Horst Grimm (CDU) im Interview

„Wir brauchen eine größere Kita“

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Horst Grimm bei seiner Lieblingsbeschäftigung: Den Blumen im Garten schenkt der Landwirt viel Aufmerksamkeit.

Hergershausen - Nächstes Jahr stehen Kommunalwahlen an. Die Zusammensetzung des Stadtparlaments ist unter anderem für die Stadtteile von Bedeutung. Für sie gilt es, darin ihre Interessen zu vertreten und ausreichend Gehör zu finden.

In einer Sommerserie unterhalten wir uns mit den einzelnen Ortsvorstehern, wie es um ihren Stadtteil bestellt ist. Dabei kommt auch Persönliches nicht zu kurz. Mit Horst Grimm, Ortsvorsteher in Hergershausen, hat OP-Redakteurin Corinna Hiss gesprochen.

Nach der Kommunalwahl im März 2016 würden Sie ihre dritte Amtsperiode als Ortsvorsteher antreten. Warum gefällt Ihnen diese Aufgabe?

Das stimmt und ich habe mich bereits mit den Kollegen von der CDU-Fraktion deswegen beraten. Wir haben beschlossen, dass ich noch einmal antrete. Danach ist aber Schluss.

Wieso, macht Ihnen die Arbeit keinen Spaß mehr?

Doch, auf jeden Fall. Ich bin in Hergershausen geboren, lebe und arbeite hier und bin den ganzen Tag vor Ort. Ich sehe oft, was getan werden muss und wenn ich da einmal drin steckte, kann man nicht mehr ohne. Aber nach der nächsten Periode gehe ich auf die 70 zu und dann sollte man mal die jungen Leute ans Ruder lassen.

Sind Sie denn mit dem zufrieden, was Sie bis jetzt erreicht haben?

Eigentlich schon. Ich hatte Glück, in einer Zeit Ortsvorsteher zu sein, in der viele Projekte umgesetzt wurden. Es gab die Dorferneuerung mit der Gründung von Herigar und dem Dorfgemeinschaftshaus „Alte Schule“. Dann haben wir das 14 Hektar große Neubaugebiet „In der alten Mühle“ bekommen. Im Zuge des Neubaugebiets sind wir auch zu der neuen Schule gekommen. Das hat terminlich alles zusammengepasst, auch dass die Stadt ein Grundstück zur Verfügung stellen konnte. All das war recht erfolgreich für unseren Ort.

Aber es gibt nach wie vor keinen Supermarkt, obwohl Sie das gerne hätten...

Ja, das ist ein Thema, das ich noch gerne erledigen würde, aber da sehe ich bis jetzt wenig Chancen. Wir haben im Gegensatz zu Langstadt oder Sickenhofen keine Räumlichkeiten anzubieten, wo eine Privatperson einen kleinen Laden aufmachen könnte. Verschiedene große Märkte, die wir angesprochen haben, winken alle ab. Da ist Hergershausen im Verhältnis zu klein oder Babenhausen zu nahe. Wir hatten schon mal Gespräche mit dem Netto-Markt. Da hatten wir bereits einen Bebauungsplan für ein zirka 5 000 Quadratmeter großes Areal nahe des Sportplatzes aufgestellt, aber sie haben dann doch zurückgerudert. Die Ketten rechnen meist mit einer Marge von zirka 4000 Einwohnern und wir haben nun mal nur 2 300.

Also scheitert es hauptsächlich am Interesse der Supermarkt-Ketten?

Ja ausschließlich. Der Raum wäre da, ein Investor, der bauen würde, auch, das ist nicht das Problem. Aber wir brauchen jemanden, der dann auch reingeht.

Wo gehen die Hergershäuser dann zum Einkaufen?

In der Regel nach Babenhhausen, aber auch Eppertshausen ist nicht weit. Andere kaufen auf dem Heimweg von der Arbeit unterwegs ein. Aber für die älteren Leute wäre ein Supermarkt hier das A und O. Auch junge Leute aus dem Neubaugebiet wünschen sich das. Wir haben zwar einen Metzger und einen Bäcker im Ort, dieses Angebot wird schon gerne genutzt. Aber da ist auch ein Generationsproblem in Sicht: Der Bäcker ist 63 Jahre alt und sieht bis jetzt noch keinen Nachfolger.

Würde das neu initiierte Carsharing-Projekt das Supermarkt-Thema nicht etwas entschärfen?

Ich denke, dass Problem ist nicht, dass die Leute nicht mobil sind. Wer einen Führerschein besitzt, hat auch ein Auto. Aber es kann natürlich ein Vorteil sein. Wichtig ist auch, dass man nicht nur den Wagen hat, sondern auch jemanden, der ihn fährt und die Senioren mitnimmt.

Hergershausen ist als einziger Stadtteil an die RB nach Darmstadt und Aschaffenburg angebunden...

Das war auch der Grund, wieso wir ein relativ großes Baugebiet bekommen haben. Wo ein Bahnanschluss ist, soll auch gebaut werden.

Was macht den Ort sonst noch attraktiv?

Durch das Neubaugebiet kamen auch junge Familien. Schön zu sehen ist, dass sich viele der Neubürger gut im Ort integrieren. Die wenigsten kommen aus der Kernstadt hier her, sondern beispielsweise aus Rodgau, weil sie sich dort nur ein kleines Reihenhäuschen leisten könnten und hier ein Einfamilienhaus. Auch die neue Grundschule ist von Vorteil.

An Vereinen mangelt es ja auch nicht...

Nein, im Gegenteil, wir sind da sehr gut aufgestellt. Der Turnverein ist mit 700 Mitgliedern der zweitgrößte der Stadt. Dazu kommen Sportverein, Schützenverein, Hundeverein, Feuerwehr, Rotes Kreuz, und und und. Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit Hergershausen.

Dann gibt es für Sie also praktisch nichts mehr zu tun?

Doch natürlich. Und oftmals sind es die kleinen Dinge, die die Leute bewegen. Die sehen mich den ganzen Tag irgendwo und sagen mir, „Hier ist ein Loch“ und wenn ich das erledigt habe, sind die Menschen meist glücklich. Eine Sache, die mir aber seit Jahren auf dem Herzen liegt, ist unser Kindergarten.

Worin liegt das Problem?

Viele Kinder müssen auswärts betreut werden, in der Kernstadt oder in Langstadt. Neben der Schule ist auch bereits ein Gelände für einen Neubau für fünf bis sechs Gruppen vorgesehen und irgendwann sollte es an die Umsetzung gehen. Die alten Räume im Römerweg sind sanierungsfällig und sollen dann abgerissen werden. Der Werdegang ist beschlossen, im Haushalt steht es für 2017 eingeplant, aber ob es dann so kommt, weiß man nicht. Die Jahre vorher, als es noch einen CDU-Bürgermeister gab, konnte ich eher mal was durchsetzen als jetzt (lacht). Wir haben keine Mehrheit im Parlament, da werden oft andere Prioritäten gesetzt.

Sie sind bereits seit 1985 im Ortsbeirat, aber erst später als Stadtverordneter tätig. Wie kommt’s?

Im Ortsbeirat vertritt jeder die Interessen vom Ort, daher sind Beschlüsse meist einstimmig. Im Stadtparlament werden hingegen parteiliche Interessen berücksichtigt, aber es wird auch mehr aufs Ganze geschaut. Nach einer Weile habe ich eben gemerkt, dass man nur allein im Ortsbeirat nicht Bewegen kann.

Kollidiert Ihr politisches Engagement mit Ihrer Arbeit als Landwirt?

Nein, eigentlich nicht. Aber das war auch ein Grund, weshalb ich erst später ins Stadtparlament eingetreten bin. Früher hatte ich Rinder und Schweine, damit kann man das nicht machen. Die wollen gefüttert werden, egal ob gerade Sitzung ist oder nicht. Aber jetzt mit dem Getreide und Mais klappt das gut. Es passt mir aber auch zeitlich: Wenn ich mit der Ernte die meiste Arbeit habe, ist parlamentarische Sommerpause.

Quelle: op-online.de

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