Info-Abend der Stadt zum Thema Kinderbetreuung

Hohe Kosten und fehlende Plätze

Babenhausen - Rund 40 Besucher folgten einer Einladung der Stadt zum Info-Abend mit dem Thema Kinderbetreuung.

Während Bürgermeister Achim Knoke und Fachbereichsleiterin Regina Lange mit vielen Zahlen zu verdeutlichten suchten, wie viel sich die Stadt das Wohl von Kindern und Eltern kosten lässt, wussten letztere von hohen Kosten und fehlenden Plätzen zu berichten. Eigentlich steht die Stadt recht gut da: Der aktuelle Versorgungsgrad, erläuterte Fachbereichsleiterin Regina Lange beim Info-Abend, liegt im U-3-Bereich bei 55 Prozent. Das ist mehr als die kommunalpolitisch beschlossene Marke von 50 Prozent, scheint aber in Einzelfällen nicht auszureichen. Hier und da schilderten Eltern, dass der Wiedereinstieg ins Berufsleben ohne Platzzusage kaum planbar sei. In einem konkreten Fall soll diese Zusage immer noch fehlen, obwohl das Kind bereits in seiner dritten Lebenswoche angemeldet worden ist.

Andere Eltern wollen deshalb jetzt zeitnah nachziehen. So wie Nina Kehrer (34), Filialleiterin im Einzelhandel aus Hergershausen. Sie sagte am Rande der Veranstaltung mit Tochter Meike auf dem Arm: „Nein, ich habe noch keinen Platz angemeldet. Ich bin jetzt aber sehr erstaunt, dass manche Eltern ihr Kind bereits im Alter von drei Wochen angemeldet haben und nach etlichen Monaten noch keine Zusage haben. Meine Tochter ist schon acht Wochen alt – ich glaube, ich muss tätig werden. Allerdings ist die Zahl der U-3-Plätze in der Kita Hergershausen nicht groß.“

Etwas Linderung verspricht ein Modellprojekt in Langstadt: das Pflegenest, ein Zusammenschluss von drei Tagesmüttern mit insgesamt 15 Betreuungsplätzen, für die die Kosten durch die Stadt per Zuschuss auf den „städtischen“ Tarif heruntersubventioniert werden. Das sei politisch umstritten, ließ Bürgermeister Knoke wissen. Ohne diese Subvention seien die Kosten bei anderen Tagesmüttern so hoch, dass sich ein Halbtags-Wiedereinstieg ins Berufsleben nicht rechne, warf eine Mutter ein.

Auch bei Nachbarn haben sich die Zahlen im U-3-Bereich etwa bei der 50-Prozent-Marke eingependelt. Was die Elternbeiträge angeht, gibt es sehr unterschiedliche Modelle. Was geschieht, wenn man sich dem alten Drittel-Modell nähert (ein Drittel Gemeinde, ein Drittel kirchlicher Träger, ein Drittel Eltern), konnte jetzt in Otzberg beobachtet werden, wo für die neue Krippe ein Elternbeitrag von 30 Prozent der Betriebskosten erhoben wird und daher zu Beginn fast keine Anmeldungen vorlagen. Auch Knoke thematisierte das Drittel-Modell – aus welchen Gründen auch immer, denn vorerst gibt es keine Landesverordnung, die auf eine Wiedereinführung zielt.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Im Ü-3-Bereich liegt der Versorgungsgrad bei 84,5 Prozent. In absoluten Zahlen: Für 538 anspruchsberechtigte Kinder gibt es 455 Plätze. Das Angebot wird aber erweitert: Im evangelischen Kindergarten kommen nach dem Umzug ins Sophie-Kehl-Heim 50 Plätze in zwei Gruppen hinzu. Aber auch damit wird das kommunalpolitisch definierte Ziel von 100 Prozent nicht erreicht. Es kommt offensichtlich zu Engpässen. So wusste ein Vater von seinem Sohn zu berichten, der jetzt dem U-3-Bereich entwachsen ist, für den aber seit Monaten kein Platz im Ü-3-Bereich zur Verfügung steht – zumindest nicht in der „heimischen“ Kita, und einen Wechsel in die Fremde will der Vater seinem Sprössling nicht zumuten. Allgemein wird der Bedarf durch die Flüchtlinge noch steigen. Die künftigen Bewohner der Erstaufnahme-Einrichtung in der Kaserne bleiben aber außen vor und neue Asylbewerber sollen der Stadt auch keine weiteren mehr zugewiesen werden.

Ohnehin hat die Stadt mit hohen finanziellen Belastungen zu kämpfen. Der Betrieb der Kinderbetreuungs-Einrichtungen mit Unterhalt und Abschreibung der Gebäude sowie dem größten Posten Personalkosten kommt derzeit auf 5,6 Millionen Euro pro Jahr, woraus sich nach Abzug von Landeszuschüssen und Elternbeiträgen ein Fehlbetrag von 3,4 Millionen Euro ergibt – deutlich mehr als das Defizit von 1,6 Millionen Euro im aktuellen Haushalt. Die Elternbeiträge decken derzeit nicht mehr als 12,8 Prozent der Betriebskosten. Die mehrfach geäußerte Befürchtung, dass weitere Erhöhungen folgen werden, konnte der Bürgermeister nicht so recht dementieren, verwies dabei auch auf die Zwänge der Haushalts-Konsolidierung. Bereits jetzt gab es für einige Väter und Mütter aber Anlass zur Klage über die hohen Beiträge, die sich in einem Fall für zwei Kinder sogar auf fast 1 000 Euro im Monat summieren sollen. Angestellte der Sozialverwaltung versicherten aber, man arbeite an diesem Fall.

Quelle: op-online.de

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