Glühweinkerb in Harreshausen lockt viele Besucher in den Stadtteil

„Vöchel“ vertreiben Besinnlichkeit

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Die Glühweinkerb erlebte eine tolle Resonanz. - Foto: 

Harreshausen - Nachdem sie vergangenes Jahr ausgefallen ist, war sie am Sonntag besonders gut besucht: Die Glühweinkerb der „Vöchel“ brachte nach den besinnlichen Tagen ordentlich Schwung in den Babenhäuser Stadtteil. Von Michael Just

„Gutes Personal ist heutzutage schwer zu finden!“ – Die Feststellung von Joachim Funk war mit einem theatralischen Stöhnen verbunden, als hinter ihm eine Tasse auf den Boden fiel und in viele Scherben zerbrach. Über den Scherz konnte der unvorsichtige Kollege aus dem Freundeskreis „Die Vöchel“ aber herzlich lachen, denn die Glühweinkerb zeichnete sich schon früh als voller Erfolg ab. Schon vor dem offiziellen Beginn um 16 Uhr wurden vielfach Getränkewünsche geäußert. Danach füllten sich die aufgestellten Garnituren ziemlich rapide. Immer wieder trafen größere Fußgruppen aus dem Babenhäuser Wohngebiet Ost ein. Allen war die Freude anzumerken, dass das öffentliche Leben nach den Feiertagen nun wieder in Gang kommt.

Eine gute Resonanz war schon deshalb zu erwarten, da die Glühweinkerb 2014 ausfiel. In diesem Jahr lag die gesamte Konzentration auf dem „Lappes-Fest“, das die „Vöchel“ ebenfalls ausrichten. So gingen die Veranstalter nach einjähriger Pause besonders motiviert ans Werk. Von 10 bis 13 Uhr bauten sie ziemlich rasch auf. Das lag zum einen an den rund 15 emsigen Helfern, zum anderen an der neuen „Festmeile“ im Auweg. Das Haus von Mitglied Harald Weidler liegt in direkter Nachbarschaft, was das Verlegen langer Kabel, wie zuvor auf dem Oberwölzer Platz, ersparte. „Nach mehreren Jahren haben wir uns für eine neue Lokalität entschieden“, weiß Joachim Funk. Das Eckchen vor der Harreshäuser Mühle entpuppte sich schon bei den Festen zum 1. Mai als heimeliges Refugium.

Die „Vöchel“ sind ein privater Freundeskreis, der sich in den 1980er Jahren gründete. Seitdem trifft sich der harte Kern der Truppe jeden Mittwoch in einer Hütte. In ihrer Hochzeit vor der Jahrtausendwende schafften es die Mitglieder, kleine Partys in rauschende Dorffeste zu verwandeln. Zum Kultspektakel „Lappes-Fest“ reisten die Gäste zu Kartoffel-Küchlein und Live-Musik sogar aus dem Umland an. Nach einer „Kreativ-Pause“ geben die End-40er seit wenigen Jahren wieder Gas. Mittlerweile sind deren Kinder und Partner so alt, dass sie die „Alt-Vöchel“ unterstützen. „Für die Glühwein-Kerb habe ich Waffelteig gemacht“, erzählt Nathalie Rauschenbach (23). Die „Vöchel“ hält die angehende Physiotherapeutin für ein Phänomen: „Ich glaube, es ist selten, dass man sich in einem langen Zeitraum so regelmäßig trifft. Und Veranstaltungen in dieser Form macht doch heute auch keiner mehr freiwillig“, sagt sie.

Kerb in Harpertshausen

Der große Bekanntenkreis der Organisatoren lockte zur Glühweinkerb nicht nur bekannte Babenhäuser Gesichter an. „Bei uns gibt es so etwas Tolles leider nicht“, sagte Robert Bittner (62) aus Birstein. Wer sich mit Hagen Hartmann aus Hanau über Fußball unterhielt, der erfuhr, dass der 71-Jährige einst den jugendlichen Rudi Völler bei 1860 Hanau trainierte. Die unkonventionelle Party in Harreshausen zog des Weiteren Gäste aus Froschhausen an. Sie hatten am Morgen einen privaten Radiosender aus Aschaffenburg gehört, der das gesellige Treiben hinter der Landesgrenze ankündigte. „Ich rufe da regelmäßig an. In der Regel gehen alle Geburtstagsgrüße und Termine über den Äther“, berichtet Michael Kattner, der zum großen Helferteam gehörte. So konnten die Veranstalter am Ende ein überaus positives Fazit ziehen. Der Neue-Deutsche-Welle-Hit „Neue Männer braucht das Land“, der einmal aus den Boxen dröhnte, führten die „Vöchel“ selbst ad absurdum: In Harreshausen sind sie noch immer eine Institution und ein Garant, wenn es um eine gute Party im Ort geht.

Quelle: op-online.de

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