Historisch bedeutende Fragmente

Territorialmuseum: Grabsteine für den Außenbereich

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Dieter Aumann und Georg Wittenberger im Garten des Burgmannenhauses. Die dortigen Grenz- und Markierungssteine werden ins Lapidarium wandern.

Babenhausen - Das Territorialmuseum wird erweitert. Das geschieht nicht im Inneren, wo auf mehreren Ebenen bereits außergewöhnliche Exponate zu sehen sind, sondern im Außenbereich. Dort ist ein Lapidarium geplant. Von Michael Just

Eine Sammlung von Steinwerken, zu der Grabsteine, Grabplatten, Andachtsbilder aber auch Grenz- und Markierungssteine gehören – so wird ein Lapidarium definiert. „Die Grundlage für unseres bilden alte Grabsteine aus der Stadtkirche“, informieren Georg Wittenberger und Dieter Aumann vom Heimat- und Geschichtsverein. Jene rund ein Dutzend historischen Überbleibsel wurden bei der Renovierung des evangelischen Gotteshauses vor ein paar Jahren freigesetzt. Durch bauliche Maßnahmen blieb für sie fortan kein Platz. Zu Beginn lagerte man die Quader im Bauhof, dann kamen sie auf das Firmengelände von Dieter Aumann. Gut eingepackt sind sie bei der Baufirma bis zu ihrer Ausstellung am Besten geschützt. Das Alter der Grabsteine wird auf bis zu 500 Jahre, ihre Entstehung auf den Zeitraum von 1500 bis 1800 geschätzt. Geschaffen wurden sie einst zum Gedenken an Kleinadelige, die ihre letzte Ruhe etwas abseits vom Altar fanden. „An der Nähe zum Gottestisch ließ sich der Rang ablesen“, weiß Georg Wittenberger und erinnert an die gräfliche Familie zu Hanau-Lichtenberg, die direkt im Chorbereich liegt.

Zu den Kleinadeligen gehörte auch Balthasar Prechter. Er war Rat- und Amtmann zu Babenhausen, was im Jahre 1588 urkundlich festgehalten wurde. Auf seiner Grabplatte aus rotem Odenwälder Sandstein ist sein Tod am 26. Februar 1610 und seine Stellung als „Edel-Fest“, eine alte Bezeichnung für Edelmann, vermerkt.

Prechters Grabplatte wird zukünftig ebenfalls das Lapidarium zieren. Viele Grabsteine aus der Stadtkirche sind in keinem guten Zustand. Zum Teil sind Inschriften beschädigt und unleserlich. Das rührt daher, dass einige Platten in den Kirchenfußboden eingelassen waren und über die Jahrhunderte viele Menschen darüber schritten. Trotzdem wollen sie die Verantwortlichen des Territorialmuseums für die Nachwelt erhalten. Dafür ist eine langgezogene Freifläche hinter dem Museum vorgesehen, die noch hergerichtet werden muss. Neben der Ein-ebnung gehört die Schaffung eines Fundaments dazu, auf das die Steine gestellt werden. Ein Dach soll Schutz gewährleisten.

Wann das Lapidarium eröffnet, steht noch nicht fest. Die geplanten Maßnahmen verlangen finanzielle Mittel, weshalb man sich derzeit um öffentliche Gelder bemüht.

„Wir haben uns an die Regionalförderung, die über den Kreis und das Land Hessen läuft, gewandt. Von dort warten wir auf grünes Licht“, so Wittenberger. Die alten Grabsteine werden den Außenbereich nicht alleine zieren: Im Garten des Burgmannenhauses stehen weitere historische Steine, die einen neuen Platz erhalten sollen. Ursprünglich dienten sie als Markierungs- und Grenzsteine. Einer dieser Markierungssteine stammt vom Bau der Bahnverbindung zwischen Darmstadt und Aschaffenburg, die 1858 eröffnet wurde. Er weist die Initialen „HL“ für „Hessische Ludwigsbahn“ aus. Grundlage der Verbindung, die bis heute von Mainz über Darmstadt bis nach Aschaffenburg reicht, war der Staatsvertrag vom 28. März 1852. Er wurde zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Bayern geschlossen, was weitere Markierungssteine, etwa „GH“ für Großherzogtum Hessen oder solche, die das Wappen des Königreich Bayern tragen, hervorbrachte.

Laut Georg Wittenberger und Dieter Aumann wird das Lapidarium im stetigen Wachstum sein. Stetig deshalb, weil immer wieder neue Steine von historischer Bedeutung hinzukommen. Vor allem Dieter Aumann kann das bestätigen: „Egal, wo man ein Loch gräbt: Ganz selten kommt mal nichts Historisches ans Tageslicht.“

Quelle: op-online.de

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