Bester Gerüstbauer Hessens: Thomas Geißler

Von der Küche in luftige Höhen

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Für Thomas Geißler geht es bei der Arbeit hoch hinaus. Der Babenhäuser ist Gerüstbauer. Mit Thomas Geißler wurde ein Babenhäuser bester Gerüstbauer Hessens und zweiter Bundessieger.

Babenhausen - Als Gerüstbauer ist Thomas Geißler gewöhnt, ganz nach oben zu klettern. Jetzt erreichte der 25-Jährige noch ganz andere Höhen: Er darf sich bester Gerüstbauer Hessens nennen. Von Michael Just 

Die Bestnoten bei seiner Gesellenprüfung machten ihn zum Kammer- als auch zum Landessieger. Die hervorragenden Leistungen sind auf einer Siegerurkunde festgehalten, die er im Frankfurter Römer bekam. Sie trägt die Unterschriften vom hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier sowie dem Präsidenten der Hessischen Handwerkskammer Bernd Ehinger. Doch damit nicht genug: Als Landessieger qualifizierte sich der junge Babenhäuser automatisch für den Bundeswettbewerb. In Groß-Gerau/Weiterstadt, wo sich neben Dortmund und Berlin eine der drei Gerüstbauschulen Deutschlands befindet, setzte er sich gegen die Konkurrenz von rund einem Dutzend Kollegen durch und wurde zweiter Bundessieger.

„Hätte der Wettbewerb in der Hauptstadt stattgefunden, wäre das besser gewesen. Dann hätte man sich noch Berlin angucken können“, sagt der erfolgreiche Nachwuchshandwerker schmunzelnd. Seinen Erfolg stellt er dabei bescheiden in den Hintergrund. Der Bundeswettbewerb sah gleich mehrere Aufgaben vor: Unter speziellen Anforderungen galt es, ein Tor einzurüsten, dazu musste für ein Werkstück ein Bauplan beziehungsweise eine technische Zeichnung angefertigt werden. Die forderte Millimeterarbeit, denn die Juroren wollten jede einzelne Kupplung erkennen, die verwendet wird. Als i-Tüpfelchen wurde verlangt, die Fehler bei einem mangelhaft aufgestellten Gerüst auszuweisen.

Mathematik und Physik im Mittelpunkt

Dass Thomas Geißler als Gerüstbauer derzeit zu großen Ehren kommt, ließ sich bei seinem Berufseinstieg nicht absehen. Statt in den mittlerweile 18 Jahre alten Familienbetrieb einzusteigen, entschied er sich, Koch zu lernen. Das tat er im Seehotel in Niedernberg. Erst ein Unfall seines Vaters und der mögliche Verkauf der Firma ließ ihn umschwenken. Statt Kochlöffel und Rezept standen plötzlich Mathematik und Physik im Mittelpunkt. Obwohl er kurzfristig, und damit verspätet, in sein erstes Lehrjahr als Gerüstbauer im Berufstechnologiezentrum Groß-Gerau/Weiterstadt einstieg, war es für ihn kein Problem, die dreijährige Ausbildungszeit in zweieinhalb Jahren zu bewältigen. Doch was macht eigentlich einen guten Gerüstbauer aus? „Die Umsetzung der technischen Anforderungen“, sagt Geißler. Darunter fallen die Statik sowie die vielen sicherheitsrelevanten Vorschriften. „Wir befinden uns nicht mehr in der Zeit früherer Jahrhunderte, als man für ein Gerüst irgendwas zusammengesteckt hat“, erläutert der 25-Jährige. So verfüge alleine die Aufbauverwendungsanleitung für das Gerüst-System im väterlichen Betrieb über 50 ellenlange Seiten, die nur die Grundlagen darstellen.

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Mit seinem erfolgreichen Abschluss auf Hessen- als auch auf Bundesebene kann sich Thomas Geißler schon in jungen Jahren als Gerüstbauprofi sehen. Dabei heißt Gerüstbau weit mehr, als bei einem Einfamilienhaus Verputzern eine Arbeitshilfe zu geben: Auf Brücken, die etwa über Flüsse führen, sind hängende Konstruktionen gefragt. Großes Wissen ist vonnöten, wenn Kirchtürme in Zwiebelform wie ein Kokon eingerüstet werden müssen. Das gleiche gilt für Wetterschutzdächer: Damit etwa kernsanierte Häuser trocken bleiben, wird auf einen Gerüstunterbau ein komplettes Dach gesetzt. Für all‘ das wird reichlich Fachkenntnis benötigt, damit die Konstruktion in sich hält, zusätzliche Beladungen verkraftet und nicht zuletzt Wind und Wetter trotzt.

Mit seinem Wissen kann Thomas Geißler mittlerweile für fast jedes Gebäude Bau- und Montagepläne zum Einrüsten anfertigen und, sofern das Material vorhanden ist, das dazugehörige Gerüst errichten. An seine erfolgreiche Gesellenprüfung schließt der Babenhäuser derzeit direkt die Meisterprüfung in Groß-Gerau/Weiterstadt an. Mittels Blockunterricht lässt sich der Weg zum Meisterbrief in einem halben Jahr erreichen. Im Frühjahr, damit in wenigen Monaten, wird er sein Zertifikat in Händen halten. Dann gehört er zu den ersten Gerüstbaumeistern in Südhessen. Dass er damit auch ein Stück weit Geschichte schreibt, liegt daran, dass der Gerüstbauer noch ein ganz junger Ausbildungsberuf ist. Gehörte dieser früher zum Baunebengewerbe, erhob man ihn vor der Jahrtausendwende zum Vollhandwerk.

Quelle: op-online.de

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