Vereine wollen Kräfte bündeln

Germania und SVS planen Fusion

+
Das Sportgelände an der B26 ist der große Trumpf des SV Sickenhofen. Hier könnten nach einer Fusion mit dem SV Germania noch mehr Spiele und Trainingseinheiten als derzeit stattfinden.

Babenhausen - Vereine wollen Personal, Strukturen und Sportgelände bündeln. Ein früherer Gedankenaustausch wird jetzt konkret. Von Jens Dörr 

Zwei Babenhäuser Sportvereine, wie man sie derzeit kennt, könnten bald schon der Vergangenheit angehören – dafür aber gemeinsame Sache machen und auf diesem Weg Personal, Strukturen und Gelände im Sinne des fruchtbaren gemeinsamen Fortbestehens bündeln: Der SV Germania Babenhausen und der SV Sickenhofen planen derzeit ihre Fusion. Seit ein paar Wochen laufen die Gespräche, deren Stand klar auf einen Zusammenschluss der beiden Vereine hindeutet. .

Schon vor vier Jahren saßen Verantwortliche der Germania und des SVS zusammen und sprachen über eine mögliche Zusammenarbeit. Damals blieb es beim Gedankenaustausch. Diesmal ist alles viel konkreter: Eine Fusion scheint nur noch eine Frage der Zeit. Denn beide Vereine plagen teils ähnliche, teils individuelle Probleme. Den Vereinen, die derzeit jeweils 280 Mitglieder haben, was bei der Germania besonders deutlich von einstigen Höchstständen entfernt ist, fehlt es an Personen, die im Vorstand und anderen wichtigen Vereinsfunktionen die nicht immer einfache ehrenamtliche Führungsarbeit übernehmen wollen.

Bei der Germania führt Normann Pachl den Verein bereits seit mehr als einem Jahrzehnt, bei den Sickenhöfern trat im vergangenen Jahr Jörg Luithardt vom Vorsitz zurück. Im Nachwuchsbereich hat besonders der SVS, der sich vor einiger Zeit aus der Spielgemeinschaft mit dem SV Kickers Hergershausen löste, Schwierigkeiten, alle Altersklassen mit eigenen Akteuren zu besetzen. Auch die Germania stellt unterdessen derzeit beispielsweise kein A-Junioren-Team. Der Verein aus der Kernstadt hat zudem das Problem, dass die Trainingsbedingungen mit einem allzu arg strapazierten Rasenplatz am Ost-heimer Hang eher schlecht sind.

Für nächste Saison noch nicht machbar

Mit dem äußerst vorzeigbaren, modernisierten, zwei Großfeldern sowie potenziellen westlichen Erweiterungsmöglichkeiten gespickten Sportgelände des SV Sickenhofen würde eine Fusion nicht nur dieses Problem lösen. Auch für gemeinsame Nachwuchsteams wären wieder mehr Spieler verfügbar, die stärkere Mannschaften bilden und somit zusätzliche Anziehungskraft entwickeln würden. Außerdem würde die Last nur noch eines Vereins auf mehreren Schultern in Vorstand, Aktiven- und Nachwuchsabteilung gelegt.

Ursprünglich lautete das Vorhaben in den vergangenen Wochen gar, die Fusion so rasch auf den Weg zu bringen, dass bereits in der neuen, offiziell im Juli startenden Fußball-Saison ein gemeinsamer Verein seine Mannschaften ins Rennen schicken würde. Das sei aus organisatorischen Gründen zeitlich aber nicht mehr machbar, sagen in diesen Tagen sowohl Germania-Geschäftsführer Christian Hockemeyer als auch Willi Frank, der den SV Sickenhofen derzeit kommissarisch führt und auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung des SVS am kommenden Freitag (27. März) aller Voraussicht nach noch einmal zum neuen Vorsitzenden eines nur noch wenige Monate eigenständigen Vereins im Stadtteil gewählt werden dürfte.

Eine Fusion – hier klären die Vereine unter Beratung von Landessportbund, Hessischem Fußball-Verband sowie einem Hanauer Rechtsanwalt, wie sie formal zu bewältigen sei, ob etwa zuvor beide Vereine liquidiert werden müssen – hätte bis zum 30. April vollbracht sein müssen, damit die Fußball-Teams innerhalb eines neuen, gemeinsamen Vereins in die Spielzeit 2015/16 hätten gehen können.

Bilder vom Fußball-Derby zwischen der Germania und dem SVS (August 2014)

Germania gewinnt Derby gegen Sickenhofen

Dass das nicht klappt, hängt auch damit zusammen, dass Germania und SVS ihre Mitglieder ausführlich über die geplanten Veränderungen informieren wollen und müssen. Die Germania etwa führt am 27. April ihre ordentliche Jahreshauptversammlung durch und setzt den Austausch über die Fusion dort auf die Tagesordnung. Auf der Versammlung wollen sich die Verantwortlichen – insbesondere Pachl und Hockemeyer – das Mandat der Mitglieder holen, die Fusionsverhandlungen weiter voranzutreiben. In einem weiteren Schritt müssten für eine eventuelle Auflösung des Vereins drei Viertel aller stimmberechtigter Mitglieder für diesen Schritt stimmen. Im Falle einer direkten Fusion wäre es ebenfalls dieser Anteil, kalkuliert Hocke-meyer. Kommt dieser Anteil aller stimmberechtigten Mitglieder bei der Germania nicht zusammen – üblicherweise besucht nur ein Anteil von zehn bis 20 Prozent der Mitglieder derlei Versammlungen – kann der Verein binnen vier Wochen eine weitere Sitzung einberufen, bei der „nur“ noch drei Viertel aller Anwesenden den Schritt befürworten müssten. Beim SVS ist die Hürde niedriger, hier müssten von Beginn an „nur“ zwei Drittel – und zwar der bei der Versammlung anwesenden – Mitglieder für den Schritt gen Fusion stimmen.

Vorerst ist Fakt: Die Führungen des SV Germania Babenhausen und des SV Sickenhofen wollen ihre Vereine in allen Bereichen zusammenführen – frühestens klappt das aber zur Saison 2016/17. In der Saison 2015/16 immerhin soll es bereits bei den Aktiven eine Spielgemeinschaft geben. Welche Folgen das sportlich für beide Vereine hat, ist in unserer morgigen Ausgabe zu lesen.

Quelle: op-online.de

Kommentare