Evangelische Gemeinde

Gleich mehrere Mitarbeiter gehen

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Christoph Kleinert (im Hintergrund) und Pfarrerin Andrea Rudersdorf überreichten Kurt Marschall ein Fahrrad.

Babenhausen - Abschied nehmen hieß es bei der evangelischen Gemeinde. Pfarrerin Andrea Rudersdorf dankte langjährigen Mitarbeitern und segnete sie. Im Anschluss war zum geselligen Empfang im Hof des Erasmus-Alberus-Haus eingeladen. Von Petra Grimm

„Vor allem Ursula Scherer, die Leiterin des evangelischen Kindergartens, und Hausmeister Kurt Marschall, die beide in ihren verdienten Ruhestand gehen, haben viele Jahre das Gesicht unserer Gemeinde geprägt“, sagte die Pfarrerin, die beiden Gottes Hilfe und Kraft wünschte, von Aufgaben Abschied zu nehmen, die ihnen wichtig waren.

Im evangelischen Kindergarten, dem Haus der Kinder, geht in mehrfacher Hinsicht eine Ära zu Ende. Denn nicht nur Ursula Scherer verlässt nach 46 Jahren Einsatz als Erzieherin die Einrichtung. Auch das bisherige Gebäude ist bald Vergangenheit. Es wird einen städtischen Neubau für dann vier Gruppen geben. Bis dahin werden die Kinder und ihre Erzieherinnen übergangsweise ins Sophie-Kehl-Heim umziehen. Die kommissarische Leitung des evangelischen Kindergartens übernimmt jetzt Debora Trautmann, die schon lange zum Team gehört.

Für Ursula Scherer, die bereits seit ihrem Anerkennungsjahr ab September 1967 in der Einrichtung tätig ist und seit 1976 die Leitung hatte, fängt ein ganz neues Leben an. „Ich werde mich jetzt erstmal zwei Wochen in meinem Garten vergraben und dann schauen, wie es weitergeht“, sagte sie im Gespräch. „Ich werde mehr Zeit für meinen Mann und meinen Hund haben, lesen und wieder Freundschaften pflegen.“ Die 63-jährige Vollblutpädagogin hat die Arbeit mit den Kindern immer geliebt. Die Rahmenbedingungen und die Aufgaben hätten sich über die Jahre verändert, erzählte sie: „Als ich angefangen haben, waren es 60 Kinder, die in einem Raum untergebracht waren. Die christliche Gemeinschaft, der das Gebäude gehörte, nutzte damals noch den Saal als Versammlungsraum.“ Die Anzahl der Kinder sei nach und nach reduziert worden. Seit 15 Jahren werden 25 Kinder in dem großen Raum betreut. Die evangelische Kirchengemeinde kaufte der Emmaus-Gemeinde das Gebäude im Jahr 2006 ab.

„Mir war immer wichtig, dass man nicht nur den Kopf der Kinder füllt, sondern auch die Seele füttert“, sagte Ursula Scherer. „Es ist ein großes Vertrauen, das die Eltern in uns setzen, wenn sie uns ihre Kinder überlassen. Und man übernimmt viel Verantwortung, denn man ist ja auch Vorbild für die Kinder. Das ist einem als Berufsanfänger gar nicht so klar“, sagte sie, während zahllose Gemeindemitglieder ihr zum Abschied die Hand drückten und sich bedankten.

Pfarrerin Rudersdorf zählte viele ihrer Verdienste und Aufgaben im Kindergarten auf. Sie habe „unzählige Kinder willkommen geheißen, Vertrauen aufgebaut, Regeln eingefordert, mit ihren Händen getröstet, umarmt, Tränen abgewischt, unermüdlich Bilder gemalt, gebastelt und die Kinder zum Spielen angeleitet. Sie hat liebevoll ans Zuhören, Sitzenbleiben, Stillsein, Beten, Geschichten hören und selbst erzählen, herangeführt“. Die Pfarrerin erwähnte auch die bürokratischen Verwaltungsaufgaben, die sie als Kindergartenleiterin bewältigen musste und die vielen Elterngespräche zum Wohle der Kinder.

Mit Kurt Marschall, der seit März 1993 mit einer viertel Stelle als Hausmeister angestellt war, verlässt ein Allround-Handwerker die Gemeinde. „Was haben seine Hände in diesen 22 Jahren nicht alles repariert, begutachtet, festgeschraubt, gesichert und dokumentiert“, sagte die Pfarrerin, die seinen „unermüdlichen Dauereinsatz“ für die Kirche, das Gemeindehaus und den Kindergarten lobte. Viele Renovierungen habe er begleitet und oft sein eigenes Werkzeug mitgebracht. Der 74-Jährige gelernte Maschinenbautechniker wird wohl auch in seinem Ruhestand öfter – dann ehrenamtlich – helfend zur Tat schreiten. „Ich werde auch weiterhin das Grün betreuen“, sagte Kurt Marschall, der neben einem Geldgeschenk, zu dem die Gemeindemitglieder beigetragen haben, auch das Dienstfahrrad der Kirchengemeinde als Geschenk erhielt. Er hatte es sich in der Vergangenheit gerne für private Radtouren ausgeliehen und kann es jetzt sein eigen nennen. Für Ursula Scherer gab es neben einem Erinnerungsbuch mit vielen Fotos einen großen Sessel mit Fußhocker, den sie in der Kirche gleich ausprobierte.

Der Kirchenchor bereicherte den Gottesdienst, in dessen Rahmen auch die drei Mitarbeiterinnen der Schulkindbetreuung im evangelischen Kindergarten verabschiedet wurden. Nach zehn Jahren wird damit jetzt Schluss sein. Nannette Rauschenbach, Barbara Nickenig und Gül Popal wurden mit einem herzlichen Dank verabschiedet. Der Dank der Pfarrerin ging auch an Bianca Schmitt, die zwei Jahre als Berufspraktikantin im evangelischen Kindergarten war.

Quelle: op-online.de

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