Wertvolle Sammlerobjekte

Schau mit 250 Cellba-Puppen im Territorialmuseum eröffnet

Babenhausen - Es sind viele und sie haben eigentlich keine Namen: Rund 250 Puppen und Püppchen aus dem Hause Cellba sind noch bis zum 29. Januar in einer Sonderausstellung des Territorialmuseums zu sehen.

Landrat Klaus Peter Schellhaas eröffnete sie zusammen mit der „Woche der Kunststoffstraße“. Kunststoff ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von Materialien, und man darf annehmen, dass ihre Verarbeitung in Babenhausen längst noch nicht Geschichte ist, denn auch bei der Conti – früher als VDO geführt – stehen einige Spritzgussmaschinen. So wie bis 1981 bei Schöberl und Becker, einem 1925 gegründeten Unternehmen, das seinen späteren Markennamen aus CELLstoff und BAbenhausen zusammensetzte. Mit „Cellstoff“ ist Zelluloid gemeint, der als Trägerkunststoff auch dem Film diente. Aus dieser Sparte ist ein wesentlicher Nachteil des Materials bekannt: Zelluloid ist leicht entflammbar.

Auch Männer interessieren sich für Puppen - zumindest, wenn sie zu industriehistorischen und sozialgeschichtlichen Objekten geworden sind.

Das galt auch für die Puppen aus Babenhausen – bis in die fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, in denen eine nicht brennbare Var-ante auf den Markt kam. Cellba war bereits vor dem Krieg ein wesentlicher Konkurrent des großen deutschen Puppenherstellers Schildkröt, und Industriehistoriker formulieren salopp, dass beide Unternehmen ihre Puppenmodelle voneinander abgekupfert haben. Namen hatten sie bei der Cellba nicht, aber Typenbezeichnungen hat man ihnen gegeben. Der Klassiker ist der Typ „Inge“, in der aktuellen Ausstellung in vielen unterschiedlichen Größen und Varianten zu sehen. Es gibt auch einen Typ „Hans“ und ein Mädchen auf der Affenschaukel.

Rund 250 Exponate sind in der Ausstellung versammelt, die damit in etwa den Bestand des Babenhäuser Heimat- und Geschichtsvereins wiedergibt. Dessen Vorsitzender Georg Wittenberger und vor allem Ine Reichart habe sich der Babenhäuser Puppengeschichte angenommen, Reichart ist über die Jahre zu einer echten Cellba-Expertin geworden und hat einen Katalog der Cellba-Kreationen verfasst, während Wittenberger die Geschichte der Unternehmer-Familie Schöberl aufgeschrieben hat.

Die Cellba-Kultur streute weit in die Stadt hinein, da im Werk zwar die Gussteile angefertigt wurden, aber schon deren Entgraten in Heimarbeit vergeben wurde. So wanderten durch etliche Haushalte die Werkstücke mit der Nixe auf dem Rücken, dem Markenzeichen der Cellba. Die beiden Bücher des Heimat- und Geschichtsvereins zum Thema tragen denn auch den Generaltitel „Im Zeichen der Nixe“, und zu den Publikationen gehört „Die Wundergabe der Nixe“, der Nachdruck einer Cellba-Werbepublikation.

In den 1950er Jahren wurde die Produktion wieder aufgenommen, und langsam entwickelten sich die Puppen zu Sammlerobjekten. Die Sammlung des Vereins dürfte mithin neben dem historischen auch einen beträchtlichen materiellen Wert darstellen. In solcher Vollständigkeit ist sie aber nicht immer zu sehen. Nur einige wenige Exemplare gehören zur Dauerausstellung des Museums. Die Fülle war bisher in einer Sonderausstellung in der Stadtmühle und später im Dieburger Museum Schloss Fechenbach zu sehen. Für das letztere Gastspiel sind die großen Informationstafeln angefertigt worden, die jetzt auch die Sonderausstellung in Babenhausen bereichern.

Die Cellba-Produktion lief in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre aus – aber nicht das Puppengeschäft: Der amerikanische Spielzeughersteller Mattel übernahm die Firma und siedelte in Babenhausen seine erste Deutschland-Niederlassung an. (sr)

„Brennbar oder feuerfest - Trends bei den Cellba-Puppen in den fünfziger Jahren“ ist bis 29. Januar während der Öffnungszeiten des Territorialmuseums (Amtsgasse 32, Mittwoch 14 bis 16 Uhr, Donnerstag 14 bis 17 Uhr, Samstag 15 bis 17 Uhr und Sonntag 14 bis 17 Uhr) zu sehen.

Quelle: op-online.de

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