Kerb in Harpertshausen

Dreieinhalb Schläge für Fassanstich

+
Wem in Harpertshausen die Kerb ist, lassen diese Burschen nicht unbeantwortet.

Harpertshausen - An Kondition mangelt es im kleinsten Stadtteil offensichtlich nicht: Vom offiziellen Bieranstich bei der Feuerwehr am Freitag bis zum Verbrennen der Kerb am heutigen Dienstag, ebenfalls bei den Blauröcken, feiern die Harpertshäuser fünf Tage ihre Kirchweih. Von Petra Grimm 

Der Sonntag, den das DRK managt, war mit Umzug und Rede wieder ein Höhepunkt des traditionellen Festes. Dreimal knallte es laut, dann setzte sich der fröhliche Umzug lautstark in Bewegung. Das war wie immer. Neu war, dass in diesem Jahr nicht der langjährige Ortsvorsteher Kurt Kratz am Kerbsonntag seinen Finger am Abzug der Schreckschusspistole hatte, sondern seine Nachfolgerin, Dr. Martina Seuß. Für Seuß, die seit April als Ortsvorsteherin im Amt ist, war sowohl das Anstechen des ersten Bierfasses bei der Eröffnung der Marathon-Party als auch der Startschuss für den Zug eine Premiere. Sowohl in ihrem neuen Amt als Chefin vom Dorf als auch im richtigen Leben. Als Frau kommt man ja eher selten in den Genuss einen offiziellen oder auch inoffiziellen Bier-anstich übernehmen zu dürfen. So erntete die zierliche Ortsvorsteherin jede Menge Anerkennung für ihren Erfolg beim Anzapfen. Nach drei kräftigen Schlägen „und einem halben“, wie sie schmunzelnd berichtet, floss am Freitagabend der Gerstensaft zur Freude der Gäste bei der Feuerwehr. „Es hat sofort geklappt. Sie ist gut ins Amt gestartet“, lobte Karsten Kratz, der örtliche DRK-Vorsitzende, augenzwinkernd.

Am ausgelassenen Umzug durch die Gassen, den die Wehr sicherte, beteiligten sich das Männerballett „Die Glorreichen Acht“, die Jugendfeuerwehr, das Jugendrotkreuz, die Holzhackerleut und die Skifreunde Harpertshausen, die den Zuschauern am Straßenrand, passend zu ihrem Pisten-Outfit weiße Marshmellows reichten, die wie kleine Schneebälle aussahen. Angeführt wurde die Parade vom Wagen mit der bunten Kerbkrone und den zwölf Kerbburschen und -mädchen. Auch wenn der Umzug ein bisschen geschrumpft war, beispielsweise wurde die Blaskapelle, die in den Vorjahren im Einsatz war, eingespart, tat das der guten Stimmung keinen Abbruch.

Das Komitee und Kerbvadder Alexander Diehl marschierten mit einer langen Messlatte auf der Suche nach der vergrabenen Kerb traditionsgemäß voran. Die wurde – symbolisiert durch eine Weißweinflasche – schließlich auch entdeckt. Die historische Glocke, die Diehl dabei erklingen ließ, gehörte in früheren Zeiten dem „Schelle-Karl“, der im Ort die Neuigkeiten verkündete.

Beim anschließenden Kerbspruch am DRK-Heim nahm sich Vadder Diehl mit Genuss der Pleiten, Pech und Pannen der Dorfbewohner an und brachte die Zuhörer zum Lachen. So erfreute die Story über den Harpertshäuser Fitnessstudio-Besucher, der aus Verzweiflung, weil er nach dem Duschen nicht an seine Klamotten herankam, einen Spind mit Gewalt knacken ließ. Nach dem Öffnen stellte sich allerdings heraus, dass der Schlüssel in Ordnung war, bloß der Spind falsch. Auch die Startprobleme der FFW bei der Schauübung ihres Sommerfestes, als sie wegen einer schwächelnden Batterie ihr Löschfahrzeug erst anschieben mussten, fanden natürlich Platz im Kerbspruch. Geschrieben wurden die Reime von den Kerbburschen gemeinsam.

„Wir treffen uns über das Jahr immer mal wieder und dabei ist der Spruch entstanden“, sagte Alexander Diehl, der gemeinsam mit seiner Truppe am Samstag in der Bar des DRK-Heims für junges Partyvolk eine Trojka-Shot-Fete auf die Beine stellte. Dabei stand die gleichnamige Spirituose auf Vodkabasis im Mittelpunkt. „Die Party war gut besucht“, sagten die zufriedenen Kerbburschen. Der Frühschoppen am Montag beim DRK bot mit Grillhaxen und Stimmungsmusik durch den „Happy Man“ ein geselliges Beisammensein, wie es vor allem der älteren Generation gefällt. Wobei in diesem Jahr durch den Tag der Deutschen Einheit auch die jüngeren mitfeiern konnten. „Das ist echt super bei dieser Kerb, dass wir am Montag alle frei haben“, sagte Komiteemitglied Kolja Pruchniewicz.

Quelle: op-online.de

Kommentare