Internationales Kinderfest

Werbung für eine buntere Welt

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Der Langstädter Kinderchor warb mit seinen Beiträgen beim internationalen Kinderfest für eine bunte Welt.

Babenhausen - Mit dem internationalen Kinderfest, dessen Wurzeln 1979 in der Türkei liegen, feierte Babenhausen am Wochenende die Kleinsten dieser Welt und den Austausch der Kulturen. Von Michael Just 

Der Weg zum internationalen Kinderfest in der Stadthalle führt im Foyer an Karen Burkholder vorbei. Die Mitarbeiterin der Kinder- und Jugendförderung erhebt dort überraschend Eintritt. Der ist aber nicht finanzieller Art: Es ist ein Fingerabdruck, der nach dem Eintauchen in roter, blauer, gelber oder grüner Farbe auf ein Plakat mit der Überschrift „Willkommen in Babenhausen“ gesetzt wird. Schon nach kurzer Zeit entsteht damit ein buntes Bekenntnis individueller Prägung. „Das ist unser ganz spezieller Gruß an Flüchtlingskinder. Jeder ist in der Stadt willkommen“, erzählt Burkholder. Dafür sprechen auch die acht Fahnen am Plakatrand: Unter anderem mit Syrien, Irak, Afghanistan oder Somalia sind es jene Länder, aus denen derzeit die meisten Flüchtlinge nach Babenhausen kommen.

Die Resonanz konnte sich sehen lassen: Für 500 Personen wurde bestuhlt, 400 kamen. Im Mittelpunkt stand ein Bühnenprogramm mit Tanz, Akrobatik, Gesang und weiteren Vorführungen. Vorrangig Eltern aus dem Erloch hatten sich monatelang in der Vorbereitung engagiert und den Ausrichter, die Kinder- und Jugendförderung, unterstützt. Da vor allem türkische Eltern involviert waren, wurde auf deutsch und türkisch moderiert. Das übernahmen Aysenur Dogan (12) und Göktan Arikan (14). Mit schwarzem Anzug und roter Fliege sowie rotem Kleid präsentierten sich beide in Gala-Manier. Unter der Bühne zog sich auf einem Zehn-Meter-Banner die Aussage des Gründers der modernen Türkei Mustafa Kemal Atatürk: „Frieden im Land – Frieden auf der ganzen Welt.“

Wie Bügermeister Achim Knoke sagte, seien Angst und Unwissenheit gegenüber Fremden keine gute Lebenshilfe. „Offenheit und Mut sind besser“, so Knoke. Die Losung „Wir sind Kinder einer Welt“ durchzog alle Vorführungen auf der Bühne. Wie der Langstädter Kinderchor in einem seiner Lieder verdeutlichte, spielt es dabei keine Rolle, ob man arm oder reich, dick oder dünn, weiß oder schwarz, Christ oder Buddhist ist. Monika Varga, die sich beim Spielplatz-Projekt im Erloch engagiert, zeigte mit ihr Gruppe ein Schauspiel mit der Aussage, Menschen niemals auf ihre Herkunft zu reduzieren. Kinder in blauen und roten Hemden, die durch diesen symbolischen Farbunterschied zuerst nicht miteinander spielen können, finden durch das Entkräften von Vorurteilen zusammen. Putzig kamen die Kinder beim Marienkäfer- und Schlümpfe-Tanz daher. Auch hier vertraten die kleinen Akteure eine Aussage: „Liebe öffnet jede Tür und Liebe bringt Frieden.“ Gleich zu Beginn war sogar Gänsehaut angesagt, als beim „Einzug der Nationen“ viele Länderfahnen hereingetragen wurden und dazu Michael Jacksons „We are the World“ erklang.

Ahmet Ögretmen von der Jugendförderng lobte, dass der Nachwuchs ganz alleine das Bühnengeschehen bestimmt. „Die Erwachsenen machen nichts, alles liegt in den Händen der Kinder“, hob er heraus. Dies fiel auch dem türkischen Konsul Yücel Kurtulus aus Frankfurt auf, der dem zweiten Teil des Nachmittags beiwohnte. Für Stadtjugendpfleger Michael Spiehl ging die Idee des Festes auf: „Das gut ausgearbeitete Programm fand großen Anklang. Damit ist eingetreten, was wir uns erhofft hatten.“ Spiehl kann sich vorstellen, dass die Veranstaltung, die in diesem Jahr das Erlochfest ersetzt, regelmäßig stattfindet.

Quelle: op-online.de

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