Gewerbetreibende und Bewohner sollen Areal nutzen

Kaserne in Babenhausen dichter besiedeln

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Babenhausen - Fundamentale Neuigkeiten erfuhren die Mitglieder des Kasernenkonversionsausschusses am Donnerstagabend in einer dreistündigen Sitzung. Bald könnte sich das Kasernengelände als Mischgebiet mit Wohnraum und Gewerbefläche in die Stadt einfügen. Von Ulrike Bernauer

Mit Stefan Werrer, dem zuständigen Stadtplaner, und Rechtsanwalt Harald Nickel hatte der Kasernenkonversionsausschuss die zuständigen Fachplaner zum Gespräch eingeladen. Die Investoren, für die Firma Aumann GmbH Markus und Kevin Aumann, für die Firma Revikon Daniel Beitlich, verfolgten die Sitzung ebenfalls. Werrer gab erst einmal einen Rückblick auf die Geschichte der Konversion, die mit dem Abzug der Amerikaner 2008 begann. Für eine Stadt mit 17.000 Einwohnern sei das 60 Hektar große Gelände ein schweres Erbe. Nach zahlreichen Interessenten habe sich dann die Firma Aumann als der Bieter herauskristallisiert, der die Bedingungen des von der Stadt aufgestellten Rahmenplans am besten erfülle. Das heimische Unternehmen habe sich dann mit Revikon einen erfahrenen Projektentwickler gerade in Bezug auf Konversionsflächen dazu geholt.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die für den Bund das Kasernengelände verwaltet, hat zwischenzeitlich ihre Preisvorstellungen, die auch an diesem Abend nicht genannt wurden, erhöht, so dass Änderungen des Rahmenplanes notwendig wurden. Die Aufteilung des Geländes in vier Geländeabschnitte, die „Housing Area“ als Wohnbereich, die Hallen für Gewerbe, der denkmalgeschützte Bereich als Mischareal mit Gewerbe und Wohnungen sowie die Grünzone, sollen zwar weiter bestehen bleiben. Allerdings sollen die Anzahl der Wohneinheiten von bislang 350 auf 400 oder 500 erhöht werden, es soll mehr Gewerbe angesiedelt und im Gegenzug die Grünfläche verringert werden.

Werrer zeigte sich ob dieser Entwicklung eher begeistert, denn die steigende Anzahl von Einwohnern des Areals erlaube mehr stadtplanerische Aktivitäten. Möglich sei nun eventuell auch die Ansiedlung von Einzelhandel, aber es bestünde eventuell auch die Notwendigkeit, zwei Kindertagesstätten zu bauen. Werrer brachte letztendlich eine Zahl von bis zu 2 000 neuen Einwohnern ins Spiel, die einmal auf dem Kasernenareal leben könnten. Auch für die Stadt böten sich durch eine Verdichtung der Bebauung Vorteile: Sie hätte weniger öffentliche Flächen zu pflegen.

Rechtsanwalt Nickel beantwortete zahlreiche Fragen der Ausschussmitglieder, die fast ausschließlich die Finanzierung und auch die Haftung der Stadt betrafen. Nickel skizzierte das Prozedere, wie die Stadt ihre Erstzugriffsoption verwirklichen könne. Weil sie das Gelände in der aktuellen Haushaltslage nicht selber kaufen könne – da würde die Kommunalaufsicht mit Sicherheit einen Riegel vorschieben – müsse sie mit den Investoren ihres Vertrauens eine Gesellschaft gründen. Dabei müsse die Stadt eine Mehrheit von 51 Prozent besitzen, die sie nach dem Ankauf auch wieder reduzieren könne. Geld für den Erwerb müsse die Stadt bei diesem Modell nicht selbst einbringen.

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Der Gesellschaftervertrag könne so ausgestaltet werden, dass sowohl die Stadt als auch die Investoren die für sie wichtigsten Punkte festschreiben. Die wären dann rechtlich verbindlich – im Gegensatz zum jetzigen Rahmenvertrag. Die Erstzugriffsoption durch die Bima stehe außer Frage, weil das Kasernenareal für die Stadtentwicklung von immens hoher Bedeutung ist. Nickel begründete außerdem, warum es für die Stadt fast zwingend notwendig ist, ihre Erstzugriffsoption auszuüben: Verkaufe die Bima das Gelände, dann sei für sie nur der Erlös entscheidend. Was der Investor mit dem Areal anfange, sei ihr egal. Die Stadt aber habe ein Interesse daran, dass sich das Areal in Babenhausen einfüge, was durch die Lage mit den Bahngleisen sowieso eine Herausforderung darstelle.

Die Gespräche werden nun weitergeführt, mit Vertragsabschlüssen vor der Sommerpause rechnen die Verantwortlichen jedoch nicht. Man gehe allerdings davon aus, dass sich in den kommenden fünf Jahren schon etliche Bewohner und Gewerbetreibende auf dem Kasernenareal angesiedelt haben werden.

Quelle: op-online.de

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