Heidi Micka zieht erste Bilanz

„Ich bin optimistisch“

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Hoffen verstärkt auf die Unterstützung der Langstädter Bevölkerung, dass der kleine Lebensmittelmarkt im Ort überleben kann: Inhaberin Heidi Micka (links) mit ihrer Mitarbeiterin Birgitt Engelhardt.

Langstadt - Die Nahversorgung wird in den meisten Stadtteilen als mangelhaft angesehen. Andererseits werden bestehende Angebote nur unzureichend angenommen. Mit dem Langstädter Lädchen schuf Heidi Micka am 1. August 2015 ein neues Angebot.

Nach gut einem halben Jahr zieht sie eine erste Bilanz: „Es könnte besser sein“, sagt sie über den Zuspruch. Unser Mitarbeiter Michael Just hat sich mit ihr über die Entwicklung unterhalten.

Haben Sie einen festen Kundenstamm?

Den gibt es, nicht zuletzt durch den Inhaber zuvor. Diese Stammkunden kaufen auch weiterhin. Dagegen bleiben die Neugierigen aus, die nach der Neueröffnung kamen. Auf diese Laufkundschaft sind kleine Lebensmittelgeschäfte aber angewiesen.

Was lässt sich über die Kundschaft sagen?

Es ist in erster Linie die Generation 40 plus. Darunter natürlich die Senioren, die ihre Eigenständigkeit behalten wollen und wirklich auf ein solches Angebot angewiesen sind. Gerade sie verstehen nicht, dass die Unterstützung nicht breiter ist.

Was wird vor allem gekauft?

Es sind die normalen Sachen wie Zucker, Mehl und Nudeln, dazu laufen die Milchprodukte wie Käse und Joghurt. Aber auch die Süßigkeiten gehen gut: Die werden gar nicht mal so oft von Kindern als von älteren Damen gesucht. Ein glücklicher Umstand ist unsere Zusammenarbeit mit einer Metzgerei in Harpertshausen. Sie beliefert uns mit frischen, eingepackten Fleisch- und Wurstwaren, die gut nachgefragt sind.

Wie ist das Einkaufverhalten? Fahren auch Leute mit vollen Wägen raus?

Wir haben Kunden, die einen kompletten Einkauf hier machen, wie der Ortsvorsteher. Ein Teil kauft das ein, was man hier bekommt und holt den Rest woanders. Andere kaufen nur mal Zigaretten, was zu wenig ist. Kostet ein Päckchen 5,20 Euro, bleiben für uns gerademal 35 Cent. Dazu gibt es Langstädter, die gar nicht kommen. Sie führen zum Teil zeitliche Gründe an, alles lieber gleich in einem großen Markt zu kaufen.

Haben Sie bereits Änderungen am Sortiment vorgenommen? Oder dieses verkleinert?

Das würde ich nicht sagen. Das Sortiment ist ohnehin stetigen Änderungen unterworfen. Nicht nur bei den Plätzchen muss man den Geschmack ab und an mal ändern. Dazu gibt es Experimente, was geht und was nicht. Die Fertig-Klöße waren ein solches und haben sich nicht durchgesetzt. Dass ausgerechnet eine Kundin heute Morgen danach fragte, ist natürlich Pech für sie und mich.

Neben dem marktüblichen Sortiment hat Ihr kleines Geschäft noch reichlich mehr zu bieten.

Wir haben die Post/DHL, dazu ganz neu eine Reinigungsannahme. Auch eine Kaffee-Ecke gibt es. Dazu überlegen wir jetzt, Einkäufe für Kranke und Ältere nach Hause zu liefern.

Sie sagen, der Zuspruch dürfte besser sein. Mussten Sie schon Konsequenzen ziehen?

Vorher war der Montagnachmittag geschlossen, jetzt ist auf. Dazu verzichte ich auf die Putzfrau und übernehme das selbst. Ich hoffe nicht, dass ich von meinen drei 450-Euro-Kräften noch jemanden einsparen muss. Ich habe es den Kolleginnen aber schon gesagt, dass das passieren kann, wenn es nicht besser wird.

Gibt es weitere Möglichkeiten zum Gegensteuern?

Wir haben die Angebote verstärkt. Vor allem beim Obst und Gemüse ist das mit unserem speziellen Lieferanten in diesem Bereich möglich. Ansonsten ist das Jonglieren mit den Preisen schwierig. Vieles hängt vom Einkaufspreis ab, der in der Regel wenig Möglichkeiten gibt, am Endpreis zu rütteln. Liegt die Gewinnspanne unter zehn Prozent, müsste ich bei einigen Produkten die Preise zur Unkostendeckung eher anheben statt senken.

Steht die Gefahr im Raum, dass es das Langstädter Lädchen bald nicht mehr gibt?

Nein, das wird hoffentlich nicht der Fall sein. Noch bleiben ein paar Maßnahmen, um dies erstmal abzuwenden. Dazu entstehen in Langstadt gerade neue Häuser, die Mut machen.

Sie waren bei ihrem Vorgänger selbst angestellt und haben dann die Selbständigkeit gewagt. Hätten Sie sich die Aufgabe leichter vorgestellt?

Den Aufwand habe ich zuvor in dieser Form nicht realisiert. Der kaufmännische Bereich ist enorm, auch was das Finanzielle angeht. So gebe ich jede Woche eine Großbestellung auf. Der dafür vierstellige Betrag muss sofort beglichen werden. Die Herausforderungen sind nicht leicht, aber ich hänge an dem Laden. Ich bin hartnäckig und optimistisch, dass es weiter geht. Das reicht aber nicht: Es braucht auch die Unterstützung der Langstädter.

Quelle: op-online.de

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