Betreuer-Casting für Ferienspiele

Erwartungsfroh, nicht nervös

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Matthias und Dustin hinterließen mit ihren selbstgemachten Jonglierbällen einen guten Eindruck.

Babenhausen - Rund 30 junge Betreuer werden für die Ferienspiele der Stadt gesucht. Wer einen der begehrten Jobs will, muss sich bei der Kinder- und Jugendförderung (JuFö) bewerben. Wichtiger als alle eingereichten Zettel ist es zuerst, beim Casting eine gute Figur zu machen. Von Michael Just 

„Pädagogisch würden die Ferienspiele gut zu mir passen“, sagt der 19-jährige Matthias. Im nächsten Jahr macht er Abi, seine Zukunft sieht er als Lehrer. Nun gehört er zu den 43 jungen Erwachsenen, die – aufgeteilt auf zwei Gruppen und zwei Abende – am Schachbrett neben der Stadthalle sitzen. Das stufenförmige Halbrund schafft Theateratmosphäre und ist damit für ein Casting ideal. Von den 43 Bewerbern sollen am Ende 30 übrig bleiben. Nervös ist kaum einer, erwartungsfroh passt eher.

Zu Beginn steht eine Kennenlernrunde: Viele wollen Erzieher werden oder studieren bereits Lehramt oder Soziale Arbeit. Allen ist gemein, dass sie in den Sommerferien ein paar Euros verdienen wollen. Die Hauptaufgabe des Castings ist alles andere als unlösbar: Es gilt, eine gute Spiel- und Bastelidee, die man zu Hause vorbereiten konnte, zu präsentieren. Diese darf gerne ans aktuelle Ferienspiel-Motto „Feuer, Erde, Luft und Wasser“ angelehnt sein. Spielen und Basteln ist wichtig, denn neben den Vereinsangeboten gibt es für Ferienspielkinder immer wieder Tage, die komplett auf dem Gelände in Harreshausen verbracht werden. Dann müssen die Betreuer dafür sorgen, dass es nicht langweilig wird.

Jana und Sandra sind die ersten. Zum Thema Wasser erklären sie ihr Aquarium aus Pappe und Bastelkarton, in dem die Fische an durchsichtigen Fäden hängen. Eine andere Kandidatin wartet mit einem Mini-Floß aus Zweigen auf. Zum Thema Wind haben zwei der Bewerberinnen Drachen entworfen. Nicht alle Kandidaten haben gebastelt: So gibt es auch Spielideen mit Bällen oder Smarties, die im Wettlauf mit Strohhalmen angesaugt werden müssen.

Wer glaubt, dass Stadtjugendpfleger Michael Spiehl zum zweiten Dieter Bohlen mutiert, der irrt. Sprüche wie „Dein Auftritt löst bei mir Fluchtgefühle aus“ oder „Aus Mitleid hättest du nen Euro verdient“ würden ohnehin nicht zu ihm passen. Stattdessen setzt sich die dreiköpfige Jury aus den Kollegen Sandro Sale, Gisela Preißler und Lara Kresz zusammen. Das Trio versucht vor allem, die Persönlichkeit der Kandidaten hinter der Präsentation zu taxieren. Dabei werden Notizen in punkto Ausstrahlung, Kreativität, Kompetenz und Teamfähigkeit gemacht.

Das JuFö-Casting ist keine neue Erfindung. „Mindestens zehn Jahre gibt es das schon. Damals haben wir uns von den TV-Vorbildern inspirieren lassen“, berichtet Spiehl. Steht auf der Mattscheibe die Show im Vordergrund, wird die JuFö von pragmatischen Gründen geleitet. „Wir wollen einfach die Besten für unsere Kinder“, hebt der 43-Jährige heraus. Ein Casting sei weit aufschlussreicher als ein persönliches Gespräch. Dass eine solche Auslese überhaupt möglich ist, hängt vor allem mit der gestiegenen Zahl an Bewerbern zusammen. Das war nicht immer so: „Ich weiß, dass meine Vorgänger Probleme hatten, 30 Betreuer zu finden“, sagt Spiehl.

Einen besonderen Eindruck hinterlassen Dustin und Matthias mit ihren selbstgemachten Jonglierbällen. In Luftballons haben sie feinen Vogelsand gefüllt. Mehrfach verpackt und mit einer Schere bearbeitet ist eine weiche, verschiedenfarbige Oberfläche entstanden. Matthias kann sogar ein bisschen jonglieren. „Wir sind sehr sportlich und für alles zu gebrauchen“, macht der Abiturient Werbung in eigener Sache. Sogar Gitarre spielen und Singen sei möglich. Als die Jury eine Kostprobe vom Singen will, schränkt Dustin sein Talent ein: „Beim Singen bin ich raus“, sagt er. Da die Gesangsprobe eher als Spaß gemeint war, verzichtet die Jury auf ihr Anliegen. Die Bewertung für das Duo fällt trotzdem positiv aus: „Humorvoll und in vielerlei Hinsicht selbstbewusst“, notiert Gisela Preißler. Ob es Dustin und Matthias geschafft haben, wird sich zeigen. Per E-Mail sollen schnell die Entscheidungen rausgehen, wer als „Superbetreuer“ während der Ferienspiele ran darf.

Quelle: op-online.de

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