IG Metall-Demo vor Continental

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Nach Gewerkschaftsangaben demonstrierten gestern 650 Mitarbeiter von Conti und Firmen in Babenhausen. Neben Transparenten trugen die Demonstranten auch Fackeln vor sich her.

Babenhausen - Mit zurzeit rund 2 600 Mitarbeitern ist der Babenhäuser Standort der Continental AG als Arbeitgeber nicht nur für die Stadt, sondern auch das Umland von herausragender Bedeutung. Von Jens Dörr 

Nach den 2013 abgeschlossenen Verhandlungen über einen Ergänzungs-Tarifvertrag, der bis Ende 2019 gültig ist und in dessen Zug ein Abbau von mehreren hundert Stellen besprochen wurde, wird sich diese Zahl zwar reduzieren. Die grundsätzliche Wichtigkeit des Unternehmens für Babenhausen wird aber nicht wesentlich geringer. Am gestrigen Donnerstag ging es derweil nicht um Arbeitsplätze, sondern um Gehälter, Bildungs- sowie Altersteilzeit: Auf diese drei Aspekte der derzeitigen Tarifverhandlungen zwischen den Arbeitgebern und der IG Metall machten gestern 650 Beschäftigte der Continental-Standorte Babenhausen und Alzenau, der Trading GmbH und auch einige Mitarbeiter des Opel-Prüffelds in Dudenhofen aufmerksam.

In Roland Weihert ergriff dabei auch der Betriebsrats-Vorsitzende des Continental-Standorts Babenhausen das Wort. Er ging näher auf die vom Bezirk Mitte der IG Metall - er ist zuständig für die organisierte Arbeitnehmerschaft der Metall- und Elektroindustrie in Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland - beschlossenen Hauptforderungen der derzeitigen Tarifrunde ein. Dazu zählte Weihert zunächst die geforderte Lohnerhöhung um 5,5 Prozent, was mehr als das Doppelte des ersten Arbeitgeber-Angebots (2,2 Prozent) ist. Dass die Belegschaft ihr Geld wahrlich wert sei und höhere Gehälter verdient hätten, skizzierte Weihert auch unter Verweis auf den Aktienkurs: „Als Continental im Jahre 2007 uns als Siemens VDO übernommen hatte, war der Aktienkurs der Conti bei gerade mal elf Euro - und am vergangenen Wochenende lag er bei 200,35 Euro.“ Daran hätten seine Kollegen und er mitgewirkt.

Bei der Altersteilzeit entpuppt sich momentan als Knackpunkt, wer sie überhaupt in Anspruch nehmen darf. Weihert erinnerte speziell mit Blick auf den Babenhäuser Standort darauf, dass man den älteren Kollegen den flexiblen Übergang in die Rente auch deshalb erleichtern wolle, um die bevorstehende Stellenreduzierung in der Produktion „leichter und vor allem ohne betriebsbedingte Kündigungen zu erreichen“. Dies sehen die Arbeitnehmer dadurch torpediert, dass die Arbeitgeber-Seite die Altersteilzeit auf „besonders belastete“ Mitarbeiter beschränken und damit einer geringer als erhofften Anzahl von Kollegen das Modell ermöglichen wolle.

Zudem mahnte er bessere Weiterbildungsmöglichkeiten gerade für die jüngeren Kollegen an. „Wir fordern eine Regelung, die es ermöglicht, in Zeitblöcken für Bildung freigestellt zu werden“, wo Weihert. Dafür sollten Zeiten angespart und das fehlende Entgelt durch Aufstockungsbeiträge des Arbeitgebers zum Teil ausgeglichen werden können. Wegen des kalten Wetters zogen die Demonstranten dem zum Schichtwechsel im Werk arrangierten Warnstreik schneller durch als geplant. Bereits gegen 14 Uhr und damit eine Stunde vor dem vorgesehenen Ende der Veranstaltung gab die Polizei die VDO-Straße wieder frei.

Quelle: op-online.de

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