebene Hauptkämpfer Christian Hockemeyer auch deshalb, weil ihn die Mehrheit der 35 stimmberechtigten Mitglieder (Hockemeyer: „Die Resonanz war nicht doll, sie spiegelt aber auch das seit der gescheiterten Fusion rapide in den Keller gegangene Interesse an der Germania wider“) als Rechner nicht entlastete. Die Kassenprüfer Manfred Mahr und Toni Coppoleccia hatten zuvor etwa fehlende Belege und fehlerhafte Spendenbescheinigungen moniert und keine Entlastung empfohlen.

Hockemeyer konnte vor der Sitzung die Liste der Reklamationen nicht mehr abarbeiten, weil erst am Dienstagmittag – wenige Stunden vor der Jahreshauptversammlung – die Kassenprüfung stattfand. Coppoleccia, der in den vergangenen Monaten als schärfster Kritiker der geplanten Vereinsverschmelzung aufgetreten war, gab als Grund für die späte Kassenprüfung an, schriftlich vor vier Wochen eingereichte Fragen seien nicht beantwortet und Unterlagen erst sehr spät zur Verfügung gestellt worden. Hockemeyer will bis zum 19. April nacharbeiten und in Zusammenarbeit mit einem schon seit einigen Monaten begleitenden Steuerberater für einen sauberen Abschluss des Wirtschaftsjahrs sorgen.

Coppoleccia hatte Anfang des Jahres wie das Ehepaar Hennigs angedeutet, im nun eingetretenen Fall des fehlenden Vorstands als Notvorstand in die Bresche zu springen. Am Dienstagabend äußerte er seine Bereitschaft dazu aber nicht. Am Mittwoch sagte Coppoleccia gegenüber unserer Zeitung: „Ich rechne nach dem Abschluss mit einem hohen Minus. Ich würde im Vorstand mitarbeiten, aber nicht mit einem Schuldenberg am Bein.“ Sollten die vakanten Vorstandsämter am 19. April nicht besetzt werden und der SV Germania damit handlungsunfähig werden, droht der Fall, dass das Amtsgericht einen Vorstand für den Babenhäuser Traditionsverein bestellen muss.

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Quelle: op-online.de

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