Aus Liebe zu Musik und Natur

Jagdhornbläser verzaubern beim Tattoo die Altstadt

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Die Damen in schwarz, die Herren in rot – so zeigten sich die Jagdhornbläser Maingau beim dritten Tattoo.

Babenhausen - Beim dritten Tattoo der Reiterlichen Jagdhornbläser Maingau spielte das Wetter mit: Auf dem vollen Marktplatz lauschten die vielen Besucher den majestätischen Klängen. Von Corinna Hiss 

Harte Rocker im Lederoutfit mit auffälliger Körperbemalung suchten Ahnungslose vergeblich, die am Sonntagmittag zum Tattoo nach Babenhausen gekommen waren, ohne zu wissen, was sie eigentlich erwartet. Viel eher war die historische Altstadt rund um den Marktplatz gefüllt von Frauen in schicken Trachten und Männern in roten oder grünen Jackets. Woher der auf den ersten Blick ungewöhnlich anmutende Name der Musikveranstaltung, die die Reiterlichen Jagdhornbläser Maingau in dritter Auflage zum Besten gaben, rührte, erklärte Rolf Kreisel gleich zu Beginn. Der passionierte Musiker beim Gesangverein Eintracht lernte die Babenhäuser Bläser bei diversen Projekten kennen und moderierte den Mittag. „Der Begriff Tattoo leitet sich aus dem niederländischen Wort für ‘Zapfenstreich’ ab und besiegelt das Ende einer erfolgreichen Jagd“, belehrte er die zahlreichen Besucher, die den Babenhäuser Marktplatz bis in den letzten Winkel füllten. Auch in der Bummelgass’ waren noch schnell Bierbänke aufgestellt worden, damit jeder einen guten Platz auf das Spektakel haben konnte.

Krönender Abschluss des über zweistündigen Musikspektakels: Die historische Postkutsche von Stephan Sprey aus Seligenstadt.

Die 16 Maingauer Jagdhornbläser, die aus Babenhausen und Umgebung kommen, proben regelmäßig in der Stadtmühle. Das dritte Tattoo, zu dem sich rund 120 Musiker aus dem Bundesverband der Jagdhornbläser-Gilde in der Gersprenzstadt eingefunden hatten, kann ohne Zweifel als Erfolg gewertet werden. „Petrus hat Erbarmen mit uns“, freute sich Kreisel. Beim ersten Tattoo im Jahr 2011 knallte die Sonne vom Himmel, das vergangene vor zwei Jahren fand in strömendem Regen statt und war daher alles andere als ein Besuchermagnet. Bei angenehmen Temperaturen und trockenem Wetter ließen sich am Sonntag viele Besucher gebrutzelten Leberkäs’ im Brötchen, selbstgebackene Kuchen und kühle Getränke schmecken, während sie den majestätischen Klängen der Musiker lauschten. Eigentlich hätten noch mehr Bläser kommen sollten, doch diverse Krankheiten und Urlaubsausfälle hatten zu kurzfristigen Absagen geführt. Dennoch war es ein eindrucksvoller Anblick, als die Gruppen durch die Fahrstraße einmarschierten. Ihnen voran schritten Georg „Schorsch“ und Ute Wittenberger, verkleidet als Graf Reinhard I. und seine Frau Gräfin Maria Elisabeth von Hohenlohe-Neuenstein. „Aus der fernen Vergangenheit angereist“, präsentierten sie das Babenhausen des 17. Jahrhunderts, das, wie Bürgermeister Achim Knoke betonte, eine Stadt der Pferde, Flüsse und Reiter war.

Das Tattoo hat seinen Ursprung im nationalen Festival vor dem Schloss in Edinburgh, mittlerweile versammeln sich Jagdhornbläser auch in Berlin und Basel. Babenhausen kann sich dank Initiatorin Petra Palm-Hantke, die die Maingauer Bläser leitet und seit März diesen Jahres sogar Gildemeisterin des Bundesverbands ist, mit Stolz einreihen. „Wir alle lieben die Natur und lassen die Tradition der Jagd gerne aufleben“, sagte sie. Einige angereiste Bläser – erkennbar an grünen Jackets – sind selbst noch praktizierende Jäger und Förster, der Großteil aber kleidete sich wie die reiterlichen Jäger in rot – eine Kunst, die heute nicht mehr ausgeübt werden darf. „Es geht nicht ums Töten, sondern um die Hege von Wald und Flur“, beschrieb Wittenberger diese alte Tradition, die im gemeinsamen Musizieren ihre schönste Seite zeigte.

Tattoo: Jagdhornbläser verzaubern die Altstadt

Neben einigen bekannten Gruppen – der Jagdklub St. Hubertus aus Offenbach hatte noch kein Tattoo in Babenhausen verpasst – waren auch einige Neuzugänge angereist. Der Bläserkeil Neuer Aufbruch begeisterte das Publikum gleich zu Beginn mit schmissigen Fanfaren und zarten Tönen. Akkustisch einwandfrei war eine improvisierte Zusammenarbeit mehrerer Gruppen, die sich an unterschiedlichen Ecken auf dem Marktplatz verteilt hatten und im Wechsel spielten. Anders als in anderen Orchestern wird an den ursprünglichen Instrumenten festgehalten. Die Hörner der Bläser haben keine Ventile, eine Melodie kann nur durch differenzierte Atmung oder Körperstellung erzeugt werden. „Der Mensch ist der Ton, ohne uns ist das Jagdhorn nur ein Stück Blech“, beschrieb Palm-Hantke diese Kunst, die hauptsächlich von älteren Jahrgängen geschätzt wird. „Der Jugendnachwuchs ist bei uns schon ein Problem“, gab die Leiterin zu. „Das Jagdhorn ist eben kein modernes Instrument.“

Das dritte Tattoo verwandelte die Babenhäuser Altstadt in einen Schauplatz aus vergangenen Zeiten. Höhepunkt und krönender Abschluss waren vier historische Kutschen, die von edlen Rössern durch die Bummelgass’ gezogen wurden. Neben zwei „Landauern“ und einem Planwagen erstrahlte die Postkutsche aus Seligenstadt in knalligstem Gelb. Als vom Kutschbock eine Fanfare aus dem Horn ertönte, gab es stehende Ovationen.

Quelle: op-online.de

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