Interview mit Friedel Sahm

„Ich habe langfristige Pläne“

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Friedel Sahm (72) liebt neben der Kommunalpolitik die Natur: Seinen Vorgarten pflegt er gut.

Sickenhofen - Nächstes Jahr stehen Kommunalwahlen an. Die Zusammensetzung des Stadtparlaments ist unter anderem für die Stadtteile von Bedeutung. Für sie gilt es, darin ihre Interessen zu vertreten und ausreichend Gehör zu finden.

In einer Sommerserie unterhalten wir uns mit den einzelnen Ortsvorstehern, wie es um ihren Stadtteil bestellt ist. Dabei kommt auch Persönliches nicht zu kurz. Mit Friedel Sahm, Ortsvorsteher in Sickenhofen, hat OP-Redakteurin Corinna Hiss gesprochen.

Herr Sahm, mit ihren 72 Jahren sind Sie noch ein „junger“ Ortsvorsteher, besonders im Vergleich zu Ihrem Harpertshäuser Kollegen.

Das stimmt, ich wurde im April 2011 gewählt, bin also erst seit einer Legislaturperiode dabei. Fraktionsvorsitzender der CDU und Stadtverordneter bin ich aber schon länger. Nach meiner Pensionierung 2006 wollte ich mich politisch engagieren, denn als ehemaliger Personalleiter kann ich mein Wissen gut an die Kommune und die Bürger weitergeben.

Läuft die Zusammenarbeit jetzt anders, seitdem nicht mehr Gabi Coutandin, sondern Achim Knoke Bürgermeister ist?

Nein, eigentlich nicht. Knoke kannte ich auch bereits aus seiner Zeit als Fraktionsvorsitzender bei der SPD. Doch ich kann nur so viel sagen: Die Zusammenarbeit muss einfach gut sein und funktionieren. Andererseits sind die Bürgermeister natürlich auch parteipolitisch gebunden. Es ist nicht immer einfach, die eigenen Interessen des Ortes mit den Interessen der Stadt oder dem Haushalt in Einklang zu bringen. Da gibt es einige Fälle, wo die Stadt sagt, dass dafür momentan kein Geld da ist.

Welche zum Beispiel?

Ich setze mich schon länger dafür ein, dass der Fußgängerweg von Sickenhofen nach Babenhausen entlang der Bahnlinie beleuchtet wird, so wie die Strecke von Hergershausen nach Sickenhofen. Doch dafür hat’s bis jetzt noch nie Geld gegeben. Das ist schlichtweg enttäuschend. Ich denke, es wäre wichtig für die Sicherheit der Kinder, die in die Schule nach Babenhausen müssen, und für Berufstätige, die abends und morgens früh diesen Weg gehen. Sie würden sich einfach sicherer fühlen.

Aber Sie haben auch einige Erfolge zu vermerken.

Das stimmt. Eine Sache, die ich 2011 initiiert habe und die sehr gut ankommt, sind die regelmäßigen Ortsbegehungen. Die sind sehr fruchtbar: Wir haben insgesamt 120 Vorschläge von den Anwohnern bekommen, die wir alle bearbeitet und die zu einer Verbesserung der Lebensqualität in Sickenhofen geführt haben. Es wurden Parkplätze geschaffen, Kinderspielplätze verbessert, bepflanzte Bögen über den Richer Bach gespannt und ansprechende Ortsschilder am Ein- und Ausgang angebracht, die jeder sehen kann, wenn er durchfährt. Zwar kann nicht jeder Punkt perfekt gelöst werden, aber viele kleine Punkte bringen auch eine gewisse Zufriedenheit.

Sie sind in Hergershausen aufgewachsen. Da ist es doch sicher schön zu sehen, dass die Sickenhöfer Ihnen vertrauen?

In der Tat. Und weil ich dort gewohnt war, einen Bahnhof vor der Tür zu haben, war das hier schon eine Umstellung. Aber das ändert sich vielleicht schon bald. Die Dadina hat unseren Antrag in ihre Pläne aufgenommen und beschlossen, dass eine Haltestation kommt – zwar nicht gleich, aber vielleicht in fünf, zehn oder 15 Jahren. Als Ortsvorsteher habe ich langfristige Ziele vor Augen.

Was planen Sie langfristig noch?

Ich möchte, dass die Ortsdurchfahrt komplett erneuert wird und dass die Bürgersteige wegkommen, denn die sind teilweise nur wenige Zentimeter breit. So ist das bereits in Altheim geschehen. Eine ältere Frau mit ihrem Rollator weiß sich schlichtweg nicht zu helfen. Und wenn dann noch Lkw oder Busse kommen, ist es besonders schwierig. Das hat der Ortsbeirat beschlossen und beantragt, aber wir müssen warten, bis Geld da ist. Nicht nur in der Kommune, auch im Landkreis sind die Finanzen knapp.

Ist das nicht frustrierend, dass so vieles immer wieder am Geld scheitert?

Wen das stört, der ist für diesen Job nicht gemacht. Das ist klar frustrierend, aber die Kommune ist groß und dafür gibt es nun mal die Stadtverordneten, die abwägen, wo das Geld zuerst hinfließt. Im Moment wird auch überlegt, wo in Babenhausen die nächsten Straßen saniert werden, und da werde ich rechtzeitig den Finger heben.

Was ist in der näheren Zukunft geplant?

In der vergangenen IKEK-Sitzung wurde zugestimmt, dass wir Gedenktafeln zum jüdischen Leben in Sickenhofen an der Brücke über den Bach anbringen. Hier haben viele Juden gewohnt, manche Ortsansässigen gingen noch mit ihnen zur Schule und können sich gut an das Leben damals erinnern. Die Brücke ist ein schöner Platz dafür, weil es dann jeder sieht, der durch den Ort fährt. Das Projekt kann hoffentlich Ende dieses, Anfang nächsten Jahres umgesetzt werden.

Was würde das die Kommune kosten?

Hoffentlich nichts. IKEK gibt 65 Prozent von den zirka 15.000 Euro, den Rest versuchen wir, über Spenden aufzutreiben.

Eine Herzensangelegenheit von Ihnen ist auch die Kerb, die jetzt am Wochenende steigt.

Ja, und da bin ich besonders froh, dass ich Schlimmeres verhindern konnte. Wenn so was einmal ausfällt, ist es ganz schwer, sie wieder auf die Beine zu stellen. Dann fehlt etwas in diesem Ort. Als die Kerb nur vom SV ausgerichtet wurde, kamen oft nur deren Mitglieder und Freunde. Jetzt erhoffe ich mir, wenn mehr Vereine mitmachen, dass alle Bewohner die Kerb besuchen.

Wieso ist Ihrer Meinung nach Sickenhofen lebenswert?

Es ist einfach ein sehr schöner Wohnort, auch ohne Bahnhaltestelle. Wir haben so gut wie keine Industrie, keine Umweltbelästigung oder Lärm durch Firmen. Wir sind multikulturell. Und wir haben natürlich unseren geliebten Spargel, weshalb wir auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sind. Außerdem gibt es viele junge Familien. Wir haben 270 Jugendliche im Ort, genauso viele, wie in der Kernstadt leben.

Im März stehen wieder Wahlen an. Wollen Sie eine weitere Amtsperiode als Ortsvorsteher agieren?

Das lasse ich jetzt noch offen. Spätestens im Oktober muss ich mich entscheiden, davor wird es mit meiner Fraktion besprochen. Aber ich kann es mir gut vorstellen. Ich möchte aber betonen, dass nicht alle Errungenschaften allein mein Verdienst sind. Wir sind zu neunt im Ortsbeirat und die Zusammenarbeit funktioniert gut. Ich als Ortsvorsteher kann nur vorneweg gehen, habe aber meine Mitstreiter im Rücken.

Quelle: op-online.de

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