Sticheleien werden zur Tragödie

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Theater an der Offenen Schule thematisiert Mobbing. „Ein realistischer Fall, findet die Mehrheit der Schüler. „Fake oder war doch nur Spaß“, hieß das Stück, das die Schauspieler Judith Christian und Lorenz Pilz vom Berliner Ensemble Radiks im Foyer inmitten der Schüler aufführten.

Babenhausen - Einsatz für Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei in der Joachim Schumann Schule an der Bürgermeister-Willand-Straße. Glücklicherweise nur fiktiv im einstündigen Theaterstück „Fake oder war doch nur Spaß“, das die Schauspieler Judith Christian und Lorenz Pilz des Berliner Ensembles Radiks im Foyer aufführten und dabei wiederholt in neue Rollen schlüpften.

Rund 200 Schüler der achten Klassen lauschten der mobilen Produktion, die in Zusammenarbeit mit Psychologen und erfahrenen Pädagogen entstanden ist und deren Inhalt die Medienkompetenz und das Cyber-Mobbing thematisiert. Daneben war die Theaterproduktion 2012 und 2013 für den „Klick-Safe-Preis“ auf dem Deutschen Präventionstag nominiert worden.

Die 17-jährige Lea träumt davon, Sängerin zu werden. Als sie schließlich in eine Casting-Agentur aufgenommen wird, weckt das den Neid einiger Mitschüler. Erste Sticheleien und Ausgrenzungen beginnen. Schließlich weiten sich die Mobbing-Attacken auch auf soziale Netzwerke, darunter das bei Schülern besonders verbreitete Facebook, aus. Lea wehrt sich zunächst gegen die Kommentare und Lügen, postet ihrerseits Kommentare und stellt unter anderem einen von ihr verfassten Rap-Song online.

Allerdings sind weitere Verunglimpfungen die Folge. Anonyme Drohanrufe und Beleidigungen via Telefon schließen sich an. Was als vermeintlich „kleine Rache“ begann, nimmt nun Ausmaße an, die keiner der Beteiligten vorausgesehen hatte. Bald beschäftigen sich einige Lehrer mit den Mobbing-Attacken. Doch die Auseinandersetzungen sind nicht mehr nur innerschulisch zu klären, vor allem, nachdem ein Video online gestellt wurde, das Lea betrunken in einer Toilette zeigt.

Beleidigungen werden gleichgültig

Mittlerweile erträgt Lea die Beleidigungen und Drohungen scheinbar gleichgültig. Sie zieht sich zurück und fehlt immer häufiger in der Schule. Als sie schließlich erfährt, dass Andi, der ihr eine Liebesaffäre vorgetäuscht hatte, zu der Gruppe der Mobber gehört, und nachdem ihr alleinerziehender Vater sie zudem drängt, Anzeige zu erstatten, sieht Lea für sich keinen anderen Ausweg, als sich das Leben zu nehmen. Ein Mitschüler findet sie rechtzeitig und leitet ihre Rettung ein. Für die Protagonistin beginnt eine Phase der Leere und der Sinnlosigkeit, verbunden mit einem mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt. Eine längere Behandlung in einer psychiatrischen Klinik schließt sich an. Das Jugendamt schaltet sich ein und die Polizei ermittelt. Der 18-jährige Andi erhält in einem Gerichtsverfahren fünf Monate auf Bewährung. Leas ehemalige Freundin Nadine muss 30 Stunden in einem Altenwohnheim abarbeiten. Die inzwischen genesene 18-jährige Lea bezieht mit Unterstützung ihrer Betreuerin vom Jugendamt eine Wohnung und besuchte eine neue Schule, in der sie die Klasse erfolgreich wiederholt.

Auch wenn der Aufführung des Stücks kein konkreter Anlass vorausging, wie Lehrerin Manuela Kriegel versicherte, war die überwiegende Mehrheit der Achtklässler per Handzeichen der Meinung, dass der Fall realistisch sei. Und in der Tat beruht das Stück auf einer wahren Begebenheit, wie Schauspieler Lorenz Pilz verriet.

Abschlussfeier der Joachim Schumann Schule 2014

Abschlussfeier der Joachim-Schumann- & Eduard-Flanagan-Schule

„Durch das Angebot des Medienzentrums des Landkreises Darmstadt-Dieburg, mit seinem pädagogischen Leiter Matthias Zieschang, war die Aufführung überhaupt erst möglich geworden“, freute sich Kriegel und kündigte an, dass mit Unterstützung der von Zieschang zur Verfügung gestellten weiterführenden Materialien die Förderung der Medienkompetenz in einigen Unterrichtsfächern Widerhall finden werde. Zu verbreitet sei der Missbrauch der digitalen Daten und groß der Informationsbedarf unter den Jugendlichen.

peba

Quelle: op-online.de

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