Grenzgang in Langstadt führt in den Wald

Gute Qualität bei den Kiefern

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So macht Grenzgang Spaß: Auf Papas Rücken werden die Beine geschont und der Ausblick ist definitiv besser.

Langstadt - Bei der Runde durch Wald und Flur gaben zwei Förster Auskunft darüber, wie der Tann gedeiht. Tipps, wie man sich bei einem Angriff von Wildschweinen verhält, wurden gerne gehört. Von Michael Just  

Bei der Verjüngung des Waldes greift das Forstamt der Natur regelmäßig unter die Arme. Dafür müssen Samen gewonnen werden – nicht alle Bäume kommen dafür aber infrage: Gesundheit und Genetik sind wichtig, was sich unter anderem an kräftigen Ästen und einem stabilen Stamm zeigt. „Bei der Kiefer findet man solche Exemplare in Babenhausen“, wissen die Revierförster Lothar Seipp und Tanja Wöber. Am Wochenende konnten die beiden Vertreter von Hessen Forst beim Langstädter Grenzgang zahlreiche Informationen über den Wald weitergeben und mit Blick auf die exzellente Kiefernqualität im Stadtwald für Lokalpatriotismus sorgen. Insgesamt nahmen rund 142 Bürger am Rundgang teil, den wie immer die Karneval-Abteilung des TSV organisiert hatte. „In diesem Jahr machen wir das zum 15. Mal“, hob Michael Salzner vom Orga-Team heraus. Die Strecke betrug wie immer sieben bis acht Kilometer und führte Richtung Schaafheim. Dursten und hungern brauchte keiner der Teilnehmer: Bei der großen Pause in der Wacholder-Schneise warteten Kaffee und Kuchen, beim Abschluss im TSV-Heim Spießbraten, Handkäs‘ und Meterbier.

Dass die Grenzgänger mit viel Wissen über den Wald versorgt werden ist mittlerweile obligatorisch. „Ich werde schon gefragt, ob ich außer Grenzgänge auch noch andere Dinge mache“, meinte Förster Lothar Seipp schmunzelnd. Diesmal hatte er mit seiner Kollegin Informationen über die Instandsetzung der Waldwege, das Gedeihen des Eichen-Nachwuchses und die Ernährung eines Baumes parat. Auf flachen Baumscheiben durften die Kinder Seifenlauge auftragen und dann kräftig pusten. Die Blasen, die auf der anderen Seite entstanden, demonstrierten, dass das Holz – trotz seiner Dichte – durchlässig für den Transport von Nährstoffen ist. Gestaunt werden durfte auch über so manche Zahlen: Bei der Samenernte der Kiefer benötigt es 50 Kilo Zapfen, um ein Kilo Saatgut zu gewinnen. In diesem Kilo sind dann allerdings 160 000 Samenkörnchen enthalten, von denen rund 90 Prozent angehen. Noch heute findet die Samenernte durch Baumpfleger statt, die dafür mit ihrem Geschirr hoch in die dichten Wipfel klettern. Jene Pflücker bedarf es, da die Zapfen grün vom Baum geerntet werden müssen.

Kerb in Eppertshausen

Diese werden professionell in der sogenannten Forstsamendarre Hanau-Wolfgang durch Erhitzen und Rütteln entnommen. Liegen die Zapfen bereits auf dem Boden, enthalten sie meist keine Samen mehr. Das große Wissensgebiet Wald rundete zum Schluss Jagdpächter Matthias Dworak ab, der die Grenzgänger auf einem Hochsitz erwartete. „Die Jagd ist in erster Linie aktiver Naturschutz. Es geht darum, den Lebensraum des Wildes zu verbessern“, sagte Dworak. Nur bei jedem 20. Ansitzen falle tatsächlich ein Schuss und der Jäger nehme eine Strecke mit nach Hause. Die derzeitige Wildschweinplage warf die Frage auf, wie man sich bei der Begegnung mit Schwarzwild verhält – schließlich sei es schon vorgekommen, dass Wildschweine Menschen vom Rad gestoßen haben. Für Dworak ist das vor allem darauf zurückzuführen, dass Wildschweine schlecht sehen und nicht weil sie angriffslustig sind. Für ihn gilt in allen Fällen: „Möglichst viel Lärm machen. Das sind Wildschweine nicht gewohnt und führt mit Sicherheit zu ihrem Rückzug“, ist sich der Jäger sicher.

Quelle: op-online.de

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