Viel junges Publikum findet sich beim Kerbtanz ein

Hergershäuser feiern vier Tage lang ihre Kirchweih

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Looping-Ladies: Als Achterbahnfahrerinnen war eine Gruppe ehemaliger Kerbmädchen unterwegs.

Hergershausen - Zum Abschluss des Kerbreigens im Stadtgebiet bewiesen die Hergershäuser wieder vier Tage Kondition beim Feiern. Von Petra Grimm 

Die fröhliche Kirchweih, die mit einer Disco im Bürgerhaus begann und am gestrigen Montag mit dem Frühschoppen endete, vereinte alle Generationen, Neu- und Altbürger. „Heute Morgen habe ich nur Tee getrunken und jede Menge Bonbons für den Hals gelutscht“, sagte Ingo Breuckmann, der zum dritten Mal für den SV Kickers den Kerbvadder im größten Stadtteil gab. Am Sonntagmittag, kurz bevor der große Umzug startete, war er gut gelaunt, aber „auch ein bisschen aufgeregt“. Schließlich gehört ein guter Vortrag der Kerbrede, die wieder aus der Feder von Sigrun Saul und Inge Herget geflossen ist, zu seinen wichtigsten Aufgaben. Zum Einstudieren des Kerbspruchs hatte er professionelle Hilfe an seiner Seite. Denn der hr3-Radiomoderator Tobi Kämmerer gehört zu seinen Kumpels und hat ihn gecoacht. „Wir haben oft zusammen geübt, bei Tobi zuhause mit Wein und bei mir mit Bier“, sagte Breuckmann augenzwinkernd auf die Frage nach seinen Hilfsmitteln.

Immer im Wechsel mit dem örtlichen Turnverein sind die Fußballer als Ausrichter des größten Festes im Dorf gefordert. Und die Veranstalter waren zufrieden mit der Resonanz auf die verschiedenen Veranstaltungen, die sehr gut besucht waren. „Besonders gefreut hat uns, dass beim Kerbtanz am Samstagabend so viele junge Leute mitgefeiert haben. Die Generation 60 Plus war eindeutig in der Minderheit“, sagte Horst Herget vom Organisationsteam der Kickers, der auch die Aufstellung des Umzugs managte. Und die bunte Parade war größer und zählte mehr Teilnehmer als in den Vorjahren, was sowohl die Zuschauer als auch die Organisatoren und „Mitläufer“ begeistert feststellten. Mit 22 farbenfrohen Nummern, angeführt vom Wagen mit dem Strauß, dem Kerbvadder und dem Kerbburschenwagen, trotzte das Dorf dem trüben Herbstwetter. Das TVH-Blasorchester begleitete die Sache musikalisch. Neben vielen Nachwuchsfußballern, die mit ihren Trainern und Betreuern durch den Ort liefen und Süßigkeiten verteilten, stellte auch die Jugendabteilung des TVH unter dem Motto „Zirkus“ eine beachtliche Abordnung. Die Turnerkinder, Rope-Skipper und die Tanzgarde marschierten in der großen Manege mit.

Eine Frauentruppe als Hingucker

Aufwändig geschmückte Wagen und tolle Kostüme waren zu sehen. Ein echter Hingucker war eine Frauentruppe – ehemalige Kerbmädchen. Sie hatten sich als Achterbahn-Fahrerinnen („Looping-Ladies“) einen selbst gebauten Sitz mit einem zweiten Paar Beine vor den Bauch geschnallt und legten sich mit nach oben gerissenen Armen und kreischend so richtig in die Kurven. Für einen Alm-Abtrieb der besonderen Art sorgte eine Truppe aus dem Neubaugebiet. Sie hatten auf ihrem Wagen einen Bauernhof nachgebaut, auf dem jede Menge Dirndlträgerinnen und Kinder vor einem großen Gatter mit überwiegend männlichen Rindviechern fuhren. Ein optischer Knaller, der die Zuschauer am Straßenrand begeisterte.

„Wenn die Kita streikt, sind wir Omas bereit“ war das Motto der Kickers-Frauengruppe, die meisten stolze Großmütter, die ihre Enkel beim Umzug im Kinderwagen schoben. Ein überdimensionaler, motorisierter Hund, in dessen Fell ein kleiner Ford-Laster steckte, begleitete die Gruppe ANKKB (Als noch kaa Kerbborsche), die als Kerbstreuner im Hundekostüm mitliefen.

Bilder: Farbenfroher Kerbumzug in Hergershausen

Außer den Ortsvereinen wie Herigar, der Jugendfeuerwehr oder auch den Anglern, waren auffällig viele Jugendcliquen, darunter auch frühere Kerbburschen, dabei und sorgten für gute Laune. Swingmusik tönte vom Wagen des nicht eingetragenen „Vereins zur Erhaltung der gesellschaftlichen Sitte“. Diese jungen Männer hatten stil-echt schwarze Anzüge, Zylinder und ihre Mädels Kleider mit Petticoats an.

Ziel der bunten Parade war das Bürgerhaus, wo Ingo Breuckmann dann mit dem Kerbspruch für Lacher sorgte. So wurde beim Rückblick auf die letztjährige Kerb – bei der sommerliche Temperaturen mit über 25 Grad herrschten – vom ersten Striptease bei einem Umzug berichtet.

Ein politisches Anliegen steht seit einigen Jahren im Kerbspruch. So verkündete der Kerbvadder, die Hergershäuser hätten keine Probleme damit, wenn sich Bürgermeister Achim Knoke in ihrem Stadtteil ein Denkmal in Form eines neuen Kindergartens setzen würde. Schließlich warte man noch immer auf die versprochene Einrichtung, damit der zahlreiche Nachwuchs im Ort („Die Störch, die fliege gor nit mehr fort“) nicht in der Kernstadt oder – noch schlimmer – in Sickenhofen betreut werden müsse. Zahlreiche Anekdoten aus der Kategorie „Pleiten, Pech und Pannen“ unterhielten die feiernde Masse. Von der örtlichen Feuerwehr, die nach allen Nachbarwehren bei einem Waldbrand in Hergershausen eintraf, bis zu einem übereifrigen Hausmann, der seiner Frau verbietet, das frisch geputzte Bad zu benutzen, waren jede Menge humorvolle Geschichten dabei. Natürlich gehörte auch ein Kerbplatz mit Vergnügungspark zum Geschehen. Auch in diesem Punkt kann man sich auf Einheimische verlassen. Die Hergershäuser Familie Petzold sorgte wie immer für Schiffschaukel und Co.

Quelle: op-online.de

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