Info-Tafel für die keltischen Hügelgräber am „Rennweg“

Ein Fenster in die späte Bronzezeit

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Die Infotafel aus Glas, die den Querschnitt eines Hügelgrabes mit den damaligen Beigaben zeigt, wurde von dem Babenhäuser Reinhard Munzel, hier mit seiner Frau Katja Boost, und seiner Firma Archimedix konzipiert. Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins stellten die Tafel im Harreshäuser Wald vor.

Babenhausen - Der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) hat eine neue Info-Tafel für die Hügelgräber im Harreshäuser Wald eingeweiht. Sie lässt einen Blick auf deren Inneres erahnen. Von Michael Just 

Mit der Tafel ist das Projekt des Territorialmuseums zur Vor- und Frühgeschichte, sowohl in- und außerhalb der Amtsgasse 32, vorläufig abgeschlossen. Rund zehn Grabhügel aus der Keltenzeit liegen hinter Harreshausen im Wald. Allerdings sind sie für Unwissende kaum auszumachen, da sie sich kaum vom Waldboden abheben. Zudem wachsen Bäume und Büsche darauf. Wer die genaue Lage nicht kennt, dürfte die historischen Orte der Kelten kaum finden. Das hat sich bei einem Grab nahe der schönen Eiche nun geändert: Direkt vor der leichten, 15 Meter breiten Erhebung, brachte der HGV eine Infotafel an. Ein weiteres Hinweisschild, das die rund 30 bis 40 Meter in den Wald weist, soll noch folgen.

Die Infotafel aus Glas, die den Querschnitt eines Hügelgrabes mit den damaligen Beigaben zeigt, wurde von dem Babenhäuser Reinhard Munzel und seiner Firma Archimedix konzipiert. Das sogenannte „Fenster in die Vergangenheit“ kommt recht ungewöhnlich daher: Eine von dem Aufbau weglaufende Stange besitzt am Ende ein Guckloch. Schaut man durch den Metallring, bettet sich das Bild auf der Tafel in die Landschaft exakt an der Stelle des Grabes ein. „Damit ergänzt die virtuelle Rekonstruktion die Realität um eine zusätzliche Komponente“, erklärt Munzel. Für die Anschaffungskosten kamen die Babenhäuser Schlosserei Hofmann sowie die Museumsstraße Odenwald-Bergstraße auf.

Die Hügelgräber von Harreshausen wurden in der späten Bronzezeit, etwa 1200 bis 800 vor Christus, errichtet. Sie liegen am „Rennweg“ und damit an einer antiken Verbindungsstraße. Zu der gehört auch ein Dünenzug, der oberhalb der Gesprenz verlief. „Diese Gegebenheit war für Bestattungen ideal, da sie Trockenheit garantierte“, weiß HGV-Vorsitzender Georg Wittenberger. In den 1960er Jahren führte der Harreshäuser Lehrer Helmut Mahr mit offizieller Erlaubnis Ausgrabungen durch. Die gefundene Keramik sowie die Glasperlen wanderten in Museen nach Darmstadt und Frankfurt. Mit der Eröffnung des Territorialmuseums kehrte ein Teil vor wenigen Jahren wieder als Leihgaben zurück.

Zur Vorstellung der Tafel war auch Hessen Forst als Flächeneigentümer der Gräber vertreten. Mit Günther Heid, sagte sich sogar der ehemalige Revierleiter an. Der Harreshäuser, heute im Ruhestand, hat die die Entwicklungen an den ehemaligen Bestattungsplätzen stets genau verfolgt. Wie er weiß, wurde nach Helmut Mahr nicht mehr von offizieller Seite gegraben. Stattdessen habe es aber illegale Aktivitäten privater Schatzsucher gegeben. „Man sieht das an den Dellen auf den Hügeln. Die Löcher beweisen, das gebuddelt wurde“, sagt Heid.

Mit Zapfhahn oder Raumschiff - Gräber erzählen vom Leben

Er hält die Chance für gering, heute noch Grabbeigaben zu finden. So hätte es schon direkt nach den Grablegungen vor 3 000 Jahren Räuber gegeben. „Metall war selten. Und das Schwert des Opas damit wertvoll“, weiß Heid. Dass die Hügel nicht besser gepflegt werden, sieht Kurt Schäfer, ehemaliger Forstamtsleiter und ebenfalls im Ruhestand, der Natur geschuldet: „Aufgrund des schnellen Pflanzenwachstums ist das nicht möglich. Aber man achtet darauf, dass die Struktur der Hügel zu erkennen ist.“

Für Dieter Aumann vom HGV stellen die Gräber ein Alleinstellungsmerkmal Babenhausens dar. Gerade dies sei bei der Konzeption des Territorialmuseums wichtig gewesen, weshalb die Vor- und Frühgeschichte der Stadt ein eigenes Stockwerk in der Amtsgasse erhielt. Für HVG-Vorsitzenden Georg Wittenberger sind die Hügelgräber ebenfalls wertvolle Zeugnisse. Deren Bedeutung steige schon dadurch, dass Babenhausen, nicht wie Dieburg oder Seligenstadt, eine römische Vergangenheit besitzt. So schufen die Hügelgräber die Verbindung der Stadt in die vorchristliche Zeit.

Quelle: op-online.de

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