Ferienspielkinder helfen dem Nabu

Herbstputz im Stadtwald

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Jede Vogelart legt anders aussehende Eier: Die blauen Exemplare (Bild oben) gehören zum Trauerschnäpper. Das erfuhren die Ferienspielkinder der evangelischen Gemeinde von Hans-Heinrich Fendt beim Reinigen der Nabu-Nistkästen.

Babenhausen - Über 1 000 Nisthilfen hat der Nabu Babenhausen im Stadtwald angebracht. Immer im Herbst werden sie für den Vogelnachwuchs im kommenden Frühjahr gereinigt. Unterstützung dafür gab es diese Woche von den Ferienspielkindern der evangelischen Gemeinde. Von Michael Just 

In Schrittgeschwindigkeit fährt Hans-Heinrich Fendt mit seinem Fahrrad über die unebene Schneise abseits des Hauptweges. In seinem Anhänger hoppeln eine klappbare Stehleiter und ein Eimer, in dem sich ein Kratzer Marke Eigenbau sowie ein großer Pinsel befindet. Hinter dem 76-Jährigen laufen 30 Kinderbeine, dazu die von Pfarrerin Andrea Rudersdorf, zwei Betreuerinnen und Heidi Baker, Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Babenhausen. Die Gruppe will Fendt beim Reinigen unter die Arme greifen, dazu möglichst viel über Vögel und deren Brutverhalten lernen.

Im Wald hinter dem Baugebiet Ost, unweit der Bahnschienen in den Rodgau, stellt der Rentner seine Leiter an einen Baum und steigt rund drei Meter in die Höhe, um den ersten Nistkasten herunter zu holen. Als er ihn öffnet, bietet sich ein unverhoffter Anblick: „Hier haben gleich zwei Vogelarten Brutversuche unternommen. Zuerst wars ein Trauerschnäpper, dann wurde das Nest von einer Meise überbaut“, erklärt Fendt. Die unterschiedlichen Vogelarten liest er am verwendeten Baumaterial, darunter Moos, Blätter oder Haare, ab. „In beiden Fällen gab es keine Jungtiere“, ergänzt der Babenhäuser. Auch das lässt sich am Nest erkennen: Ist es noch weich und flauschig, bettelten darin keine Schnäbel um Nahrung. Zusammengepresst und mit einer Schicht aus Staubflocken vom Gefieder belegt, war das Brutgeschäft erfolgreich. Kot ist kein Indikator, denn der wird von den Eltern für eine reine Kinderstube nach draußen befördert. Als plötzlich noch fünf Eier bläulicher Färbung hervorkullern, kann Fendt diese aufgrund von Größe und Farbe sofort dem Trauerschnäpper zuordnen. „Werden daraus jetzt noch Babyvögel?“, fragt eines der Kinder aufgeregt. Die Antwort muss Heidi Baker verneinen. Für das nicht abgeschlossene Brutgeschäft kommen mehrere Gründe, wie etwa eine Vertreibung der Elterntiere, in Frage. Auch könne es sein, dass diese den Speiseplan eines Raubvogels oder eines anderen Tieres bereichert haben.

Nach dem Öffnen der Kästen werden das alte Nest entsorgt und die Innenwände gründlich von allen Partikeln befreit. Geschieht das nicht, machen sich Milben, Flöhe und Ungeziefer im Flechtwerk breit, die die Vögel von einer erneuten Belegung fernhalten könnten. Bruthilfen im eigenen Garten sollten deshalb sogar mit heißem Wasser ausgespült werden. Das geht im Wald nur schwer, weshalb sich Fendt auf die einfache Reinigungsvariante konzentriert. Trotzdem nimmt er Exemplare mit nach Hause, etwa wenn diese repariert werden müssen. Für Beschädigung sorgt mancher „Spezialist“ im Vogelreich selbst: So vergrößert der Specht die Einschlupflöcher und hackt diese nach seinen Wünschen zurecht. Der harte Schnabel sprengt selbst die steinerne Tonmasse auf. Der Specht-Kopf ist so geformt, dass er die Belastungen ohne Schäden und Kopfschmerzen übersteht. Als Gegenteil tritt der Kleiber auf: Er macht die Eingänge nicht größer, sondern verkleinert sie mittels einer Klebmasse.

Nicht alle Vögel nutzen Bruthilfen: Buch- und Grünfink oder die Nachtigall interessieren die menschengemachten Kisten nicht. In einem kleinen, schwarzen Büchlein hält Fendt seine Beobachtungen fest. Da alle Kästen nummeriert sind, lassen sich Belegung, Bruterfolg und Standort vergleichen. Fast den gesamten Herbst ist der 76-Jährige unterwegs. Das bedeutet immer wieder weite Wege, denn ein Teil der Häuschen befindet sich an den Gemarkungsgrenzen, wie etwa zu Schaafheim oder Zellhausen. „Ab September bis in den Winter ist diese Arbeit möglich. Im August sollte man damit noch nicht anfangen, da einige Vögel zweimal brüten“, weiß Fendt. Fast 300 Stunden wendet er alljährlich dafür auf. Früher leistete er diesen Beitrag zusätzlich zu seinem Beruf. Jetzt bleibt mehr Zeit, vor allem tagsüber, wenn im Herbst die Tage kürzer werden. Mittlerweile ist der Vogel- und Naturfreund das einzige verbliebene Nabu-Mitglied in der Kernstadt, das sich dem Säubern annimmt. „Da wir kaum noch Helfer haben, sind viele Nester bis zu fünf Jahre nicht mehr gereinigt worden“, so Baker. Das sei umso bedauerlicher, da viele Vogelarten rückläufig sind.

Pflanzen und Tiere: Aus dem Wald in die eigene Küche

Mit dem Vormittag im Wald konnten die beiden Nabu-Mitglieder die Kinder für die Belange der Natur sensibilisieren. Dieses Ziel verfolgte die evangelischen Gemeinde mit der gesamten Ferienspielwoche, die unter dem Motto „Ich sehe was, was du nicht siehst – Gottes wunderbare Schöpfung“ stand. Zu Beginn schaute man am Montag dem Babenhäuser Wilhelm Spiehl auf die Finger, der Vogelhäuschen und Insektenhotels baut. Hier wartete reichlich Anschauungsunterricht. Am Dienstag schnitten die 15 Kinder Schilf am Ohlebach, um damit selbst Unterschlupfmöglichkeiten herzustellen. Das geschah für Ohrenkäfer, Bienen und Igel. Am morgigen Sonntag gehen die Ferienspiele mit der Präsentation der Arbeiten in den Familiengottesdienst ein. Danach dürfen die Kinder ihre Werke mitnehmen und im neuen Jahr auf eine schnellstmögliche Belegung hoffen.

Quelle: op-online.de

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