Jubiläum beim Volkschor-Sängerbund 

„Singen hat mit Freiheit zu tun“

+
Der Jubiläumschor unter Leitung von Anne Paul. Seit 21 Jahren schwingt die Hanauerin in Babenhausen den Taktstock.

Babenhausen - Der Volkschor-Sängerbund – ältester Verein im Kreischorverband Dieburg und zweitältester in Babenhausen – feierte in der Stadthalle sein 175-jähriges Bestehen mit einer akademischen Feier. Von Petra Grimm 

Die Gratulanten sind sich einig: ein stolzes Jubiläum. Und dieses wurde entsprechend zelebriert. Stimmungsvoller Chorgesang und beeindruckende Musikbeiträge, dargeboten von Anne Paul (Violine) und Isabella Kreith (Klavier), bereicherten die Veranstaltung, mit der der Traditionsverein sein Festjahr eröffnete. 1840 wurde der damals noch reine Männerchor unter dem Namen „Babenhäuser Singverein“ von den Lehrern Hock und Bonhejo gemeinsam mit 24 weiteren sangesfreudigen Bürgern gegründet. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, 1948, kamen weibliche Stimmen dazu.

Heute zählt der rührige Verein, der seit 36 Jahren von Fritz Richter als Vorsitzendem geführt wird, gut 60 Mitglieder, darunter 23 aktive Sängerinnen und Sänger. Seit 21 Jahren schwingt die Dirigentin Anne Paul aus Hanau den Taktstock, und es ist wohl vor allem ihr Verdienst, dass der Chor über ein so breites Repertoire verfügt, das von klassischer und geistlicher Literatur über Volkslieder bis zu modernen Pop-Songs reicht.

Er bewundere Anne Paul „für ihren Mut, die hohe Altersstruktur des Vereins musikalisch zu durchbrechen“, sagte auch Festredner Klaus Mohrhardt, der auf die Geschichte und Geschichtchen aus dem Vereinsleben – auch aus seiner ganz persönlichen Erinnerung – einging. „Singen hat mit Freiheit zu tun und ist eine Lebenshaltung“, sagte Landrat Klaus-Peter Schellhaas. Bürgermeister Achim Knoke bedankte sich für die Bilder und Erinnerungen, die die Sänger mit ihren Liedern wachrufen. Andrea Hermes-Neumann vom Vorstand des Hessischen Sängerbundes überreichte Fritz Richter Ehrenurkunden für den Jubiläumsverein im Namen des Hessischen Sängerbundes, des Deutschen Chorverbandes und von Staatsminister Boris Rhein.

Kein Versammlungsrecht bei Gründung

Sie betonte, dass die Vereinsgründung in eine Zeit falle, „in der die Leute sich eigentlich noch gar nicht versammeln durften“. Erst ab 1848 gab es das Versammlungsrecht. Aber auch dann durfte man noch nicht sagen oder singen, was man wollte. Es gab eine Zensurbehörde. Heute übernehme die öffentliche Meinung oft die Rolle dieser Zensur. „Und diese öffentliche Meinung sagte lange, Singen ist antiquiert“, so die Vertreterin des Hessischen Sängerbundes, die aber eine „Morgendämmerung“ ausmacht, was das Singen betrifft. Nicht nur die zahlreichen Castingshows im Fernsehen seien ein Hinweis dafür. „Wir haben zumindest in den jungen Chören wieder leicht steigende Zahlen“, sagte sie.

Kulturkritische Töne klangen beim Grußwort von Dr. Fritz Roth, dem Vorsitzende des Kreischorverbandes, an. Er sprach von der zeitlosen Schönheit der Kunst und Kultur des Miteinander-Singens, die erhalten werden müsse. Und die im Gegensatz stehe zu dem, was uns die Konsumwelt heute als Schönheit vorgaukele. Als schön gelte vor allem das Allerneueste. „Aber wenn man es genauer betrachtet ist es bloß das Gefällige. Das Gefällige ändert sich, das Schöne bleibt“, sagte er. Warum sonst blieben wohl so viele Menschen ein Leben lang dem Chorgesang verhaftet?

Zusammenarbeit und Freundschaft

Helmut Fendt, der Vorsitzende des Vereinsgremiums, lobte den Jubiläumsverein, der auch einer der Gründer des Gremiums war, als „einen der rührigsten und zuverlässigsten Vereine im Gremium, der sich an vielen Veranstaltungen in der Stadt beteilige“. Von guter Zusammenarbeit und Freundschaft sprach Manfred Kunkel, der Vorsitzende des Gesangvereins Eintracht, mit dem sich der Volkschor auch das Probenlokal teilt. Die beiden Gesangvereine hatten im Januar zum 19. Mal den Ball der Vielharmonie gemeinsam auf die Beine gestellt und in der Vergangenheit auch schon das Waldfest und das Chorfestival zusammen gemanagt.

Neben den Gastgebern selbst war bei der Feier dann auch der Eintracht-Männerchor, unter der Leitung von Patrick Lagerpusch, zu hören. Und das Lied „Sing mit mir“, mit dem der Volkschor die Veranstaltung eröffnete, sei durchaus wörtlich zu nehmen, so Fritz Richter, der Interessierte herzlich dazu einlädt an den Singstunden, jeden Montag um 20 Uhr im Roten Hahn, teilzunehmen. Die nächste Jubiläumsveranstaltung des Volkschor-Sängerbundes geht am Samstag, 20. Juni, 19 Uhr, in der Stadthalle über die Bühne: Ein Songcontest, bei dem mehrere Chöre um die Gunst des Publikums ihre Stimme erheben werden, verspricht beste Unterhaltung.

So wirkt Musik auf unseren Körper

So wirkt Musik auf unseren Körper

Quelle: op-online.de

Kommentare