Ein schneller Aufstieg

Katrin Herbrik zählt zu den Newcomern der regionalen Ausdauerszene

Hergershausen - Erst vor fünf Jahren stieg Katrin Herbrik in die Joggingschuhe – und gewinnt heute schon Marathon- und Ultrawertungen. Von Jens Dörr

Ihre Brötchen verdient sie als Mitarbeiterin eines Darmstädter Zahnarztes – doch auch außerhalb der Praxis hat diese Frau Biss: Wenn Katrin Herbrik in die Laufschuhe steigt, dann kommt Aufgeben nicht in Frage. Die 33-Jährige, die aus Hergershausen stammt, in Münster wohnt und für den TV Hergershausen startet, zählt zu den Newcomern der regionalen Ausdauerszene. War der Schuhschrank-Platz für die Joggingschuhe vor wenigen Jahren noch verwaist, so ist inzwischen selbst die Marathondistanz nicht mehr genug. Nun gewann sie sogar ihr erstes Preisgeld. Erst vor fünf Jahren, 2011, begann Herbrik regelmäßig zu laufen. Vorher ritt sie, voltigierte, betrieb Sportakrobatik. „Ich spürte damals einfach den Bewegungsdrang, habe einen Vhs-Kurs bei Claudia Fiebig-Keller gemacht“, erzählt sie und lässt dabei immer wieder ihr Piercing im Mund aufblitzen. Fiebig-Keller, die schon Altersklassen-Zweite bei den Ironman-Europameisterschaften (Triathlon-Langdistanz) in Frankfurt war, ist mittlerweile ihre Teamkollegin beim Hergershäuser Turnverein. Aus dem machen sich immer wieder Läufer oder Triathleten weit über die Babenhäuser Stadtgrenzen hinaus einen Namen.

Offenbar hatte Fiebig-Keller auch bei Herbrik Erfolg, die Lust am Laufen zu wecken. Die Sportlerin blieb dabei, „Wettkämpfe wollte ich zunächst gar keine machen“, berichtet sie. Doch erstens kam es mal wieder anders – und zweitens, als auch Herbrik selbst gedacht hätte: Ende 2012 stand sie erstmals bei einem Volkslauf an der Startlinie, debütierte über zehn Kilometer in 48 Minuten. Eine Zeit, die sie heute locker und weit unterbietet – und eine Entfernung, über die sie nun eher milde lächelt. „Ich habe damals gemerkt, dass es geht, dass ich mit dieser Distanz keine Probleme habe.“ Dann habe sie sich eben gesteigert, über die 15 Kilometer versucht, auch mal über die 20 – und so fort.

Mittlerweile trainiert Herbrik noch gezielter, holt sich nicht nur Kilometer in die Beine, sondern auch Höhenmeter. In hügeligeren Regionen absolviert sie immer wieder Einheiten, „meist auf Mountainbiking-Strecken“. Einmal wöchentlich stürmt sie mit einer Gruppe des TV Hergershausen die formidable 400-Meter-Bahn des Münsterer Gersprenzstadions, betreibt dort Tempotraining. Vergangenes Jahr feierte sie mit Altersklassen-Platz eins und Gesamtplatz fünf bei einem Trail-Marathon bei Heidelberg einen ihrer bisher größten Erfolge. Die 42,195 Kilometer, in die zudem 1 500 Höhenmeter eingestreut waren, schaffte sie in recht ambitionierten 4:19 Stunden. „Das war 20 Minuten schneller als im Vorjahr“, schildert sie ihre Steigerung. Beim „Swiss Alpin“-Marathon mit seinen 1 800 Höhenmetern in den Schweizer Alpen benötigte sie als Gesamtfünfte 5:14 Stunden. „Das Panorama war unbeschreiblich“, hat sie im Rückblick auf die Strapazen noch Sinn fürs Schöne. Vor einigen Tagen wurde sie in 3:08 Stunden drittschnellste Frau beim Kandel-Marathon und belohnte sich nicht nur mit ihrer persönlichen Bestzeit, sondern auch mit 100 Euro Preisgeld.

Zu den guten Resultaten über die Marathondistanz gesellte sich bei der Hergershäuserin jüngst ein Erfolg auf noch längerer Strecke hinzu: In Rodgau-Dudenhofen siegte sie beim Ultralauf über 50 Kilometer in ihrer Altersklasse, wurde drittschnellste Frau. Ihr Begleiter im Übrigen: Timo Grub, starker TVH-Läufer, der in jüngerer Vergangenheit allerdings mit hartnäckigen Verletzungen zu kämpfen hatte. Weder bei ihm kommt derweil das Comeback in der regionalen Spitze von allein, noch bei Herbrik der recht junge Erfolg: „Ich laufe 60 bis 100 Kilometer pro Woche“, sagt sie. Neben den Tempoläufen und den Berg-Exkursionen kommt einmal wöchentlich ein Kraft-Ausdauer-Training hinzu. Zudem ernährt sie sich vegetarisch. „Meine Freizeit besteht im Wesentlichen aus dem Laufen“, meint sie und wirkt dabei nicht so, als bereue sie es: „Die Faszination ist die, dass man es überall machen kann, die Natur erlebt – und danach ein gutes Gefühl hat.“

Das erlebte sie freilich auch, als sie beim Mannheim-Marathon 2014 ihre damalige Bestzeit über den langen Klassiker hinlegte, die sie inzwischen aber wieder um 22 Minuten unterboten hat. Nach 3:30 Stunden kam sie damals ins Ziel. Noch schneller über die wenig mehr als 42 Kilometer wäre sie wohl gewesen, hätte sie beim „Wings for Life“-Worldrun vergangenes Jahr in Darmstadt nicht nach 41 Kilometern das „Catcher-Car“ eingeholt. Erst 3:10 Stunden waren damals auf der Uhr. Ihren nächsten läuferischen Plan hat Katrin Herbrik derweil bereits im Kopf: „Ich würde gern mal einen Berg-Ultralauf machen.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Dörr

Kommentare