Matschböden sorgen für Änderungen in Harpertshausen

Grenzgänger widmen sich Historischem und Tierischem

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Der Harpertshäuser Grenzgang spielte sich diesmal in kleinerer Runde ab.

Harpertshausen - Der Grenzgang ist im kleinsten Stadtteil eine Institution. Seit bald 40 Jahren wird die Gemarkung abgelaufen. Von Anfang an dabei: Ortsvorsteher Kurt Kratz. Von Michael Just 

Beim Start um 10 Uhr an der alten Linde wartete ein Julischka auf die Teilnehmer sowie zum Abschluss ein Erbseneintopf. Um beides kümmerte sich wie gewohnt die Feuerwehr. Julischka, eine Mischung aus Sliwowitz und Birnenlikör, wird gerne angenommen, denn Anfang des Jahres liegen die Temperaturen meist nur im einstelligen Bereich. Manchmal waten die Grenzgänger sogar durch Schnee. So sind die Wege um diese Jahreszeit stets das größte Problem, vor allem wenn es vorher geregnet hat. „Ich bin die Strecke heute früh extra nochmal mit dem Rad abgefahren“, sagte ein um Perfektion bemühter Ortsvorsteher.

Die aufgeweichten Böden sorgten dann für kleinere Veränderungen bei der Streckenführung der 38. Neuauflage am Wochenende, in die zwei Pausen samt Versorgungsstation eingebettet waren. Grob wurde der geplante Rundkurs aber eingehalten: Zuerst ging es westwärts bis kurz vor Hergershausen, danach zum Baggersee Krichbaum. Von da führte der Weg in die Hißlache, dem kleinen Waldstück zwischen Langstadt und Harpertshausen. Nach dessen Durchquerung orientierte man sich wieder Richtung Heimat.

Die Sorge, dass Kinderwagen im Morast stecken bleiben könnten, zeigte sich als unbegründet: Es waren einfach keine Kinder dabei. Auch die Gesamtteilnehmerzahl veranlasste die Organisatoren nicht zu Freudensprüngen: Mit 40 Personen lang man deutlich von den 150 entfernt, die in der Vergangenheit schon mitliefen. Die Schulferien und die frostige Kälte am Morgen mögen dafür ein Grund gewesen sein.

Zudem hatte Kurt Kratz, der zu seinem letzten Grenzgang als Ortsvorsteher begrüßte (bei der Kommunalwahl tritt der 75-Jährige nicht mehr an), die kurzfristige Erkrankung von Revierförsterin Tanja Wöber zu verkraften. Für Kratz war das aber kein Problem, deren Infos über Wald und Flur mit Wissenswertem zur Ortsgeschichte zu ersetzen. Auch wenn die kleine Wandergruppe das nicht vermuten ließ, befindet sich Harpertshausen derzeit im Aufschwung.

Wie der Ortsvorsteher in seiner Begrüßung sagte, steht 2016 die Offenlegung des Bebauungsplans „Am Kirchweg“ an. Dazu wurden mit der Sanierung der sanitären Anlagen im DRK-Heim sowie der Friedhofsmauer 2015 langgehegte Wünsche umgesetzt. Bei den Infos zur Ortsgeschichte (Kratz: „Hier könnte ich vom Dreißigjährigen Krieg bis in die Steinzeit über Harpertshausen berichten“) hatte der scheidende Politiker Interessantes aus dem Jahr 1953 parat. So fand im Dezember die „Wasserkerb“ statt, bei der die Bewohner die neue Versorgung mit Trinkwasser aus Hergershausen feierten. In den 1920er Jahren, als das Gruppenwasserwerk entstand, wurde ein Anschluss für Harpertshausen noch abgelehnt.

Tierisches rückte beim Thema „Schwalbensee“ in den Mittelpunkt. Zur Zeit überwintern am Baggersee, der unweit vom Ortsausgang liegt, 25 Höckerschwäne. Dafür wird das Gewässer von dessen Eigner mit einer großen Umwälzpumpe in 20 Meter Tiefe eisfrei gehalten. Schwäne sind Pflanzenfresser, werden zwischen 20 und 25 Jahre alt und ziehen pro Jahr vier bis fünf Junge groß. Die Paare binden sich meist ein Leben lang.

Kerb in Harpertshausen

Laut Kratz werden manchmal auch schwarze Schwäne beobachtet. Deren Ursprungsland ist Australien, die hiesigen Exemplare büxten aus ihrer Gefangenschaft in der Region aus. Kormorane gehören ebenfalls zum „Nutzerkreis“ des Sees. Dass der Kormoran 2010 zum Vogel des Jahres gewählt wurde, machte nicht nur die hiesigen Angler und Fischer sehr unglücklich. Denn der schwarze Geselle, der 30 Meter tief tauchen und 90 Sekunden unter Wasser bleiben kann, holt täglich bis zu 500 Gramm Fisch aus dem Wasser.

Quelle: op-online.de

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