Sparzwang lässt frösteln

Heizung im Babenhäuser Schwimmbad abgeschaltet

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Babenhausen - Selten war die finanzielle Lage der Stadt so prekär wie im Moment. Seit wenigen Tagen wird der radikale Sparzwang um jeden Euro auch im Schwimmbad mit der abgeschalteten Heizung deutlich.

In der Folge liegen die Wassertemperaturen zwei bis drei Grad unter dem sonst üblichen Wert von 23 bis 24 Grad. Unser Mitarbeiter Michael Just hat einmal im Bad nachgefragt, wie stark derzeit gefröstelt wird und ob das Schwimmen überhaupt noch Laune macht.

Jürgen Kunz (48), Angestellter: „Der Sprung ins Wasser ist am Anfang immer frisch. Wenn man das mit der Heizung nicht weiß, würde man den Unterschied vielleicht gar nicht merken. Als Schwimmer macht mir das nicht so viel aus. Man gewöhnt sich dran. Nach einem langen Tag auf der Arbeit ist es fast besser, wenn das Wasser kühler ist. Ich würde mir eine neue Dauerkarte auch ohne Heizung holen. Dass andere Leute es wärmer wünschen, ist aber verständlich. Beim Schwimmbad rächt sich jetzt wohl, dass der Kindergarten zu teuer war.“

Werner Lietz (49), Kraftfahrer: „Im Prinzip finde ich das Ausschalten der Heizung eine Frechheit. Inklusive dem Neffen besitzt unsere Familie fünf Dauerkarten. Mit der Ausgabe der Karten geht die Stadt prinzipiell einen Vertrag ein, ordentliche Verhältnisse zu schaffen und zu gewährleisten. Mit dem Wegfall der Heizung tut sie das nicht. Das Bad ist für mich das letzte Schmuckstück von Babenhausen, mit dem ich schon als Kleinkind aufgewachsen bin. Nachdem hier vor kurzer Zeit vieles neu gebaut wurde, ist das, was gerade abläuft, eine Katastrophe.“

Sina Lichtenhahn (28), Pädagogin aus Jügesheim: „Wir kommen mit unserer Tagesgruppe von der Jugendhilfe regelmäßig hierher. Das mit der Heizung haben wir nicht gewusst. Am Eingang hat uns niemand darauf hingewiesen. Bisher haben die Kinder aber noch keine Andeutungen über das kältere Wasser gemacht. Die letzten Tage war ich nicht schwimmen. Auch ohne Kenntnis über die Heizung war es mir ohne Sonne und mit dem Wind einfach zu kalt. Die derzeitigen Wassertemperaturen von 21 bis 22 Grad finde ich aber noch vertretbar. Wenn die heißen Tage endlich kommen, ist das erfrischend.“

Wolfgang Euler (60), Lagerist: „Ich habe Verständnis, dass die Stadt sparen muss. Den Temperaturverlust merkt man natürlich schon. Für ältere Leute und Kinder, die zum Plantschen kommen, könnte das Wasser zu kühl sein. Wer sich darin bewegt und seine Bahnen schwimmt, für den ist die fehlende Heizung weniger relevant. Auch wenn das Wasser nicht gewärmt wird, hat das Bad für mich immer noch eine Menge zu bieten. Andere Städte haben gar kein Schwimmbad. Für diese Tatsache wird es viel zu wenig genutzt. Leider findet der Babenhäuser Homo Sapiens erst ab 27 Grad und weniger als drei Wolken am Himmel den Weg hierher.“

Ulrich Spatar (46), Abteilungsleiter Schwimmen TV Babenhausen: „Die Kinder in unseren Schwimmgruppen frieren und jammern schon. Die kleinen Körper haben ja meist wenig auf den Rippen. Einige dürften deswegen auch ganz zuhause bleiben, was unser Angebot und unsere Abteilung negativ beeinflusst. Grundsätzlich sind wir ja froh, dass es in Babenhausen ein Schwimmbad gibt. Aber die Entwicklung in den letzten Jahren ist nicht nachvollziehbar: Erst werden Millionen in das Bad zur Modernisierung reingesteckt und jetzt steht plötzlich im Raum, es vielleicht komplett zu schließen. Tritt das ein, wäre die langjährige Aufbauarbeit unserer Abteilung, zu der derzeit zwölf Trainer gehören, im Handumdrehen dahin.“

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Quelle: op-online.de

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