Projekt der Babenhäuser Jugendförderung

Kinder beackern ihr Feld

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Der offene Kindertreff hat ein Kartoffelprojekt. Jetzt wurden die Setzlinge in den Boden gesteckt.

Babenhausen - Die tolle Knolle ist lecker und kann in einigen Varianten genossen werden. Kinder kennen sie aber oft nur aus dem Supermarkt und nicht mehr vom Feld. Ein Projekt der Kinder- und Jugendförderung klärt auf. Von Michael Just

Die Kartoffel gilt als Wunderknolle. Sie schmeckt, macht satt und vermehrt sich auf wunderbare Weise im Boden. Auf die Spur der Erdäpfel hat sich nun der offene Kindertreff der städtischen Kinder- und Jugendförderung (JuFö) gemacht. Auf einem Stück Acker von Landwirt Jürgen Rademer wurden fünf Reihen des Nachtschattengewächses gepflanzt. Der Name Kartoffel leitet sich übrigens vom italienischen Wort tartufolo (für Trüffel) und dem lateinischen terrae tuber (Erdknolle) ab. „Auf die Idee kamen wir, nachdem ein Kind fragte, ob wir nicht mal Kartoffel pflücken können“, erzählt Betreuerin Karen Burkholder. „Das ist schwierig. Die wachsen unter der Erde“, klärte sie die Schülerin auf. Um das Mysterium Kartoffel zu lösen, entstand die Idee, bei einer Kartoffelernte dabei zu sein. Durch Zufall lernte die JuFö-Mitarbeiterin kürzlich den Babenhäuser Landwirt Jürgen Rademer kennen. Bei dem fragte sie an, ob das mit der Kartoffelernte klappt. „Ich habe gar keine Kartoffeln, dafür aber einen Acker“, sagte der. Damit war der Vorschlag verbunden, warum der Kindertreff nicht sein eigenes Kartoffelprojekt startet.

Rund 25 Quadratmeter stellte Rademer zur Verfügung und bereitete den Boden durch Pflügen und Lockern soweit vor, dass die Kinder nun zum Furchen und anschließenden Setzen anrücken konnten. Der dreifache Familienvater besorgte sogar die Setzlinge: Insgesamt waren das fünf Kilo der Sorten Quarta und Jelly. Die Quarta gilt als Winterkartoffel und lässt sich sogar einkellern. Von einer langen Lagerung der Ernte geht Karen Burkholder allerdings nicht aus, denn im Herbst ist ein Kartoffel-Fest geplant. Von Suppe über Puffer bis hin zu Spiralen, die frittiert werden, soll laut der JuFö-Mitarbeiterin „nichts ausgelassen werden.“ Auch die Kunst des Kartoffeldrucks wird angestrebt.

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Da eine große Ernte nicht ohne eigenes Zutun funktioniert, sind die rund zehn Mitglieder des Kindertreffs im Alter von sechs bis 13 Jahren angehalten, in den nächsten Wochen ihre Knollen zu pflegen. Auf eine industrielle Unterstützung, wie sie Rademer anbot, will Burkholder verzichten. „Alles soll zu 100 Prozent bio sein“, sagt sie. Für ihre Schützlinge heißt das Unkraut jäten, häufeln und Kartoffelkäfer lesen. Auch das Wässern gehört nach heißen Tagen dazu. Geschieht das mit Passion, könnten laut dem Landwirt aus den fünf Kilo im September 30 werden. Das kleine Ackerareal hinter dem Bauhof hat der Nachwuchs mit Schildern gekennzeichnet, um zu zeigen, dass hier Kinder-Landwirte am Werk sind. „Der Jürgen Rademer ist für uns ein Glückfall“, lobt Burkholder. Denn durch seine Unterstützung erfahren die Kinder, wo die Nahrungsmittel herkommen. „Ich kenne Kartoffeln nur aus dem Supermarkt“, merkt dazu der kleine Timo an. Zum Wissen gibt’s den Spaß auf dem Acker gratis dazu: „Das Löchermachen für die Kartoffeln war bis jetzt das Beste“, lautet das vorläufige Fazit des elfjährigen Kevin. Der würde am liebsten regelmäßig mal losgraben, um zu gucken, was da in der Erde so passiert.

Quelle: op-online.de

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