Jugendliche der Joachim-Schumann-Schule zu Besuch im „LebensMittelPunkt“

Ein Ort der Hilfe, nicht der Scham

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Hans-Dieter Vogel, stellvertretender Vorsitzender des„LebensMittelPunkts“, erklärte den Jugendlichen der Offenen Schule die soziale Einrichtung in der Schlossgasse.

Babenhausen - Gesellschaftslehre in der Praxis: Siebtklässler der Joachim-Schumann-Schule haben mit ihrem Lehrer den „LebensMittelPunkt“ in der Schlossgasse besichtigt und einiges über Armut erfahren. Von Norman Körtge

Nein, persönlich kenne er niemanden, der in den „LebensMittelPunkt“ gehe, um dort kostengünstig einzukaufen, erzählt der Siebtklässler der Joachim-Schumann-Schule: „Aber vielleicht schämt man sich auch und erzählt es nicht“, ergänzt der Schüler. Dass es sicherlich der finanziellen Not geschuldet ist, wenn Babenhäuser die vor fünf Jahren ins Leben gerufene Einrichtung in der Schlossgasse 18 aufsuchen, daraus machte Hans-Dieter Vogel keinen Hehl. Der stellvertretende Vereinsvorsitzende des „LebensMittelPunkts“ veranschaulichte der Schulklasse aber auch, dass es keinen Grund gibt, sich für den Besuch im „LebensMittelPunkt“ zu schämen und Armut viele Gesichter habe: „Ihr glaubt gar nicht wie viele Leute es gibt, die wenig Geld haben.“ Senioren, die mit einer „miserabel kleinen Rente“ auskommen müssen, Arbeitslose, die von Hartz IV leben, oder Familienväter, die zu wenig verdienen und sogenannte Aufstocker sind, also Sozialhilfe bekommen. Und dass es nicht zwei, fünf oder zehn Menschen sind, die an den drei Öffnungstagen in die Schlossgasse kommen, machte Vogel an Zahlen deutlich. Jeweils zwischen 60 und 70 seien es. Die Statistik zeige, dass seit der Eröffnung des „LebensMittelPunkts“ mehrere Hundert Babenhäuser mit Lebensmitteln versorgt werden konnten. Die Anzahl der verkauften Lebensmittelkörbe ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Waren es 2012 noch 5470, so stiegt die Zahl 2015 auf 8763. Bis August 2016 waren es bereits 6786.

Große Augen machten die Schüler, als ihnen Vogel die aktuelle Lieferung von Brot und Brötchen zeigte. Mehrere Kisten voll und auf jeden Fall viel zu schade, um diese wegzuwerfen. Generell seien es keine schlechten Lebensmittel, die Vogel und seine Mitstreiter anbieten. Obst und Gemüse, das frischer Ware Platz machen muss, das Brot vom Vortag und Produkte, deren Mindeshaltbarkeitsdatum kurz vor dem Ablauf ist, würden von den Supermärkten dem „LebensMittelPunkt“ zur Verfügung gestellt und von den ehrenamtlichen Fahrern des Vereins abgeholt.

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Dass der „LebensMittelPunkt“ viel mehr ist als nur ein Ort, an dem Nahrungsmittel zum symbolischen Preis von zwei Euro pro Korb gekauft werden können, leitete ein Schüler auf Frage von Vogel selber her. Es kommt auf die Betonung des Namens an. „Lebensmittel-Punkt“ und „Lebens-Mittelpunkt“. Ersteres stehe für den Ort, an dem es eben Lebensmittel gibt, zweiteres für die Sitzecke, in der die Kunden bei einem Kaffee zusammensitzen können. „Für viele ist das hier wie eine Familie“, Berichte Vogel.

Damit das Gehörte auch im Rucksack mit nach Hause getragen werden kann, verteilte Vogel nicht nur eine Kurzzusammenfassung des Gesagten, sondern es gab auch eine Rechen-Textaufgabe und ein anschauliches Beispiel, was Ursachen für Bedürftigkeit sind. Zum Beispiel mangelnde Berufskompetenz, beruhend auf Mängel in der Ausbildung. Der wohlmeinende Tenor für den Aufbau eines stabilen Lebensgebäudes: Bereits jede Klassenarbeit sei ein Stein, auf dem sich Schulabschluss, Ausbildung, Beruf und das Leben aufbauen.

Quelle: op-online.de

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