Kein Wetter für Landwirte

Zwei Millimeter sind nicht genug

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Ortsbauer Horst Grimm zeigt, wie hoch der Mais um diese Jahreszeit eigentlich stehen sollte – und wie niedrig er noch ist.

Hergershausen - Der Sommer lässt derzeit auf sich warten, kühle Temperaturen und Regenschauer erinnern eher an Oktober als an Juni. Worüber sich viele ärgern, ist für die Landwirte essentiell – und doch kommt das Nass von oben zu spät. Von Corinna Hiss 

Jeden Tag geht Horst Grimm zu seinem Regenmesser, jeden Tag hofft er, dass sich die grüne Röhre etwas mehr mit Wasser füllt. Doch es scheint einfach nicht anzusteigen. „Unsere Wahrnehmung täuscht uns“, sagt der Hergershäuser Ortslandwirt. Auch wenn es gefühlt „seit drei Tagen durchregnet“, ist der Ertrag relativ gering: Zwei Millimeter – sprich zwei Liter auf einen Quadratmeter – kamen seit Freitag von oben. Was die Felder rund um Hergershausen jedoch nötig haben sind mindestens 20 bis 30 Millimeter. Grimm baut auf 120 Hektar Landfläche Roggen, Gerste und Weizen an. Zum Getreide kommt noch Raps und Mais. Besonders für die Wintergerste kommt jede Hilfe zu spät: Spätestens nächste Woche wird das frühe Getreide gedroschen. Die wochenlange Trockenheit, die sich durch das Frühjahr gezogen hat, ist auf dem Feld auch für Laien sichtbar. „Normalerweise steht die Gerste viel dichter, zudem sind die Ähren größer“, erläutert der Ortsbauer. Momentan befinden sich höchstens acht bis zehn Körner in einer Reihe in der Ähre, in guten Zeiten kann diese Zahl glatt verdoppelt werden.

So wird das Wetter in den nächsten Tagen

Auch auf dem Maisfeld sieht es nicht rosig aus, aber darüber ist Grimm weniger besorgt. Zwar sind die grünen Stauden noch lange nicht so hoch, wie sie zu dieser Zeit eigentlich sein müssten, doch haben sie noch Zeit zum Reifen. „Wie er sich entwickelt, kann ich nicht vorhersagen“, so der 63-Jährige. Ist der Mai kühl und nass, füllt es den Bauern Scheun’ und Fass – so lautet eine bekannte Bauernregel, die auch Grimm bestätigen kann. Vergangenes Jahr zeigte sich das Wetter nämlich optimal. „März und April waren trocken und warm, dafür hat es dann im Mai viel geregnet“, erinnert sich Grimm daran, dass sein Getreide dann gut gedeihen konnte. Die Regenstunden der vergangenen Tage seien zwar besser als nichts, aber machten die Ernteeinbußen auch nicht wett. Mit einem Ertrag zwischen fünf und sechs Tonnen pro Hektar kann Grimm normalerweise rechnen. Nach jetzigem Stand werden es dieses Jahr rund ein Drittel weniger sein. „Das ist hart“, gibt er zu, „aber wir Landwirte müssen nun mal mit der Natur leben.“

Wie eine pralle Ähre aussehen sollte, ist auf dem Bild zu sehen – das Ergebnis langanhaltender Trockenheit daneben.

Die Spargelbauern, die es dank des Sandbodens in der Nachbarschaft häufig gibt, sind von der Dürreperiode der vergangenen Wochen weniger betroffen. Das königliche Gemüse ist eher auf Wärme angewiesen, Wasser holt es sich durch seine tiefen Wurzeln. „Getreide ist ein Flachwurzler, es braucht den Regen von oben“, beschreibt Grimm den Gegensatz. Zudem ist für Weizen und Gerste der Sandboden sogar insofern hinderlich, dass er wasserdurchlässiger ist als feste Erde. „Auch wenn es vielen so vorkommt, dass es doch jetzt geregnet hat: Bei meinen Pflanzen kommt es kaum an“, bedauert der Experte. Tatsächlich ist auf dem Maisfeld deutlich zu sehen, dass die Erde direkt unter den grünen Stauden hellbraun ist – ein Zeichen dafür, dass sie nicht nass ist, obwohl es anhaltend von oben tropft. Und auch wenn sonst jeder wieder auf das warme Sommerwetter vom Beginn des Monats hofft, hegt Bauer Grimm ganz andere Wünsche: „Was ich brauch’ ist ein guter Landregen: nicht zu heftig, nicht zu wenig, aber dafür mal drei Stunden am Stück.“

Quelle: op-online.de

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